Sortieranlage für Müll
„Die Sortierqualität hat sich verschlechtert“, sagt Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach. | Foto: Gregor Fischer/Illustration

Nicht gut getrennt

Stadt Karlsruhe will die Sortierqualität beim Abfall verbessern

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Die Deutschen gelten als Trennweltmeister beim Müll. Auch die Karlsruher Bürger befüllen die verschiedenen Tonnen – Wertsoff, Papier, Bioabfall und Restmüll – jedoch zu oft falsch. „Die Sortierqualität hat sich verschlechtert“, sagt Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach.

Immer wieder landet etwa Papier statt in der dafür vorgesehenen Tonne gemeinsam mit verunreinigtem und feuchtem Material in der Wertstofftonne. Das Altpapier wird dabei nass und verliert an Qualität. Zudem werden so auch die recyclebaren Plastikverpackungen verschmutzt. Nur eines von vielen Beispielen, die eine gute Verwertung von Wertstoffen erschweren. Ein Mindestmaß an Sauberkeit und die Trennung unterschiedlicher Stoffkomponenten seien deshalb erforderlich. Nur so könne der Wertstoff optimal verwertet werden, so Lisbach.

Das Amt für Abfallwirtschaft (AfA) setze deshalb auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um die Bürger auf den korrekten Umgang mit Abfällen zu sensibilisieren. „Es ist mehr Informationsarbeit erforderlich“, verdeutlicht Lisbach. Man wolle verstärkt auch in die Schulen gehen und Multiplikatoren einsetzen.

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Roter Tadel-Anhänger bei Pilotprojekt „Trenndiät“

In Rintheim realisierte die Stadt das Pilotprojekt „Trenndiät“. Unter anderem wurden die Wertstofftonnen von den Müllwerkern über einen gewissen Zeitraum überprüft und mit einem roten Tadel-Anhänger oder einem grünen Lob-Anhänger versehen. Daran schloss sich eine weitere Phase an, in der die Wertstofftonnen auf Fehlwürfe kontrolliert wurden. Befand sich Abfall in der Tonne, der dort nicht rein gehört, wurde die Tonne bei der regulären Abholung nicht geleert. Die Sonderleerung durch ein Restmüllfahrzeug kostet dann eine Extragebühr.

Die Kampagne hat zum Ziel, die Trennung von Wertstoffen sowie Papier, Pappe und Kartonagen zu verbessern. Aktuell wird das Projekt ausgewertet. Je nach Ergebnis könnte die Kampagne auf andere Stadtteile ausgeweitet werden. In der Waldstadt wurde ein dreiwöchiger Leerungsrhythmus der Papiertonne getestet. Eine Auswertung liege noch nicht vor, sagt AfA-Leiter Olaf Backhaus.

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Thema im Gemeinderat

Das Thema Abfall steht auch im Gemeinderat, der an diesem Dienstag zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen kommt, auf der Tagesordnung. Abgestimmt wird über Änderungen der Abfallgebühren und der Abfallentsorgung. Unter anderem geht es um eine Mindestkapazität für die Restmülltonne. Dieses soll nach Angaben der stellvertretenden AfA-Leiterin Doris Schönhaar auf zehn Liter pro Einwohner und Woche festgelegt werden. Damit will die Stadt vermeiden, dass Bürger um Gebühren zu sparen, sich offensichtlich für eine zu kleine Reststofftonne entscheiden. Denn häufig lande der anfallende Restmüll dann in anderen Tonnen, berichtet Schönhaar. Außerdem soll es künftig möglich sein, Grünschnitt in der Biotonne zu entsorgen. Auch darüber stimmen die Gemeinderäte ab.

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Duales System verwertet die meisten Verpackungen

Lisbach informiert auch über die Wege des Wertstoffabfalls, speziell des Kunststoffe. Der größte Anteil der über die Wertstofftonne eingesammelten Verpackungen wird von den Betreibern des Dualen Systems verwertet. „Darauf haben wir keinen Einfluss“, sagt Lisbach.

Für rund zwölf Prozent der Abfälle aus der Wertstofftonne ist die Stadt zuständig (etwa vier Prozent Kunststoffe, drei Prozent Metalle und fünf Prozent Holz). Dort gilt: Bei allen Verträgen, die die Stadt seit Jahresbeginn mit dem Müllentsorger ALBA Nordbaden abgeschlossen hat, ist festgelegt, dass der Abfall nur in Verbrennungsanlagen kommt, die sich an die strengen gesetzlichen Vorgaben bei den Grenzwerten für Luftschadstoffe halten. ALBA hätte der Stadt zugesichert, dass der städtische Anteil des Wertstoffs nicht in ein Zementwerk in Wössingen als Ersatzbrennstoff geliefert werde, so Backhaus.