Luftbild Untere Hub
In der Unteren Hub in Durlach sollen Felder zwischen der A 5 (rechts) und der alten B 10 (hinten) einem Sportcampus Durlach weichen. | Foto: Sandbiller

Große Pläne für die Untere Hub

Sportcampus treibt Bürger um

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Groß ist die Wissbegierde der Durlacher zum geplanten Sport- und Freizeitpark in der Unteren Hub, der seit Ende 2017 unter dem Namen Sportcampus läuft. Gespannt verfolgen im Bürgersaal des Rathauses Durlach über 100 Menschen – darunter Sportler, Vertreter vieler Vereine, Spaziergänger, Kommunalpolitiker, Naturschützer, Anwohner und anderweitig Betroffene – sachkundig, was fünf Experten aus städtischen Fachämtern zum Projektstand berichten.

Weiterentwickelter Entwurf erntet Applaus

Wie Bürgeranregungen bewertet, wie und ob sie eingeflossen sind, stellt Zuhörer mal mehr, mal weniger zufrieden. Die Präsentation des weiterentwickelten Entwurfs durch Luca Kist und Esther Degen vom beauftragten Fachbüro erntet dennoch kräftigen und weitgehend einhelligen Applaus.

Volle Anknüpfung an die alte B 10

Der städtische Verkehrsplaner Stefan Schwartz hakt drei Bürgerwünsche positiv ab. Das 20 Hektar große Areal werde mit der angrenzenden alten B 10 für alle Richtungen tauglich verknüpft. Autofahrer erhalten eine Zufahrt südlich der Brücke. Radelnde Jugendliche oder Fußgänger von Durlach und der Bahnhaltestelle Hubstraße her steuern den Sportcampus hingegen über eben diese Brücke an, und zwar auf deren Nordseite. Das trenne schwache und starke Verkehrsteilnehmer voneinander. Werde etwa von Schleichverkehr die Hubstraße entgegen der Prognose doch stark befahren, könne man sie für Autos nachträglich noch sperren, so Schwartz.

Großer Graben umschließt das Sportareal

Von Aufheizung über Grundwasser und Überflutungsgefahr bis zu Versiegelung und mangelnder Verfügbarkeit der Grundstücke: Die Bürger fragen nach und beweisen Detailkenntnis. In puncto Wasser gibt das Tiefbauamt Entwarnung. Der große Graben, der neben einer 1 700 Meter langen Laufbahn den Sportcampus umschließen soll, ersetze das bestehende Grabensystem. Er steigere die Rückhaltemenge sogar.

Wall neben der A 5

Die Aufschüttung eines gut sechs Meter hohen Walls neben der A 5 werde weder Grund- noch Pfinzwasser Richtung Untermühlsiedlung drücken, wird deren Bewohnern versichert. Lärm- und Klimakarten zeigt Umweltamtsleiter Norbert Hacker. Das Verkehrsrauschen werde bleiben, die klimatisch wichtige Kühlfunktion der Fläche durch den Sportparkbau aber nicht leiden, sagt er. Kist errechnet dies: Versiegelt, wasserdurchlässig befestigt oder unbefestigt bleiben werde je ein Drittel der Fläche.

Gegner halten das Projekt für verfehlt

Auch vehemente Gegner des Entwurfs melden sich zu Wort vor den Ohren der Dezernenten Michael Obert (Bau) und Martin Lenz (Sport) sowie Georg Gerardi (Stadtplanungsamt), die auf dem Podium sitzen. Ein ansässiger Landwirt, der Felder verliert, hält das Projekt insgesamt für verfehlt und erhält dafür hörbar Zustimmung. Eine Vertreterin des Hundesportvereins sieht Ärger zwischen Zwei- und Vierbeinern programmiert.

Anlage ist überdimensioniert

Auch die seit 15 Jahren aktive Bürgerinitiative Naturschutz Untere Hub ist nicht einverstanden mit der angestrebten Anlage, die sie als überdimensioniert kritisiert.

Vision: Landschaftsbrücke

Als „genial“ lobt ein Zuhörer die Vision einer Landschaftsbrücke für Fußgänger und Radfahrer über die A 5, die sich an die zentrale Campusallee anschließen und die Untere Hub mit dem Elfmorgenbruch verbinden könnte. Das wäre eine hochattraktive neue Verbindung für klimaneutrale Verkehrsteilnehmer zwischen den östlichen Stadtteilen und dem übrigen Stadtgebiet.

Zeitplan bis Mai 2020

Kein „Luftschloss“ mehr sei der Sportcampus, hören die Bürger. Die Stadt verfolgt einen konkreten Zeitplan. Im Juli beschäftigt das Projekt zunächst den Planungsausschuss des Gemeinderats. Für Oktober 2019 wird der Start des Umlegungsverfahrens angestrebt. Im Mai 2020 schließlich wollen die Planer damit beginnen, den Bebauungsplan aufzustellen.