Gemüse inkognito: Viele Kinder können nur wenige Sorten sicher benennen. Veronika Pepper möchte das mit ihrem Kikomo ändern und bei den Jüngsten Lust auf die Zubereitung von gutem Essen wecken. | Foto: jodo

Gesunde Kinderernährung

Sogar Gemüse-Verweigerer lassen sich bekehren

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Welches Elternteil kennt sie nicht, die omnipräsente Frage: „Was koche ich heute?“ Schnell soll es gehen, gesund soll es sein und am besten auch noch dem Nachwuchs schmecken. Viele Eltern setzen sich in Sachen Kinderernährung sehr unter Druck, weiß Veronika Pepper vom Verein Tischlein Deck Dich. Mit ihrem Kinderkochmobil (Kikomo) will sie Kindern die Lust an gesundem Essen näher bringen.

Was soll ich heute kochen? Diese Frage treibt zahlreiche Eltern um. Die Ernährung der eigenen Kinder ist ein wichtiges Thema, auch in Schule und Kita. Veronika Pepper vom Verein Tischlein Deck Dich erlebt viele Eltern jedoch zutiefst verunsichert, wenn es um das Thema gesundes Essen geht. „Über Essen kann man Glaubenskriege führen“, sagt Pepper lachend. Der Verein setzt sich seit 2011 für besseres Schulessen in Karlsruhe ein. Aber auch auf dem heimischen Esstisch lässt sich nach Peppers Einschätzung noch einiges verbessern.

Nachhaltigkeit und gesundes Essen

Betrachtet man die Einschulungsuntersuchungen für Vier- bis Fünfjährige, lag der Anteil der übergewichtigen Kinder in den vergangenen zehn Jahren zwischen acht und neun Prozent, rund drei Prozent waren sogar adipös. Dabei könne man Kindern gesundes Essverhalten ganz einfach beibringen, so Pepper. Mit ihrem Kinderkochmobil (Kikomo) will sie genau das: die Lust am Kochen und an gesunder Ernährung vermitteln. Aber auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. So wurde das Kikomo nur aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Lehmputz und Schafwolle erbaut und verfügt mit Solarzellen auf dem Dach über eine eigene Stromversorgung.

Über Essen kann man Glaubenskriege führen

„Das Kikomo will Kinder nicht über den Kopf, sondern über das Erleben an das Thema Ernährung heranführen“, erklärt Pepper ihr Konzept. Unter dem Motto „Zeigen, demonstrieren und erleben lassen“ lernen die Kinder Schritt für Schritt, sich mit Essen auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, überhaupt zu wissen, welche Obst- und Gemüsesorten es gibt und wann sie geerntet werden. Pepper ist immer wieder erstaunt, wie groß die Defizite mancher Kinder sind. „Nur wenige erkennen einen Fenchel oder einen Rotkohl, wenn man ihnen ein Bild davon zeigt.“

Je städtischer das Umfeld, so ihre Erfahrung, desto weniger Zugang finden Kinder zum Thema Lebensmittel und deren Erzeugung. Dabei sind Frische und Regionalität zwei Schwerpunkte, die Pepper für eine gesunde Ernährung setzt. Der dritte ist Vielseitigkeit. „Wer sich bunt und vielseitig ernährt, der kann eigentlich gar nichts falsch machen.“

Eltern haben in Sachen Gemüse eine Vorbildfunktion

Doch wie erziehen Eltern einen renitenten Gemüse-Verweigerer zu gesunder Ernährung? Das wichtigste sei, die eigene Einstellung zu ändern. „Erziehen ist immer auch ein Vorleben“, ist Pepper überzeugt. „Ich muss erst einmal selbst die Freude an frischen Lebensmitteln verinnerlichen, bevor ich sie meinen Kindern beibringen kann.“

Verantwortungsvoller Genuss sei dann der nächste Schritt: Sich Zeit nehmen, mit den Produkten beschäftigen. „Über Essen findet Gemeinschaft statt.“ Das gelte aber auch fürs Einkaufen und Kochen. Werden Kinder altersgemäß in die Zubereitung miteinbezogen, verlieren sie die Scheu vor gesundem Essen, so Pepper. Dann sei Raum, um sich kulinarisch auszuprobieren und zu experimentieren – auch wenn nicht alles beim ersten Mal klappt.

Auch mit wenig Geld regional und frisch kochen

Natürlich spiele auch Geld eine Rolle, räumt Pepper ein. Sie ist aber überzeugt, dass sich auch mit einem schmalen Budget schmackhaft und gesund kochen lasse. „Gesunde Ernährung ist keine Frage des Geldes, meist eher des Wissens.“ Pepper rät Familien dazu, mit offenen Augen durch die eigene Gemeinde zu gehen. Viele Produkte könne man auch beim heimischen Bauern kaufen oder selbst anbauen. Da reiche manchmal schon ein Balkonkasten.

Sie wünscht sich auch mehr Regionalität für das Schulessen. Da stößt das öffentliche Vergaberecht allerdings an seine Grenzen, erklärt Marius Blume, Pressesprecher der Stadt Karlsruhe. Mehrere Schulen beziehen ihr Essen von einem Caterer aus Wiesbaden. Viele Eltern wären auch bereit, mehr für das Essen ihrer Kinder zu zahlen, so Pepper – wenn dafür die Qualität stimme. In Karlsruhe bezahlen Eltern dafür einen Sockelbetrag von 3,50 Euro. Das deckt etwa 48 Prozent, der Rest wird von der Stadt aufgestockt. Die will mit dem täglichen Mittagessensangebot einen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten. Neben einem Bio-Anteil von 25 Prozent wird das Thema Ernährung auch im Unterricht behandelt, etwa mit der Landes-Initiative „Ernährungsführerschein für alle Grundschulen in Baden-Württemberg“, die 2017 startete.