Straßenverkehr Karlsruhe
ZEITVERLUST ist für viele Großstadtmenschen eine tägliche Bedrohung geworden. Baustellen wie in der Kriegsstraße stören die Mobilität der Autofahrer. Manchem Bürger ist auch die Straßenbahn zu weit weg oder zu langsam. Ob ein digitales Sammeltaxi etwas bringt, ist offen. Zumindest scheint alles immer schneller gehen zu müssen. | Foto: jodo

KVV testet Ride-Sharing

Starke Bewegung auf dem Mobilitätsmarkt

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„Beweg Dich, um nicht abgehängt zu werden.“ Der Fortschrittszwang im Konkurrenzkampf um Marktanteile und Profit treibt auch das Geschäft mit der Mobilität selbst an: Beim Car-Sharing kaufen Automobilkonzerne den großen Autovermietern gerade die Anteile ab.

Das Karlsruher Carsharing „Stadtmobil“ ist eh kaum zu bremsen. Bei düsteren Aussichten mit Dieselautos in der Stadt wechselt jetzt auch Ride-Sharing deutschlandweit auf die Überholspur.

Revolution im Nahverkehr?

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) startet mit einer Daimler-Tochter in der Fächerstadt ein Pilotprojekt: Das digitale Sammeltaxi, ein per Smartphone-App georderter Kleinbus.

Wer wird das Karlsruher Nahverkehrsmodell revolutionieren – der Algorithmus eines Car-Sharing-Servers oder die U-Strab? Allerdings bieten KVV und moovel Group ihr „on-demand Ride-Sharing“ erst mal nur drei Tage für jedermann in Karlsruhe ab 6. März während der Fachmesse IT-Trans in der Messe an.

Der Preis der Hast

Überhaupt bestimmt das Gebot der Mobilität im Zeitalter digitaler Beschleunigung den Stadtmenschen. Gleichzeitig degeneriert der Bürger zum sitzenden Bürohocker und Couch-Potato.

Das Großstadtwesen fühlt sich gehetzt, sehnt sich nach Ruhe und ist doch auch in der Freizeit ständig unterwegs. Verstopfte Straßen sind der Preis: Die bewegte Gesellschaft erzeugt den Stau und bremst sich dadurch selbst. Zu diesen volkswirtschaftlichen und sozialen Aspekten der Verkehrsbelastung kommen der ökologische Zwang zur Reduzierung der Schadstoffausfuhr durch Verbrennungsmotoren.

Längst gibt es politisch geforderte Gegenbewegungen – besonders in Karlsruhe, der selbst ernannten Metropole der Mobilität, der Stadt von Benz und Drais: Karlsruhe fühlt sich als Pionierstadt für den Ausbau des Schienennahverkehrs, der Fahrradwege und des Carsharings. Der laufende Stadtumbau soll dabei die Abkehr von der autogerechten Stadt betonieren.

Individuell im Pool mit anderen

Und so funktioniert das Ride-Sharing auf Abruf: Ein Pooling-System bündelt automatisch die Fahrtanfragen und ermöglich das Teilen der Kosten. Gebucht wird der Shuttle-Service kostenfrei über die App „KVV.mobil – powered by moovel“.

KVV und moovel erklären ihr Konzept: „Die Fahrgäste werden dann mit einem Van an ihrem Standort abgeholt und zu ihrem ganz persönlichen Ziel gebracht – ohne statischen Fahrplan.“ Dabei teilten sich die Nutzer das Shuttle mit anderen Fahrgästen. „Ein Algorithmus berechnet den schnellsten Weg durch die Stadt zu einem der über 100 Haltepunkte, die angefahren werden“, erklärt der KVV. Alle KVV-Angebote von Bahn und Bus sind einbezogen.

„Dieser Shuttle-Service ist eine ideale Ergänzung zu unserem leistungsstarken Nahverkehrsangebot. On-demand Lösungen werden ein wichtiger Baustein für die Mobilität der Zukunft sein“, meint KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon. Man wolle sich mit moovel „noch stärker an den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden ausrichten und so eine attraktive, preisgünstige und umweltfreundliche Alternative zu Fahrten mit dem eigenen Auto oder mit dem Taxi schaffen“, bekräftigt Karlsruhes Nahverkehrschef. „Der Nahverkehr auf der Schiene bleibt aber das Rückgrat der multimodalen Mobilität in Karlsruhe“, betont Pischon den Vorrang für die Straßenbahn in der U-Strab-Stadt.

Rasante Verhaltensänderung

„Wir beobachten, dass Menschen sich nicht mehr unbedingt auf ein bestimmtes Verkehrsmittel festlegen wollen und Mobilitätsroutinen hinterfragen“, erklärt Daniela Gerd tom Markotten, Chefin der moovel Group.

Auch OB Frank Mentrup sieht das so: „Durch die Digitalisierung verändert sich auch das Mobilitätsverhalten der Menschen rasant.“ Und er meint: „Diesem Trend müssen wir Rechnung tragen.“ Auch das Karlsruher Testfeld für autonomes Fahren diene diesem Ziel.