Eingerüstet ist die Station „Durlacher Tor“. Auf den Brettern (oben) arbeiten Handwerker an der Hallendecke. Die Wand ist mit Platten verkleidet, genauso der Bahnsteig durch Holz geschützt und das Schotterbett mit einer Plane gegen Staub zugedeckt.
Eingerüstet ist die Station „Durlacher Tor“. Auf den Brettern (oben) arbeiten Handwerker an der Hallendecke. Die Wand ist mit Platten verkleidet, genauso der Bahnsteig durch Holz geschützt und das Schotterbett mit einer Plane gegen Staub zugedeckt. | Foto: jodo

950 Kilometer Leitungen

Stand der Dinge bei der Karlsruher U-Strab: Warum es noch eine Weile dauern kann

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Beim U-Strab-Ausbau sind jetzt ganz besonders die wirklichen Spezialisten für lange Leitungen gefragt. In der 3,5 Kilometer langen U-Strab-Röhre werden 950 Kilometer Leitungen verlegt. Auch deshalb kann die U-Strab trotz vieler fleißiger Handwerkerhände auch nach zehn Jahren Bauzeit immer noch nicht bald fertig sein.

Auf die wahren Strippenzieher kommt es gerade an. Es geht also nicht um die Leute, die im Hintergrund mit  Frank Nenninger, dem Kasig-Chef und damit Tunnel-Bauherrn, das 1,3-Milliarden-Ding Kombilösung aus U-Strab und Autotunnel in der Kriegsstraße deichseln. Denn die gigantische Verkabelung besonders in den Untergrundstationen benötigt viel Zeit.

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500 Handwerker in der Röhre

Überall baumeln Leitungen von den Decken, hängen aus Löchern in den Wänden heraus oder sprießen wie Tentakeln aus den Bahnsteigen. Unter dem Durlacher Tor sind Nenninger und die Kasig sowie die derzeit rund 500 Handwerker der Firmen für 60 Gewerke in der U-Strab am weitesten fortgeschritten. Dort startete vor fünf Jahren der Tunnelriesenbohrer „Giulia“ den Schildvortrieb unter der Kaiserstraße. In der Station „Durlacher Tor“ ist also ein Stand des Innenausbaus erreicht wie an keiner der anderen sechs Untergrundstationen – und doch ist auch dort noch sehr viel zu tun.

Nenninger rechnet damit, dass die Haltestelle Durlacher Tor im Groben Ende Februar fertig ist – und die anderen sechs Stationen jeweils im Abstand weniger Wochen folgen. Schließlich wollen die U-Strab-Strategen im Frühjahr 2020 die Verdrahtung der Röhren mit der Oberleitung für die Bahnen zwischen Durlacher Tor und Kaiserplatz sowie zwischen Marktplatz und Zoo-Direktion beginnen.

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Zwei Wochen Weihnachtsruhe

Zwölf Meter unter dem derzeit total versiegelten Verkehrsplatz „Durlacher Tor“ sputen sich die Arbeiter. Soll doch noch einiges vor den am Freitag, 20. Dezember, beginnenden Weihnachtsferien bis zum 7. Januar im Tunnelausbau geschafft sein. Stolz zeigt Ollnow die funkelnagelneue Gleichrichterstation in einem Nebenraum vor. Der knallrote und fünfteilige Stromschrank wiegt 25 Tonnen.

Dort sind bereits die dicken schwarzen Hochspannungskabel angeschlossen. Die Stadtwerke könnten dort jetzt Strom mit 25 Kilovolt (kV)Spannung einspeisen, berichtet Ollnow. Aber mögen auch manche Arbeitsgänge im Tunnel unter Volldampf laufen, so braucht es doch noch mindestens acht Monate, bis dort wirklich etwas unter Strom rollt.

Interaktiver Streckenplan: Auf der Karte können die einzelnen Haltepunkten für Videos angeklickt werden


Drei solche Strom-Stationen zum Einspeisen bekommt die U-Strab, wie beim Durlacher Tor sind je eine unter dem Marktplatz und unter dem Europaplatz installiert. Zu ihnen gehören riesige Transformatoren. Sie stehen jeweils in einem anderen Technikraum hinter den Kulissen der Untergrundstationen, die mit Genesis-Reliefs in Majolika an der Bahnsteigwand geschmückt werden sollen.

Diese mit einem schwarzen Zylinder ummantelten Spulen wandeln die 20 kV in Gleichstrom mit 750 Volt Spannung um, wie sie die Straßenbahnen im Karlsruher Netz brauchen, erläutert Ollnow, der für die Installation aller elektrischen Anlagen im Tunnel geradesteht. Damit im Tunnel nie der Strom ausgeht, also keine Bahn ohne Saft im Stollen stecken bleiben kann, „sind zwei Leitungsringe verlegt“, versichert Experte Ollnow.

Kleine Transformatoren bringen Licht in den Tunnel

Zusätzlich sind bei allen sieben Haltestelle auch noch kleinere Transformatoren installiert. Sie sorgen für 400 Volt Niederspannung im unterirdischen Stromnetz. Damit kommt das Licht in den Tunnel und besonders auf die Bahnsteige, damit werden etwa die Alarmsysteme, die Anzeigetafeln und die Ventilatoren zum Laufen gebracht. Auch das später in 4,5 Meter Höhe über den Bahnsteigen und damit noch deutlich über der Oberleitung für die Bahnen hängende „Lichtgespinst“, das Ingo Maurer für die U-Strab schuf, kann dadurch mehrfarbig glühen.

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Nicht zu vergessen, die Aufzüge und die insgesamt 58 Rolltreppen. Um alle Stromverbraucher in der U-Strab zu versorgen, sind an einigen Wänden auf fünf Meter Breite 80 Verteilerkabel vertikal nebeneinander verlegt.

Aufwendige Verkleidung

An den Haltestellen liegen nicht nur alle Leitungen am Ende unter Putz. Die Stationen werden nach einem künstlerischen Konzept auch mit bunten Farben bespielt. Doch das ist Zukunftsmusik, welche die Karlsruher erst in rund zwei Jahren genießen können. Noch ist selbst die momentane Vorzeigestation „Durlacher Tor“ nicht komplett verkleidet. Immerhin sind die zum Schutz mit Holz verschalten Bahnsteige und die Wände bis in 4,5 Meter Höhe dort mit großflächigen Betonwerksteinen belegt.

Doch darüber klaffen noch Lücken in der Verkleidung der Betonwände. Zwar hängen über dem Holzboden des Baugerüsts aus Stahlstreben die zehn Quadratmeter großen Rigipsplatten. In den Lücken der Trockenbauelemente an den Wänden schaut noch die aufwendige Unterkonstruktion aus Stahl von den nackten Wänden.

„Ettlinger Tor“ liegt weit zurück

Doch das ist überhaupt kein Vergleich zum Zustand der Unterwelt etwa unter dem Marktplatz, wo auch die untere Wandverkleidung aus Betonwerksteinen noch Lücken aufweist. Beispielsweise am „Ettlinger Tor“ hinkt man mit dem Innenausbau noch weiter zurück. Nenninger will durch ein Aufstocken der einzelnen Bautrupps die Ausbaugeschwindigkeit im Tunnel im neuen Jahr deutlich erhöhen.

Zwei Arbeitsgänge sorgen unter dem Durlacher Tor derzeit für mächtig Dunst – und Staubwolken. Zum einen sprüht ein vermummter Stuckateur mit einer Pistole Putz auf die Deckenplatten. Schließlich sollen die jetzt noch grauen unterirdischen Bahnhöfe später Schachteln sein, deren Inneres ganz in Weiß ausgeschlagen ist. Daneben tragen Arbeiter auf den Treppen und den Zwischenebenen Estrich auf dem Betonboden auf. „Das wird noch zu einem Terrazzo-Belag abgeschliffen“, erklärt Kasig-Sprecher Achim Winkel.