Kronenplatz
BAUPLATZ FÜR BIBLIOTHEK? Zukunftspläne für den Kronenplatz schmiedet jetzt die städtische Fächer Gesellschaft. Mindestens noch einige Jahre bleibt der Platz abgesehen von den Brunnen leer.. Ihn umgeben von links das Hohenzollernhaus, die Kronenstraße, der rote Rothermund-Riegel und vorne rechts das Jubez-Haus. | Foto: jodo

Stadt will Sorgenkind aufpäppeln

Sieben Jahre stand auf dem Kronenplatz eine Bürocontainerburg der BeMoTunnelling. Mit Abschluss der Rohbauarbeiten an der gleichnamigen Untergrundstation haben die U-Strab-Bauer den Platz freigegeben. Jetzt überlegt die Stadt wieder, was sie mit dem von Anfang an umstritten „Kronenplatz“ eigentlich anfangen kann. Vielleicht wird er zum Platz der Bücher.

An Stelle von „Klein-Karlsruhe“

Der Kronenplatz ist ein Sorgenkind der Stadtpolitik. Das Karlsruher Dörfle wurde in den 60er- und 70er-Jahren weitgehend zertrümmert und eine Brache geschaffen im Winkel zwischen der Kaiserstraße und der exakt vor 50 Jahren durch „Klein-Karlsruhe“ geschlagenen Schneise Fritz-Erler-Straße. 44 Jahre ist der Kronenplatz nun alt – und trotz mancher Veränderungen hat dieses Kind der Reißbrettplaner die Karlsruher bis heute enttäuscht.

Durchstarten mit Großprojekt

Die große Fläche hat für die Bürger kein attraktives Gesicht ausgebildet und sich trotz seiner Citylage nicht zu einem pulsierenden Zentrum der östlichen Innenstadt entwickelt. Nach vielen Jahren des Klagens und Schimpfens über die – von allen Parteien inzwischen so empfunden – missratene Schöpfung der Karlsruher Stadtplaner will man nun mit einem neuen Großprojekt durchstarten.

92 Millionen im Gesamttopf

Einer Negativspirale, bei welcher der Kronenplatz zusammen mit der östlichen Kaiserstraße im Sog von Billigläden, Spielhallen und Wettbüros das ganze Quartier schwächt, wird das Sanierungsprogramm Innenstadt-Ost entgegensetzt. Auf insgesamt 92 Millionen Euro hat der Gemeinderat den Investitionsrahmen für diesen Umbau Ost abgesteckt. Dabei stellt man sich vor, rund 20 Millionen Euro in den Kronenplatz zu stecken. Hauptprojekt ist die Stadtbibliothek, der das Neue Ständehaus beim Friedrichsplatz zu klein ist.

 „Fächer“ untersucht

Jetzt untersucht die städtische Fächer Gesellschaft, ob sich der Kronenplatz als Standort für eine vergrößerte Stadtbibliothek „oder eine andere Bildungseinrichtung“ eignet, erklärt Baubürgermeister Michael Obert. Ob die Stadtbibliothek mitten auf dem großen unteren Platz oder an Stelle der Brunnenanlage mit Wasserwand beziehungsweise als Platzkante und damit in der Flucht der Kronenstraße stehe, sei noch völlig offen, unterstreicht der Baudezernent.

 

Markthalle
VOR DEM ABRISS. Seit 1980 steht die Markthalle auf dem Südteil des Kronenplatzes – und kein Gemüsestand lockt dort. Auch die neun Jahre alte Boulebahn zieht überhaupt nicht. | Foto: jodo

 

Auf jeden Fall bleibe die Fußgängerbrücke „Ponte Rosso“ mit dem Restaurantaufbau über der Fritz-Erler-Straße, versichert Heike Dederer vom Stadtplanungsamt.

Ende auch für Boulebahn

Keine Zukunft mehr habe dagegen die nie genutzte kleine Markthalle und die Boulebahn im Süden des kleineren Platzteils, sagt Dederer. Obert kündigt den Abriss der Markthalle bereits für Oktober an.

Versetzung für Narrenbrunnen?

Auch die Nutzungsmöglichkeiten für das Jubez-Gebäude würden überprüft. Selbst der Lüpertzsche Narrenbrunnen sei nicht unverrückbar, signalisiert Obert.

Marktplatz  doch subventioniert

Beim Sanierungsprogramm Innenstadt-Ost kann die Stadtkasse je nach Einzelprojekt  mit 30 bis 60 Prozent  Zuschuss von Bund und Land rechnen. Zum Sanierungsgebiet gehören neben dem Kronenplatz auch die Kaiserstraße zwischen Karl-Friedrich-Straße und Berliner Platz sowie der Marktplatz. Das einst plattgemachte „Sanierungsgebiet Altstadt“ östlich der Fritz-Erler-Straße ist ausgeschlossen mit Ausnahme der Kapellenstraße.

Oberfläche  nicht in Kombikosten enthalten

Die Stadt nutzt also dieses Finanzierungsmodell für die Neugestaltung der östlichen Kaiserstraße ohne Schienen und des Marktplatze als reine Fußgängerzone nach Vollendung der Kombilösung aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße. So kommt sie dabei doch noch an Subventionen. Geht doch dieses Aufhübschen der Oberfläche eigentlich im Prinzip allein auf Kosten der Stadt, da es nicht zum 1,2-Milliarden-Budget Kombilösung gehört, wo Bund und Land den Löwenanteil berappen.