Die Rückfront des Hauptbahnhofs wird bebaut
ENTWICKLUNGSFLÄCHE hat Karlsruhe seit Jahrzehnten hinter dem Hauptbahnhof. Nach manchem Fehlalarm scheint das Geschäft mit dem Großinvestor Dommermuth nun mit dem Gemeinderatsbeschluss in trockenen Tüchern zu sein. Zunächst will der Chef von United Internet Bürobauten beiderseits des Bahnhof-Südeingangs (Mitte) ab Jahresende hochziehen. | Foto: jodo

Hauptbahnhof Süd wird bebaut

Stadt verkauft ihr Filet an Dommermuth

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Von Günther Kopp und Rupert Hustede

 

Für eines der größten Bauprojekte der vergangenen Jahrzehnte hat der Gemeinderat am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen den Weg freigemacht.  Die Stadtpolitiker beschlossen den Verkauf von weiten Teilen des städtischen „Filetstücks“ hinter dem Hauptbahnhof für rund 20 Millionen Euro an den Investor Ralph Dommermuth.

BNN-Bericht bestätigt

Die BNN berichteten bereits vor drei Wochen exklusiv über dieses Geschäft. Die Stadt berichtete nun gestern von der Verkaufsentscheidung des Gemeinderats.

Weitere Investoren in Sicht?

Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz bestätigte zudem BNN-Informationen, wonach sich Ende vergangener Woche ein weiterer Interessent für die Fläche südlich des Hauptbahnhofs bei der Stadt gemeldet hat. Er soll 25 Millionen Euro für das Areal geboten haben.

Zum Betrag äußerte sich die Bürgermeisterin nicht, zur Vorgehensweise sagte sie, die Stadtverwaltung habe sehr intensiv mit Investor Dommermuth verhandelt und Einigung über eine nachhaltige Entwicklung des für die Stadtentwicklung sehr wichtigen Geländes erzielt. Jetzt gelte es, das Ergebnis der Verhandlungen baulich umzusetzen.

Zukunftsmodell für Hauptbahnhof Süd
Blick von Süden auf das Dommermuth-Modell für die Bebauung mit Bürogebäuden hinter dem Hauptbahnhof. | Foto: Quelle: Graf

Ralph Dommermuth ist Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender der United Internet AG. Er tritt beim Projekt „Hauptbahnhof Süd“, auf dem die Stadt 24 Jahre lang sitzen geblieben war, persönlich als Investor auf. Die riesigen Bürobauten werden nach Angaben der Stadt „langfristig an hochwertige Unternehmen aus der IT-Branche vermietet“.

Dommermuth bleibt Eigentümer

„Konkret beschlossen wurde im nicht öffentlichen Teil der Sitzung der Verkauf einer Fläche von 22 540 Quadratmetern sowie die Abgabe eines Kaufangebots für eine weitere Fläche von rund 3 600 Quadratmetern im östlichen Grundstücksbereich an der Ettlinger Straße“, erklärt die Stadtverwaltung. Dommermuth werde „die Immobilie langfristig im Eigentum behalten“.
Wie aus der Beschlussvorlage an den Gemeinderat hervorgeht, wird die Entwicklung des Bauprojekts durch die bundesweit in der Immobilienwirtschaft tätige Gesellschaft S.K.E.T. aus Montabaur betreut. Ihr Geschäftsführer Rainer Dommermuth sei ein Bruder vom Käufer der Grundstücke, Ralph Dommermuth.

 

Der Südeingang des Bahnhofs
Der Platz am Südeingang des Hauptbahn hofs bleibt in städtischer Hand, daneben ein Bürohaus des Investors | Foto: Quelle: Graf

In einem ersten Bauabschnitt ist, wie die BNN bereits berichteten, der Bau von rund 48 000 Quadratmetern Büroflächen mit Tiefgaragenstellplätzen für etwa 1 500 Arbeitsplätze zu beiden Seiten der zentralen Fläche hinter dem Hauptbahnhof vorgesehen. Dieser Platz dient heute als Anfahrt und Kurzparkerzone. Er wird nicht an den Investor verkauft.

„Kämme“ neben Hochhäusern

Die kleinen Bürohochhäuser dienen als Platzrandbebauung (siehe Grafik). An sie schließen sich mehrgeschossige Bürotrakte mit Kammstruktur an. „Für den durch die Bauarbeiten bedingten Wegfall der oberirdischen Stellplätze“ werde man im Umfeld des Bahnhofs Ersatz schaffen, kündigte die Stadtverwaltung an.

Der Busbahnhof wird noch nicht verlagert. Die neue Fernbus-Station ist 300 Meter östlich an der Fautenbruchstraße geplant und wird wohl erst um 2020 verwirklicht.
Das alte Heizkraftwerk, Zentralbau der 20 Jahre von Künstlern genutzten alten Bahnhäuser auf der Westseite des Baugebiets, soll in eine Betriebskantine umgebaut werden.

Zur Zukunft des Geländes westlich des Heizkraftwerks erklärte Wirtschaftsbürgermeisterin Luczak-Schwarz auf Anfrage, die Stadt werde diese Fläche zunächst in ihrem Eigentum behalten und später separat entwickeln. Es gebe Interessenten, allerdings sei die Nutzung des Geländes noch nicht geklärt, so Luczak-Schwarz.
In einem weiteren Bauabschnitt ist ein deutlich über 50 Meter hohes Wohnhochhaus mit 8 000 Quadratmetern Fläche vorgesehen. Der „Wohnturm“ soll in Verlängerung der Ettlinger Allee entstehen. Laut Wirtschaftsbürgermeisterin wird es wohl noch einen dritten Bauabschnitt geben.

Mit Investor Dommermuth sei vereinbart, dass künftigen Bauten ein Architekturwettbewerb vorgeschaltet werde.

Gang zum Notar steht bevor

Wegen des Zeitdrucks sei ein Wettbewerb für den ersten Bauabschnitt nicht möglich sagte Luczak-Schwarz. Allerdings sei der Gestaltungsbeirat mit dem Projekt befasst gewesen. Er hatte Kritik an der Gebäudeausformung geübt. „Sowohl Stadt als auch Investor arbeiten derzeit intensiv an den Vorbereitungen für den notariellen Kaufvertragsabschluss“, erklärt das Bürgermeisteramt.

Karlsruhe hat  nun viel zu tun

Karlsruhe habe nun „vorbereitende Arbeiten“ zu erledigen. Dazu gehörten das Verlegen von Leitungen im Baufeld oder die Umsiedlung der lebenden Eidechsen. Schließlich will Investor Dommermuth schon zum Jahresende die Bagger rollen lassen.