Schloss Augustenburg
Das Schloss Augustenburg soll durch einen Investor umgebaut werden | Foto: jodo

Zoff um Schloss Augustenburg

Sorge vor einem weiteren Klotz

Anzeige

Die Veränderung des Grötzinger Ortsbildes stößt im Stadtteil auf vielfache Kritik. Angesichts von klotzigen Neubauten wie etwa für die Augustenburg-Gemeinschaftsschule oder die Wohngebäude der Ettlinger Baugemeinschaft fürchtet so mancher um das Gesicht des Stadtteils und speziell des Kirchviertels. Nun steht auch eine zentrale Entscheidung des Denkmalamts für den Umbau des Schloss Augustenburg in ein modernes Seniorenzentrum bevor. Nach dem Architektenwettbewerb in Januar 2018 hat der Investor, der französische Pflegekonzern Orpea, den Entwurf des Ersten Preisträgers, des Architekturbüros trint+kreuder d.n.a. als Bauantrag eingereicht. Diesen muss das Denkmalamt nun bewerten.

Brandbrief an die Stadtverwaltung

„Das Schloss – als Urschloss Karlsruhes unter besonderem Denkmalschutz – ist aber auf dem direkten Weg, durch die Planung eines Großkonzerns zerstört zu werden. Was wir Anwohner täglich sehen, davor verschließen die Behörden die Augen,“ schreibt nun der Grötzinger Carl Classen in einem Brandbrief an die politischen Akteure der Stadt und an die Denkmalschutzbehörden. Man bestreite nicht die Notwendigkeit einer Renovierung oder Neugestaltung, man würdige auch die Tatsache, dass der Bauherr einen Architektenwettbewerb hat durchführen lassen. Aber Classen listet viele Kritikpunkte auf: Die Dächer (Firsthöhen) der beiden neuen Seitenflügel sollen demnach circa 2,90 Meter höher als der Bestand werden. Der auf dem bisherigen Parkplatz geplante zusätzliche Flachdach-Nordbau verändere den Blick auf das Schloss ebenso wie jenen auf das ebenso denkmalgeschützte Fikentscher-Haus. Classens Fazit: „In das Ensemble passt dieser neue Klotz wie die Faust auf’s Auge.“ Mit einer Verdoppelung des bereits in den 70er Jahren erheblich vergrößerten Nutzvolumens habe der Investor zu weit gegriffen.
Auch Grötzingens Ortsvorsteherin Karen Eßrich verhehlt nicht, dass der vom Investor favorisierte Entwurf und vor allem der Neubauriegel Richtung Norden ihr ebenfalls schwer im Magen liegen: „Das Umfeld wird erschlagen durch die Massivität“, sagt sie gegenüber den BNN. Wie Classen weist sie darauf hin, dass die Höhe der Neubau-Seitenflügel die Metall-Aufsätze der Turmspitzen deutlich überragen werden. Auch sie wartet nun gespannt auf die Entscheidung des Denkmalamts.

FDP äußert sich zu Schloss Augustenburg

„Das Kirchviertel hat schon viel gelitten und einiges seiner historischen Identität eingebüßt,“ fasst nun die FDP-Gemeinderatsfraktion angesichts der bevorstehenden Weichenstellung die Kritik vor Ort auf. Das Denkmalamt muss nun bis zum 7. Februar noch seine Stellungnahme abgeben. Aller Voraussicht nach werde der Gesamtentwurf genehmigt, bis auf einige Details, so die Prognose der FDP. Die FDP-Fraktion wünscht sich aber, dass erstens das Denkmalamt „ausgewogen bescheiden möge“ und auch die Bedenken der Bevölkerung einbezieht und zweitens ein offenes Gesprächsforum zwischen Verwaltung, Investor, Architekt und Bevölkerung geplant wird. Der notwendige Bau einer Senioreneinrichtung solle weder die ortsansässige Gesellschaft spalten, noch ein Kulturdenkmal entstellen, heißt es weiter in der FDP-Mitteilung. Unterdessen hat sich auch die „Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild“ höchst kritisch zu den Umbauplänen geäußert. Die eingereichte Planung sei von „großer gestalterischer Unverhältnismäßigkeit in diesem Areal“. Die Stadt solle das Gespräch mit dem Investor suchen, um eine andere Planung zu erreichen.
2017 übernahm die deutsche Tochter des französischen Konzerns Orpea das Schloss Augustenburg in Grötzingen. Auch der vormalige Betreiber des dortigen Seniorenheims Haus Edelberg gehört inzwischen Orpea. Er soll das neue Seniorenzentrum betreiben. Dafür werden der Mittelbau und das Kavaliershaus, die unter Denkmalschutz stehen, saniert. Hinzu kommen zwei neue Flügelbauten an Stelle der Flügelbauten aus den 70er Jahren sowie ein viergeschossiger Neubauriegel. Die Fertigstellung ist für 2022 geplant. Das Seniorenzentrum bekommt stationäre Wohngruppen unterschiedlichster Art. Insgesamt hat es 100 Plätze. Dazu kommen 30 Service-Appartements sowie eine Tagespflegeeinrichtung mit 15 Plätzen.