SERIOSITÄT ZAHLT SICH AUS: Die Sparkasse Karlsruhe wurde auch angefragt, ob sie Seecontainer-Finanzierungen vermitteln wolle. Sie habe dies aber aus Qualitätsgründen abgelehnt. Eine Entscheidung, die richtig war, wie sich nun erwiesen hat. | Foto: jodo

Financier der Realwirtschaft

Sparkasse Karlsruhe statt „Bad Banks“

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Neulich im Fernsehen, ein von Kritikern in höchsten Tönen gelobter Sechsteiler: „Bad Banks“. Es geht um Money, Crime, Sex, Gambling – eine junge Investmentbankerin fährt dabei eine Großbank an die Wand. Michael Huber, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Karlsruhe, hat einige Teile der Serie gesehen. „Ich wurde auch mehrfach darauf angesprochen“, wie eben vom BNN-Redakteur. Zwar sei alles in dem Mehrteiler „etwas überzeichnet, hatte aber eine Grundlage“.

Und dann leitet der Banker wieder zur Realwirtschaft über, dem Geschäft, dem sich eine Sparkasse widmet: Allein den Kreditbestand von Unternehmen und Selbstständigen erhöhten die Karlsruher im vergangen Geschäftsjahr um 11,4 Prozent auf 2,994 Milliarden Euro – und das, obwohl sich die Branche wegen der EZB-Politik vor allem um diese Klientel reißt. Auch internationale Investoren wenden sich laut Huber an sein Haus, die siebtgrößte Südwest-Sparkasse: „Sie haben aus der Finanzkrise gelernt: Die Verlässlichkeit von regionalen Instituten in schweren Zeiten ist deutlich stärker als die internationaler Institute.“ Seit mehreren Jahren investierten internationale Investoren verstärkt in Immobilien in der Technologieregion Karlsruhe.
Den Gesamtbestand an Krediten und Darlehen erhöhte die Sparkasse um sieben Prozent. „Das ist der höchste Zuwachs aller Sparkassen in Baden-Württemberg“, sagt Huber und fügt hinzu: „Wir haben das Geschäft nicht erreicht, indem wir lockerer Kredite vergeben.“

Sparkasse Karlsruhe hat den Vertrieb von Container-Finanzierungen abgelehnt

Neben Seriosität ist auch Vertrauen ein Stichwort. Aktuelles Beispiel: Wie berichtet, haben Tochterunternehmen der Investmentfirma P&R Insolvenzantrag gestellt. 50 000 Kapitalanleger bangen nun um ihr Geld, das sie in Seecontainer steckten. Laut Finanzexperten stehen 3,1 Milliarden Euro im Feuer. P&R Töchter seien auch auf die Sparkasse – als gute Vertriebler bekannt – zugekommen. „Die wollten auch mit uns Vertrieb machen, sind aber mit Pauken und Trompeten durch die Qualitätsprüfung gefallen“, sagt Huber. „Wenn wir etwas nicht in unser eigenes Depot nehmen würden, tue ich es auch dem Kunden nicht an.“

Anders sei dies bei dem 2017 neu aufgelegten Dachfonds der Sparkasse („Premium Fonds“). Der komme in Zeiten, in denen es für Anleger auf Tages-, Fest- und Sparkonto so gut wie keine mehr Zinsen mehr gibt, gut an. Ende 2017 betrug der Bestand laut Huber 54,5 Millionen Euro. Über 3 500 Kunden hätten bereits in den Dachfonds investiert, bei dem die Sparkasse aus über 40 000 Produkten auswähle.

Mehr denn je setzt das Institut aufs Provisionsgeschäft, und somit neben der Wertpapiervermittlung etwa auch auf Sachversicherungen: Hier wurden 7 372 neue Verträge abgeschlossen – das bedeute Platz eins unter den Südwest-Sparkassen. Huber unterstreicht auf Nachfrage, dass man auch nicht auf die Idee käme, Lebensversicherungsbestände zu verkaufen. Bekanntlich hatte die Ergo dies geprüft und nach öffentlichen Protesten verworfen. Momenten spielt die Generali einen solchen Plan durch.

Bei Bereinigung des Filialnetzes „auf der Zielgeraden“

Herausfordernd bleiben aber auch für die erfolgsverwöhnten Sparkässler die Zeiten: So lag die Zinsspanne 2017 bei 1,90 (2016: 2,04) Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Wie mehrfach berichtet, fährt das Institut noch bis 2025 einen Sparkurs, unter anderem mit Personalabbau per Fluktuation und Filialschließungen. „Da sind wir aber auf der Zielgeraden“, so Huber. Fein justiert wird jedoch ständig: So würden SB-Filialen nachts nur sehr selten aufgesucht. „Deshalb haben wir uns entschlossen, ab dem 9. April elf Pilot-SB-Stellen nachts komplett abzuschalten, die SB-Bereiche zu schließen.“ Weitere sogenannte Nachtabschaltungen folgten. Mittlerfristig seien 44 von 79 Standorten betroffen. Ein Nebeneffekt: Kriminelle, die Geldautomaten attackieren wollen, stehen dort dann vor alarmgesicherten, geschlossenen Türen.

„Girokonto bleibt kostenlos“

Huber sagt, er stehe zum kostenlosen Girokonto – allerdings wurde zum Oktober 2017 die dafür nötige Gehaltsgrenze von 1 250 auf 1 500 Euro angehoben. Das haben Kunden auch gegenüber den BNN moniert. Huber: „Dies war aber nur eine Anpassung nach zehn Jahren an die normale Lohnentwicklung.“ Die Zahl der daraus resultierenden Kündigungen könne man nicht beziffern.

Auch Teil der Realwirtschaft ist für Huber der Hang zur Digitalisierung des Alltagslebens: Über 33 000 Kunden nutzten beispielsweise die Sparkassen-App – 8 000 mehr als im Vorjahr.

 

Die Bilanz-Kennzahlen lesen Sie in der BNN-Printausgabe vom 27. März 2018