250 Meter weit erstrecken sich die Betonschalen der Tunnelröhre unter der Karl-Friedrich-Straße. | Foto: Jörg Donecker

Tunnel-Rohbau ist beendet

Spaziergang unter der Via Triumphalis

Der Regen hat nachgelassen, doch das stört die gut 20 Frauen und Männer ohnehin kaum, als sie in gelben Gummistiefeln, Schutzhelmen und Warnwesten über die Holztreppe in den Tunnelschacht beim Ettlinger Tor hinabsteigen. Geladen hat die Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig), um mit einem Spaziergang unter der Karlsruher „Via Triumphalis“, auch bekannt als Karl-Friedrich-Straße zwischen Marktplatz und Ettlinger Tor, die Vollendung eines wichtigen Bauabschnitts der Kombilösung im Wortsinne zu begehen: „Diese Etappe markiert das Ende des Innenrohbaus des Stadtbahntunnels“, verkündet Oberbürgermeister und Kasig-Aufsichtsratsvorsitzender Frank Mentrup. Der Tunnel unter der Karl-Friedrich-Straße hat seine Innenschale aus Beton erhalten. Nachdem die gegen das Eindringen von Grundwasser während des Rohbaus benötigte Druckluft abgeschaltet wurde, können jetzt auch Bau-Laien durch das 250 Meter lange Rohr schreiten.

Der Innenausbau des Tunnels soll zwei Jahre dauern

Für den nun folgenden Innenausbau der Röhre wolle man sich zwei Jahre Zeit nehmen, „was schon sehr ambitioniert ist“, wie Mentrup zugibt. Er dankt der Tunnelpatin Sabine Volz für ihre „schützende Hand“, unter der die Bauarbeiten ohne schwerwiegende Unfälle zum Abschluss gekommen seien.

Noch einige Meter weiter geht es abwärts über ein Metallgestänge. „Wir sind jetzt im Südkopf, auf Höhe der Haltestelle Ettlinger Tor“, erklärt Kasig-Geschäftsführer Uwe Konrath. Nach Süden lässt der rechteckige Schacht weit blicken, in Richtung der künftigen U-Strab-Haltestelle Kongresszentrum. Die Gruppe spaziert indessen gen Norden, quer unter dem Kriegsstraßentunnel hindurch, wo einmal die Autos rollen sollen.

Es riecht noch nach frischem Beton, Bagger dröhnen, Gummistiefel tapsen durch unterirdische Pfützen. Dann öffnet sich das Tunnelrohr vor den Augen der Gruppe, 8,50 Meter hoch und 7,23 Meter breit, ein so genanntes Maul-Profil, wie der technische Prokurist Frank Nenninger detailreich erklärt. Das Besondere an diesem Tunnel sei sein Querschnitt, der sich in seinem Verlauf zwischen Ettlinger Tor und Marktplatz von 80 bis auf 140 Quadratmeter trompetenförmig ausweite: Unterhalb des Marktplatzes sollen im Jahr 2020 insgesamt drei Gleise verlaufen, und die brauchen ihren Platz.

250 Meter Betonschale zwischen Ettlinger Tor und Marktplatz

Die Patin knipst noch schnell ein Foto von „ihrem“ Sabine-Tunnel. „Es ist immer schön zu sehen, wie schnell sich alles weiterentwickelt“, sagt die erfolgreiche Kanutin, bevor sie die Röhre betritt.
Während es überirdisch eng und hektisch zugeht, herrscht unten kontemplative Ruhe – nicht Stille, denn die Maschinen dröhnen aus der Ferne. Weiträumig erstreckt sich die Tunnelröhre, von kaltem Blau angestrahlt – für einen römischen Triumphmarsch wäre Platz unter der Via Triumphalis.

In Rot und Blau, massiv und 80 Tonnen schwer schmiegt sich der Bewehrungswagen an die Tunnelwände, die es ohne ihn nicht gäbe: Mit Hilfe dieses Riesengefährts sind die Betonschalen angebracht worden. Dann endet die Röhre relativ abrupt an einer Wand. Die Gruppe zwängt sich nacheinander durch eine schmale Türöffnung und steht in einer großen Halle, beleuchtet vom kalten Tageslicht.

Beim Blick durch den Schacht nach oben zeigt sich dunkelrosa die Fassade des Rathauses – der Spaziergang ist auf Höhe des Marktplatzes an seinen Wendepunkt gekommen. Unterirdisch wird hier die so genannte Verteilerebene des U-Stab-Projektes entstehen, wie Kasig-Geschäftsführer Alexander Pischon erklärt. Hier sollen die Fahrgäste künftig noch unterirdisch zwischen den Bahnsteigen wechseln können. Während noch bis ins Frühjahr 2018 Restarbeiten des Rohbaus beendet werden, beginnt parallel bereits der Innenausbau: „Schienen, Signalanlagen, Oberleitungen, Fahrstühle, Bahnsteige und das alles“, zählt Pischon auf.

Bis zur fertigen U-Strab ist es ist noch ein weiter Weg, auch auf den 250 Metern unter der Karl-Friedrich-Straße.