Überall im ZKM wurden Arbeitsplätze aufgebaut, an denen die Entwickler in kleinen Teams an neuen Ideen feilten. Sie hatten 28 Stunden Zeit, um ihr Projekt fertigzustellen.
Überall im ZKM wurden Arbeitsplätze aufgebaut, an denen die Entwickler in kleinen Teams an neuen Ideen feilten. Sie hatten 28 Stunden Zeit, um ihr Projekt fertigzustellen. | Foto: Eschmann

Informatiktalente im ZKM

Marathon der Programmierer

Mit dem Begriff „Hacker“ verbinden die meisten Menschen negative Dinge: Den Angriff auf das IT-Netzwerk des Bundestages vor wenigen Wochen beispielsweise oder den Virus „WannaCry“, der im vergangenen Jahr sogar die Computersysteme der Deutschen Bahn lahmgelegt hat. Verknüpft mit dem Wort „Marathon“ ersteht jedoch ein wissenschaftlicher Wettkampf. Ein „Hackathon“.

Erster „Hackathon“ im ZKM

Im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe fand am Wochenende ein solcher Wettbewerb statt. Er ist Teil der Ausstellung „Open Codes“, die sich mit der digitalen Welt und den damit verbundenen Zukunftsfragen beschäftigt. „Es ist eine Art Erfinderwettbewerb für Softwareentwickler“, erklärt Julian Brendl von der KIT-Hochschulgruppe „Hack und Söhne“. Diese organisiert das zweitägige Event selbstständig, finanziell unterstützt durch Sponsoren. „Das Bild der Informatiker ist in der Öffentlichkeit nicht mehr so gut. Hacken muss nicht immer bösartig, sondern kann auch kreativ sein.“

28 Stunden für eine Idee

Aus zahlreichen Bewerbungen wurden 200 Teilnehmer ausgewählt, die in kleinen Teams eine eigene Idee entwickeln und technisch umsetzen sollten. Nur 28 Stunden hatten sie hierfür Zeit. Gearbeitet wurde rund um die Uhr, auch in der Nacht. An den zahlreichen Computerbildschirmen experimentierten die meist jungen Teilnehmer an verschiedenen Projekten, um sich am Ende den ersten Platz und die damit verbundenen 4.000 Euro Preisgeld zu sichern.

Von jedem Kontinent der Erde ist jemand nach Karlsruhe gekommen.

„Von jedem Kontinent der Erde ist jemand nach Karlsruhe gekommen“, sagt Brendl. Die Veranstaltung mit der Ausstellung „Open Codes“ zu kombinieren, habe sich auch deshalb angeboten, weil es inhaltlich sehr viele Schnittstellen gebe. „Unser Ziel ist es, dass sich die Museumsbesucher den Wettbewerb anschauen und so vielleicht selbst ein Interesse für Informatik und Physik entwickeln.“

Am Ende des „Hackathons“ stellten 18 von der Jury zuvor ausgewählte Teams ihr Projekt vor. Dafür hatten sie lediglich 120 Sekunden Zeit. „Wir bewerten unter anderem das Konzept, die Präsentation und den Aufwand“, erklärt Alexander Waibel, Professor für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Mitglied der Jury. Auch die Frage, ob es sich lohnen würde, in die Idee zu investieren, beeinflusste die Entscheidung.

Große Plakate sollten bei den Besuchern der Ausstellung "Open Codes" das Interesse für die zweitägige Veranstaltung wecken.
Große Plakate sollten bei den Besuchern der Ausstellung „Open Codes“ das Interesse für die zweitägige Veranstaltung wecken. | Foto: Eschmann

Die Projekte, die es in die Endauswahl geschafft hatten, stammten aus unterschiedlichen Bereichen. Ein Team arbeitete beispielsweise daran, ein Hologramm zu entwickeln, welches die eigene Person mit Hilfe einer Kamera in Echtzeit an einen anderen Ort projiziert. „Wir fanden die Idee gut und haben beschlossen, hier mitzumachen“, sagt Tim Hönnig. Reto Wettstein, der extra aus der Schweiz angereist ist, ergänzt: „Es ist eine tolle Möglichkeit, Leute mit gleichen Interessen kennenzulernen und sich auszutauschen.“

Gewinner-App soll Einkauf im Supermarkt erleichtern

Letztlich setzten sich andere Gruppen durch: Der dritte Platz ging an „HSM“. Sie entwickelten eine App, mit der Musik synchron auf mehreren Handys gleichzeitig abgespielt werden kann. Rang zwei ergatterte das Projekt „Meet2Eat“: Die Informatiker wollen das soziale Miteinander in der Kantine fördern. Ihre Software listet auf einem digitalen Tischplan mögliche Gesprächspartner für die Mittagspause auf. Sieger des Marathons wurden Dominik Doerner und Tobias Röddiger mit „Digimart.“ Hierbei handelt es sich um eine App, mit der Lebensmittel im Supermarkt nach verschiedenen Kriterien mit dem Smartphone gescannt und leichter gefunden werden können. Eine farbliche Kennzeichnung hilft dabei.

Dominik Doerner und Tobias Röddiger (von links) gewannen mit ihrer App „Digimart“.
Dominik Doerner und Tobias Röddiger (von links) gewannen mit ihrer App „Digimart“. | Foto: Eschmann

Technische Stolpersteine wurden schnell beseitigt

Bei all der Technik blieben Probleme nicht aus: Etwas Gravierendes sei während des „Hackathons“ jedoch nicht passiert, versichert Julian Brendl. Trotz der gelungenen Veranstaltung bleibt die Frage zunächst offen, wann in Karlsruhe der nächste „Hackathon“ stattfinden wird. „Vielleicht schon im nächsten Jahr“, blickt Brendl voraus. Die nun entstandenen weltweiten Kontakte wolle man auf jeden Fall auch in Zukunft nutzen.