Treffen mit dem Oberbürgermeister: Frank Mentrup (Mitte) nahm die Liste mit 165 Unterschriften von Anwohnern des Sophien-Carrées in Empfang.
Treffen mit dem Oberbürgermeister: Frank Mentrup (Mitte) nahm die Liste mit 165 Unterschriften von Anwohnern des Sophien-Carrées in Empfang. | Foto: Jörg Donecker

Anwohner wollen Bäume erhalten

Sophien-Carrée: Mentrup verspricht weiteren Austausch

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Eine Dreiviertelstunde nimmt sich Frank Mentrup Zeit für die Anliegen der Sophien-Carrée-Anwohner. Vier Vertreterinnen und Vertreter sind mit Unterstützung von KAL-Stadtrat Lüppo Cramer zur Übergabe von 165 Unterschriften an den Oberbürgermeister ins Rathaus gekommen – sie suchen außerdem das Gespräch mit dem Stadtoberhaupt. Das Wohnbauprojekt in der Weststadt sieht unter anderem die Schaffung von 140 neuen Wohnungen, aber auch die Fällung von Bäumen vor. (Die BNN berichteten.)

Mit der Unterschriftensammlung wehrt sich die Bürgerinitiative „Für ein grünes Sophien-Carrée“ gegen die Versiegelung jetzt grüner Flächen, vor allem auf dem Grundstück der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau (ESP), das nach außen hin an die Weinbrennerstraße grenzt.

Werden auch Bäume auf Nachbargrundstücken gefällt?

Man sei nicht grundsätzlich gegen die Schaffung neuen Wohnraums, aber wenn, dann nur auf bereits versiegelten Flächen, fasst Erhard Krüger die Forderung kurz zusammen. Am 13. März erhielten die betroffenen Anwohner die genehmigten Baubescheide für das aus drei privaten Bauvorhaben bestehende Gemeinschaftsprojekt „Sophien-Carrée“ der ESP Schönau, der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius und der Eberhardt GmbH.

Darin sei unter anderem die Rede davon, dass auch Bäume von benachbarten Privatgrundstücken gefällt werden sollen. „Da weicht die Realität von den schönen Reden ab“, so Krüger, der den Oberbürgermeister an sein Werben um eine „grüne Stadt“ erinnert.

Auch das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg bezeichnet in einer Publikation mit dem Titel „Klimawandel als Herausforderung“ die Stadt Karlsruhe als „heißes Pflaster“, wie Joachim Hirth, Anwohner aus der Körnerstraße, betont. „Bei dem Bauvorhaben wurde die Dachbegrünung mit den zu fällenden Bäumen gegengerechnet, das ist aber nicht mehr zeitgemäß“, so Hirth.

Dachbegrünung erstetzt keine Schatten spendenden Bäume

Sie könne große, Schatten spendende Bäume nicht ersetzen. „Wir wollen versuchen, mit Ihnen einen Kompromiss zu erreichen“, appelliert er an den Oberbürgermeister. Wenn man 20 der 140 geplanten Wohnungen streiche, könne man einen der insgesamt neun Neubau-Häuserblocks weglassen und das Grün auf dem Gelände der ESG erhalten.

Mentrup zeigt sich verständnisvoll, weist aber darauf hin, dass es sich um private Bauvorhaben handelt, auf die die Stadtverwaltung nur bedingt Einfluss habe. Das Baurecht bestehe, und im Gemeinderat sei man auch mehrheitlich der Ansicht gewesen, dass die von den drei Bauherren vorgeschlagene Lösung ein guter Kompromiss sei. „Es hätte auch jeder eigenständig bauen können, dann wäre womöglich noch viel stärker versiegelt worden“, so Mentrup.

Mentrup verspricht weitere Diskussionen

Hirth ist da anderer Meinung: Die ESP, auf deren Grundstück am meisten Grünfläche weichen soll, hätte diesen Bauantrag alleine wohl nicht durchbekommen, schätzt er. Insgesamt dagegen wird auf den drei Grundstücken mehr Fläche entsiegelt, so gehe die Rechnung dann also auf.

„In der ganzen Stadt wird zur Zeit viel Grün vernichtet. Wir müssen dem Grün deshalb an anderer Stelle wieder eine Chance geben“, räumt Mentrup ein. Er verspricht, die Wünsche der Anwohner an die Bauherren weiterzugeben und stellt in Aussicht, dass man auch über Anwohnerparkzonen in der stark belasteten Weinbrennerstraße sprechen könne.

Doch er betont auch, dass im Zweifel das Baurecht über der Baumschutzsatzung stehe. Auf jeden Fall werde man weiter diskutieren. „Vielleicht wird sich so eine schon jetzt gute Lösung noch weiter verbessern.“