Mit deutlich weniger Mais rechnen die Landwirte im Kreis Karlsruhe. Eine Unterbrechung der Trockenheit hätte auf die Mais- und Sojaernte jetzt keine lindernden Auswirkungen mehr. | Foto: Rake Hora

20 bis 50 Prozent weniger

Sorge um die Maisernte

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Die Freude währte nicht lange. Zu Beginn des Erntejahrs waren die Landwirte im Kreis Karlsruhe noch optimistisch eingestellt, da der Ertrag etwa der Wintergerste über statt unter dem Fünf-Jahres-Schnitt lag. Doch mittlerweile bekommen sie die Folgen von Hitze und Trockenheit zu spüren. Die Getreideernte fällt dieses Jahr durchschnittlich knapp fünf bis zehn Prozent kleiner aus als es im Schnitt der vergangenen fünf Jahre der Fall war. Die Landwirte hoffen nun, die Verluste durch höhere Preise wieder auszugleichen. „Derzeit sind die Preise um ungefähr zehn Prozent leicht angestiegen“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Karlsruhe, Werner Kunz.

Raps litt unter Kohlschotenmücke

Besonders enttäuscht wurden die Landwirte im Kreis Karlsruhe von der Rapsernte. Dabei verzeichneten sie Ertragsrückgänge von zehn bis 20 Prozent. Grund dafür war der Befall der Ernte durch die Kohlschotenmücke, ein Insekt, das die Schoten ansticht. Aufgrund strengerer Regelungen des Pflanzenschutzes dürfe zu diesem Zeitpunkt im Jahr nicht gegen das Tier vorgegangen werden, so Kunz.
Die Landwirte sorgen sich nun um die anstehende Maisernte. Kunz rechnet dort mit Ertragsrückgängen von 20 bis 50 Prozent. Zudem dürfte zwischen 20 und 30 Prozent weniger Soja heranreifen.

Aussichten für Zuckerrüben stehen eher schlecht

Auch die Aussichten für die Zuckerrübenernte stehen eher schlecht. Regnet es in den nächsten Tagen, dann können zumindest diese Pflanzen aber noch von der Nässe profitieren. Auf Mais- und Sojaernte hätte eine Unterbrechung der Trockenheit keine lindernden Auswirkungen mehr.

Futterknappheit droht

Ein heftiges Problem stellt für die Landwirte die drohende Futterknappheit dar. Insbesondere die viehhaltenden Betriebe wären davon betroffen, vor allem die Milchviehbetriebe. Wegen der enormen Ertragsrückgänge wird für sie das Tierfutter nicht ausreichen. Die Heuernte fällt zu mager aus. Zudem gibt es nicht genügend Silomais. Die Bauern verfüttern entweder die Vorräte für den Winter oder schlachten verstärkt Tiere, um sie nicht füttern zu müssen. Deshalb schlägt der Bauernverband die Einrichtung einer Futterbörse vor. Bauern könnten dorthin einen Teil ihres Futters spenden.

Von großen Verlusten verschont

Von großen Verlusten wie in anderen Teilen Deutschlands bleibe der Südwesten aber verschont. „Wir kommen mit einem blauen Auge davon“, so Kunz. In Nord- und Ostdeutschland betrage der Ertragsausfall dieses Jahr ganze 20 bis 50 Prozent. Vereinzelt komme es zum Totalausfall, so in Brandenburg. Deutschlandweit müssten die Landwirte mit einem Minus von 20 bis 25 Prozent leben. „Das erste Mal seit 1986 wird Weizen importiert werden müssen“, sagt Kunz. In der Regel exportiere Deutschland einen überschüssigen Teil an Getreide. Wo die Erträge der Getreideernte geringer ausfielen, hülfen auch die um zehn Prozent gestiegenen Preise nicht, so Kunz.

Marie-Luise Schächtele