Stadionbau
Der Stadionbau im Wildpark wird teurer als gedacht | Foto: jodo

123 statt 114 Millionen Euro

Beim Stadionbau in Karlsruhe kommt es im April zum Schwur

Im April wird es in Sachen neues KSC-Stadion zum Schwur kommen – wieder einmal: Denn der Gemeinderat soll am 24. April über die nun nochmals nach oben korrigierten Kosten für das Gesamtprojekt Stadionbau entscheiden.

Dabei geht es jetzt um 123 statt die zuletzt genannten 114 Millionen Euro. Dies bestätigt eine Vorlage aus dem Rathaus, die den BNN vorliegt.

Kostendeckel bei Stadionbau nicht zu halten

Schon länger zeichnete sich ab, dass nach dem Bieterverfahren der ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene Kostendeckel nicht zu halten ist.

Es folgten Verhandlungen über Einsparpotenziale, beispielsweise weniger Flächen im Trainingsbereich. Doch ein Durchbruch wurde nicht erzielt.

Stadt erklärt sich für Wälle zuständig

Nun soll die Entsorgung der Wälle an die Stadt fallen. Dabei geht es um mindestens neun Millionen Euro. Dieser Betrag erklärt den jetzt anstehenden Kostensprung.

Auf dem Gelände des heutigen Wildparkstadions befand sich im Zweiten Weltkrieg eine Flakstellung der Wehrmacht. Entsprechend stark wurde diese Fläche bombardiert.

Eine Million Euro war vorgesehen

Dennoch dachte man lange, dass die Wälle bei dem Stadionprojekt erhalten werden können. Für Modellierarbeiten war eine Million Euro vorgesehen.

Den Bietern im Verfahren wurde freigestellt, wie sie mit den Wällen umgehen. Und alle im Sommer 2017 eingereichten Entwürfe nehmen umfangreiche Eingriffe vor. Um Unfälle zu vermeiden, muss die Kriegsmunition abgeräumt werden.

Verantwortung des Bauherrn

„Solche Maßnahmen liegen ausschließlich im Verantwortungsbereich des Auftraggebers und Bauherrn und gelten für jedwede Baumaßnahme“, argumentiert die Verwaltung.

Die Vorabmaßnahmen würden somit „heilen“, was aus heutiger Sicht erforderlich ist, bei der Erstellung des Stadions 1952 bis 1955 jedoch als unerheblich betrachtet worden sei.

Verein baut VIP-Parkhaus selbst

Eine weitere Neuheit beim Projekt Stadionbau ist, dass der Verein das mit rund zehn Millionen Euro veranschlagte VIP-Parkhaus selbst errichtet und vermarktet.

Dieser Posten – bei dem die Refinanzierung realistisch erscheint – ist in den 123 Millionen Euro nicht enthalten.

50 Millionen Euro Steuergeld

Der Rechnung zufolge soll der KSC insgesamt 74,5 Millionen Euro über die Pacht refinanzieren. Bleiben nach der neuen Berechnung knapp 50 Millionen Euro inklusive der Wälle, die der Bürger finanziert.

Elf Millionen Euro davon kommen als Landeszuschuss – auch dies ist Steuergeld.

Debatten im Gemeinderat?

Dass die Sache im Gemeinderat einfach durchgewinkt wird, ist nicht zu erwarten. Zumindest eine kritische Debatte ist wahrscheinlich.

Die Karlsruher Liste (KAL) erinnert schon jetzt daran, dass sie stets auf das „ungeklärte Risiko“ der Wallentsorgung hingewiesen habe. Jetzt falle das Thema den städtischen Planern auf die Füße.

Privater würde erst gar nicht bauen

Die KAL erklärt zu der Maßnahme, die die Verwaltung außerhalb des Stadionbaubudgets abwickeln will: „Wenn ein privater Bauträger statt der Stadt die Gesamtmaßnahme ,neues Stadion‘ stemmen würde, würde sich der Zusatzaufwand durch das Abräumen und Entsorgen der Wälle in der Höhe der Stadionmiete widerspiegeln.“

Stadtrat Lüppo Cramer sagt: „Sonst würde ein Privater gar nicht erst bauen.“ Die KAL fordert nun grundsätzlich eine öffentliche Debatte vor der Gemeinderatssitzung. Schließlich habe der Verwaltungsvorschlag Folgen für den Steuerzahler.

KAL fordert öffentliche Debatte

Die KAL fordert: „Sollte die Wallentsorgung aus dem Stadionbaubudget rausfliegen, dann muss der KSC die Zusatzkosten für den Spielbetrieb während des Umbaus bezahlen und sich zudem an denjenigen Infrastrukturkosten beteiligen, die nur wegen des Spielbetriebs anfallen.“ Als da wären: Sicherheitsmaßnahmen, Parkplätze, technische Ausstattung, Verlagerung der Trainingsplätze.

Der Aufwand dafür liege bei mehr als der Hälfte der Infrastruk–turkosten von 28 Millionen Euro – ohne Wallbeseitigung.