Zufrieden in die Weihnachtspause geht KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer. | Foto: GES

„Bad Guy“ im Interview

Sportchef Kreuzer lobt Eigenantrieb der KSC-Profis

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Das Zwischenfazit von Oliver Kreuzer fällt nach dem 1:1 gegen Braunschweig positiv aus. Auch für 2019 erwartet der Sportdirektor des Karlsruher SC nur Gutes, wie unser Redaktionsmitglied René Dankert im Gespräch mit Kreuzer heraushörte.

Herr Kreuzer, was hat der KSC bis hierhin besser gemacht als in der vergangenen Saison?

Kreuzer: Vergangene Saison erzielten wir von allen Top-Teams der Liga die wenigsten Tore. Darauf haben wir reagiert. Wir blieben defensiv stabil, nach vorne wurden wir torgefährlicher. Das ist erfreulich.

In Anton Fink und Marvin Pourié sind zwei Unterschiedsspieler aufgetreten, die schon da waren …

Kreuzer: … was Marvin kann, wissen wir. Er hatte auch am Anfang dieser Runde Anlaufschwierigkeiten. Aber ich habe ihm immer gesagt: „Marvin, Kopf hoch, irgendwann platzt der Knoten.“ Mario Gomez hat nach 684 Minuten dann auch wieder seine Tore gemacht. Es gibt keinen Stürmer der Welt, der nur trifft. Marvin tut aber eine Menge dafür. Wirklich eine Menge. Der arbeitet Fußball. Der kommt nicht aus der Feinkostabteilung.

Florent Muslija ging spät nach Hannover. Danach blühte in Marc Lorenz am linken Flügel ein weiterer Profi auf, der schon da war. Erklärungen dafür?

Kreuzer: Lorenz hat ein Jahr gebraucht, bis er angekommen ist. Ein Jahr! Dabei hatte ich ihn so oft gesehen in Wiesbaden. Ich fragte mich oft: Warum kriegt dieser Kerl das nicht hier hin? Weil es ein größerer Verein ist? Woran liegt das? Ich sage es Ihnen: Es liegt am Menschen.

Nun bekam er Konkurrenz in Sercan Sararer …

Kreuzer: … exakt. Ein Puzzleteilchen greift ins andere. Weil ich sagte, dass es auf den Menschen ankommt: Spielt Fink anders als letzte Saison? Nein! Vielleicht hat er sich darauf besonnen, dass er im Spätherbst seiner Karriere ist und mehr tun muss.

Täuscht der Eindruck oder hat nicht inzwischen auch Alois Schwartz den Bogen raus, wie er die Mannschaft bei Laune hält?

Kreuzer: Ihr Eindruck stimmt. Der Alois ist ein Trainer, der auch mal Bonbons an die Mannschaft verteilt. Wenn er auch nicht zehn Jahre in der Ersten Liga trainiert hat, so besitzt er doch lange Erfahrung im Umgang mit Mannschaften. Und Lebenserfahrung. Man muss aber aufpassen, bis zu welchem Grad man Leine lässt.

Was meinen Sie?

Kreuzer: Alois und ich haben da so etwas, was ich mal als Rollenspiel bezeichnen will. Darin ist er der „Good Guy“ und ich bin dann eher so etwas wie der „Bad Guy“, der den Finger in die Wunde legt. Ich hatte auch schon Trainer, da waren die Rollen andersherum. Franco Foda oder Bert van Marwijk zum Beispiel hatten dann schon auch Tabula rasa mit der Mannschaft, und ich musste vermitteln.

Und nun wachen Sie darüber, dass es der Truppe nicht zu wohl wird?

Kreuzer: Ich hatte das Gefühl, dass rasch Selbstzufriedenheit aufkommt, wenn man eine Weile erfolgreich war.

Zur Halbzeit scheint im Umfeld alles eine Frage des Aufstiegs, oder?

Kreuzer: Klar wollen wir aufsteigen. Wenn es in deinen Hirnwindungen aber nur noch um die Zweite Liga geht, kannst du das Thema in die Tonne hauen. Also: Schön eines nach dem anderen.

Nach unseren Informationen verlängern sich bei Aufstieg alle auslaufenden Spielerverträge automatisch. Das betrifft Fink, Gordon, Pisot, Lorenz, Stroh-Engel – auch Torwart Uphoff?

Kreuzer: Auch Bennie wäre an uns gebunden, ja.

Das Belohnungsprinzip könnte auf dem Weg hilfreich sein, oder?

Kreuzer: Sie haben recht. Alle Spieler wollen hoch, alle mehr Geld. Aber die Mannschaft hat einen guten Eigenantrieb und Charakter. Ich bezweifle im übrigen, dass es sinnvoll wäre, so ein Aufstiegsteam auseinander brechen zu lassen. Bis zu sechs Neue musst du holen und darauf achten, den Gemeinschaftssinn zu bewahren. Danach kann es erst mal nur heißen: 40 Punkte, Klassenverbleib. Momentan ist das nur in einer Hinsicht interessant …

Nämlich?

Kreuzer: Dass bei uns etwas zusammenwächst, was auch von der Altersstruktur hochinteressant ist: Wanitzek ist 24, Groiß 21, Hanek 20, Möbius 21, Choi 23, Röser, 26, Camoglu 23 – da ist eine Menge Potenzial, das nicht ausgereizt ist.

Gute Aussichten für 2019 also?

Kreuzer: Wir werden nicht schlechter. Im Gegenteil. Schauen Sie sich unsere Ersatzbank in Halle an: Da fehlen ein Sararer, ein Groiß, ein Möbius. Das kann den Unterschied machen. Letztes Jahr hatten wir diese Qualität nicht. Wenn nun alle fit sind, wird es Härtefälle geben.