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Heiße Phase: Um Punkt 18 Uhr soll das Essen den Gästen mit Karlsruher-Pass serviert werden. | Foto: Jörg Donecker

Karlsruhe

„Soziales Buffet“ tischt im Café Initial auf

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„Nachhaltig, frisch, regional, saisonal – wir erfüllen eigentlich alle Kriterien, die man in einer modernen Küche haben kann“, stellt Dirk Onescheit fest. Das Team des Profikochs und Küchenleiters ist ein Besonderes: Beim Projekt das „Soziale Buffet“ im Café Initial in der Ettlingerstraße kochen und servieren Langzeitarbeitslose. Von Montag bis Donnerstag gibt es hier um 18 Uhr ein Abendessen zum Selbstkostenpreis, exklusiv für Karlsruher-Pass-Inhaber.

Bereits seit 2010 werden im Café Initial Gäste empfangen und bekocht. Bislang gab es dort nur den Mittagstisch. „Das ist ein kleines Zeitfenster, das wir ausdehnen und speziell etwas für Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen und Ältere tun wollten“, sagt der Sozialpädagoge und Projektverantwortliche Max Breitzler. Mittags ist die Zielrichtung der Projekt-Teilnehmer der erste Arbeitsmarkt und die Qualifizierung für einen Beruf in der Gastronomie.

Sie rücken mehr in Richtung Arbeitsmarkt

„Abends haben wir eher Leute, die im Arbeitsmarkt nicht unterkommen konnten, weil sie zu krank sind“, erklärt Breitzler. Daher stünden insbesondere sinnvolle Beschäftigung und Stabilisierung im Vordergrund. Der Sozialpädagoge betont jedoch, dass er sich vorstellen könne, dass jemand von der Abendmaßnahme zum Mittags-Projekt wechselt und dann eine Qualifizierung macht. „Sie werden stabilisiert, haben eine Tagesstruktur und alleine dadurch rücken sie mehr in Richtung Arbeitsmarkt.“

Acht Teilnehmer beim Sozialen Buffet

Die Idee für das „Soziale Buffet“ sei dem Verein Initial bereits im vergangenen Sommer gekommen, so Breitzler. Initial ist eine gemeinnützige Beratungs- und Schulungseinrichtung, die Menschen bei der beruflichen und sprachlichen Integration unterstützt. Seit Ende Januar können so acht Teilnehmer über die Maßnahme Arbeitsgelegenheiten des Jobcenters beim „Sozialen Buffet“ beschäftigt werden. Maximal arbeiten sie sechs Stunden, mindestens aber drei Stunden pro Tag. „Sie verdienen kein Geld, sondern bekommen eine Mehraufwandsentschädigung von zwei Euro pro Stunde“, sagt Breitzler. Die Stellen sind auf ein halbes Jahr befristet, danach entscheidet das Jobcenter über eine mögliche Verlängerung. Laut dem Sozialpädagogen gibt es aktuell sogar eine Warteliste für das Projekt. Im Moment seien viele dabei, die bereits Erfahrung in der Gastronomie haben.

Gesetzliche Vorgabe: Nur mit Karlsruher-Pass

„Die ersten drei Abende haben geklappt – jetzt sind wir bereit für Gäste“, so Breitzler. Denn die fehlen noch, bislang haben erst drei Gruppen das „Soziale Buffet“ besucht. Dass nur Gäste mit Karlsruher-Pass zum Essen kommen dürfen, sei keine eigene Zielsetzung gewesen, sondern gesetzlich so vorgesehen sagt der Sozialpädagoge: „Dadurch, dass wir abends nur mit Menschen arbeiten, die über die Maßnahme Arbeitsgelegenheiten beschäftigt werden, geht das nicht anders.“

Förderung durch Europäischen Sozialfonds

Finanziert wird das Projekt durch eine Förderung des Europäischen Sozialfonds. „Der andere Teil der Finanzierung ist das Jobcenter und es gibt eine dritte Quelle“, sagt Breitzler, „die Rohstoffe, die verbraucht werden, sollen die Gäste zahlen.“ Drei Euro, im besten Fall für drei Gänge, sind der Betrag, an dem sich Onescheit und Breitzler orientieren. Besonders günstig soll es im Sommer werden. Dann kommen viele Zutaten aus dem Garten, der vom Verein Initial in Wolfartsweier bewirtschaftet wird. „Wenn es im Garten losgeht, kochen wir so oft wie möglich vegetarisch“, verkündet Onescheit.
Damit möglichst wenig weggeschmissen wird – Breitzler: „Wir kochen nicht für die Tonne“ –, müssen sich die Gäste bis spätestens 14 Uhr am jeweiligen Tag anmelden. „Es müssen Gruppen sein“, so Breitzler, mindestens fünf und maximal 30 Personen. Zielgruppe seien beispielsweise soziale Einrichtungen wie die Bahnhofsmission, das Frauenhaus, Sozpädal oder betreutes Jugendwohnen. „Leute, die den Karlsruher-Pass haben, können sich auch selbst in Gruppen organisieren“, schlägt Onescheit vor.

Sardellen mit Salat

„Heute gibt es frittierte Sardellen mit Salat“, sagt ein 58-jähriger Teilnehmer mit kunstvoll gekräuseltem Schnurrbart. Die Sardellen haben die Köche bereits geputzt und der Salat ist auch schon vorbereitet. „Ich habe mal als Koch gearbeitet“, erzählt der Mann bescheiden. Köchin Olga Shilova steht neben ihm und lächelt nachsichtig. „Er war fast 40 Jahre lang Koch!“, betont sie. Nach seiner Scheidung hatte der 58-Jährige Gelegenheitsjobs und war Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. „Das Arbeitsamt hat mir das hier empfohlen. Ich war begeistert und bin es immer noch“, sagt er sichtlich zufrieden.

Sprachen lernen im Café Initial

Auch Shilova kam 2010 über das Jobcenter zum Café Initial. „Sie konnte damals kein Wort Deutsch“, erinnert sich Breitzler. Als die Maßnahme nach einem halben Jahr auslief, konnte die Köchin die Sprache. „Wir haben gesagt: Die Olga müssen wir behalten!“, sagt der Sozialpädagoge und lacht. Seit 2011 leitet Shilova nun als Köchin selbst Teilnehmer an.

Neues Standbein in der Altenpflege

„Ich hatte ein eigenes Restaurant, seit acht Monaten habe ich keines mehr“, erzählt ein 55-Jähriger bitter. Nach einem Herzinfarkt habe er es an seinen Sohn übergeben. „In einem Jahr hat er es geschafft, das kaputt zu machen“, sagt er. Dennoch gibt der Mann sich positiv: „Ich kriege das wieder hin, ich glaube an mich.“ Er findet es gut, dass er durch das „Soziale Buffet“ wieder eine Beschäftigung hat. Dennoch überlegt er, sich in der Zukunft ein neues Standbein im Bereich Altenpflege aufzubauen.

Zu uns kommen besondere Leute

Einfach sei ihre Arbeit nicht immer, darüber sind sich Shilova, Breitzler und Onescheit einig. „Zu uns kommen Leute aus der ganzen Welt mit verschiedenen Mentalitäten und Sprachen. Ich bin das schon gewohnt und natürlich weiß ich, dass zu uns besondere Leute kommen“, sagt Shilova. Die Einschränkungen der Teilnehmer sollen bei der Arbeit dennoch nicht im Vordergrund stehen. Breitzler beschreibt einen Grundsatz ihrer Arbeit: „Wir wollen nicht problemorientiert arbeiten, sondern ressourcenorientiert, schauen, was die Teilnehmer können, wofür sie sich interessieren und wohin sie wollen.“

Service: Reservierungen für das „Soziale Buffet“ unter Telefon 14 57 18 20. Offen für alle ist der Mittagstisch im Lernrestaurant Café Initial von Montag bis Freitag, 12 bis 14 Uhr. Menschen mit Karlsruher-Pass erhalten Ermäßigung. Infos unter www.initial-karlsruhe.de.