Geschlossene Gesellschaft: Mitarbeiter des Städtischen Klinikums dürfen mindestens bis 30. Juni nicht in Nebenjobs arbeiten.
Geschlossene Gesellschaft: Mitarbeiter des Städtischen Klinikums dürfen mindestens bis 30. Juni nicht in Nebenjobs arbeiten. | Foto: jodo

Risiko in Corona-Krise

Diskussion um Hebammen: Städtisches Klinikum Karlsruhe verteidigt Verbot von Nebenjobs

Anzeige

Das Städtische Klinikum verteidigt das Verbot der nebenberuflichen Arbeit seiner Hebammen. „Das ist notwendig, um Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und das Infektionsrisiko so weit es geht zu senken“, sagt Pflegedienstleiter Josef Hug. Alle anderen Mitarbeiter des Klinikums dürfen schon jetzt nicht mehr nebenbei arbeiten – allein in Pflege und Funktionsdienst sind das 336 Menschen.

Mit den elf betroffenen Hebammen habe man einen Kompromiss ausgehandelt, wegen der „besonderen persönlichen Beziehung“ zu den Müttern. Am 30. Juni läuft aber auch der aus.

Mitarbeiter kommen im April auf 700 Quarantäne-Tage

„Wir handeln mit diesem Verbot sehr verantwortungsvoll“, ist Hug überzeugt. Erkrankt ein Mitarbeiter an Covid-19, ist der komplette Kollegenkreis betroffen – mit Folgen für die Funktionsfähigkeit ganzer Abteilungen, so der Pflegedienstleiter.

Auch interessant: Nur wenige Corona-Patienten in Karlsruher Kliniken: Wer übernimmt jetzt die Kosten?

Allein im April haben Mitarbeiter des Städtischen Klinikums 700 Tage in Quarantäne verbracht, berichtet er – hochgerechnet rund 35 Vollzeitstellen. „Das zeigt, wie wichtig die Infektionsvermeidung ist.“

Nebentätigkeiten haben Mitarbeiter aus allen Bereichen des Klinikums angemeldet. Sie sind zu normalen Zeiten auch erlaubt und reichen von einigen zusätzlichen Stunden bis zu ganzen Tagen. So arbeiten manche neben dem Klinik-Job beispielsweise in der Pflege. „Aber nicht alle Nebentätigkeiten sind im Gesundheitswesen“, so Hug.

Durch das Verbot lasse sich die Infektionsgefahr in diesem Bereich auf null reduzieren. Eine Ansteckung im privaten Umfeld lässt sich damit natürlich nicht ausschließen. „Wir sensibilisieren aber intern dafür, auch hier die Regeln so streng es geht einzuhalten.“

Sonderweg für Hebammen – aber zeitlich begrenzt

Mitarbeiter, die auf das zusätzliche Geld angewiesen sind, haben laut dem Pflegedienstleiter Angebote zur Überbrückung erhalten. Wer zum Beispiel bisher 80 Prozent im Klinikum gearbeitet habe, könne das auf 100 erweitern. Andersrum sei es auch möglich, sich für einen Job freistellen zu lassen.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Die spezielle Lage der Hebammen, die langfristig planen, oft schon Monate vor der Geburt in Kontakt mit werdenden Müttern treten und sich um die Nachsorge zuhause kümmern, sieht Josef Hug durchaus berücksichtigt.

Klinikum fürchtet Ausfall der Geburtshilfe

Elf der 22 angestellten Geburtshelferinnen machen das neben ihrer Arbeit im Klinikum. Sie dürfen diese Betreuung noch mehr als zwei Monate übernehmen – obwohl sich das Städtische Klinikum im Zwiespalt sieht.

Auch interessant: Hebammenverband kritisiert Kreißsaalverbote für Väter

Die Hebammen im Kreißsaal seien nicht durch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen zu ersetzen, das mache es umso riskanter. „Wir haben ihnen nun sehr strenge Hygienevorschriften für die Hausbesuche mit auf den Weg gegeben“, sagt Hug. „Damit ist es plan- und berechenbar.“

Corona-Krise: Verbot soll Ende Juni neu beraten werden

Auf Dauer will man diese Lösung dennoch nicht etablieren. Ab dem 1. Juli dürfen die Hebammen nur noch Mütter betreuen, die ihr Kind im Städtischen Klinikum auf die Welt gebracht haben. Diese Frauen habe man untersucht, ihre Infektionslage sei bekannt, begründet Hug.

Ganz in Stein gemeißelt ist das Betreuungsverbot allerdings nicht. Ende Juni will das Klinikum die Situation mit Blick auf das Verbot nebenberuflicher Tätigkeiten ohnehin neu bewerten.