Vor fast 175 Jahren wurde Badens erster Großherzog Karl Friedrich – aus Bronze gegossen – auf den Sockel gestellt.
Vor fast 175 Jahren wurde Badens erster Großherzog Karl Friedrich – aus Bronze gegossen – auf den Sockel gestellt. | Foto: Hora

Bronze von türkischen Kanonen

Statue von Karl Friedrich: Großherzog ist in Karlsruhe beliebtes Selfie-Motiv

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Schnappschüsse von ihm gibt es ohne Ende. Dabei hat Karl Friedrich von Baden (1728–1811) die Geburtsstunde der Fotografie selbst gar nicht erlebt. Dass Badens erster Großherzog heute zu den beliebtesten Fotomotiven in Karlsruhe gehört, verdankt der alte Herr vor allem seinem Standort: In Erz gegossen steht er im vorderen Bereich des Schlossplatzes in der verlängerten Karl-Friedrich-Straße. Das nahezu kahle Haupt ist dem Marktplatz zugewandt.

Sein Blick geht über den „Platz der Grundrechte“ hinweg in Richtung Pyramide, wo inmitten der neuerlichen Baustelle sein Großvater ruht, der Gründer Karlsruhes. Hinter Karl Friedrich tut sich das Panorama seines ehemaligen Residenzschlosses auf, das seit 100 Jahren das Badische Landesmuseum beherbergt.

Denkmal wurde im November 1844 enthüllt

Die Kombination von Denkmal, Schlossplatz und barocker Fassade ist es, die zahlreiche Spaziergänger und Museumsbesucher die Smartphones zücken lässt. „So sah also der Großherzog aus“, sagt ein Mädchen, nachdem es die Inschrift entziffert hat: „Fast wie ein Großvater.“ Als altersweisen Fürsten, angetan mit Uniform sowie Hermelinmantel und stets den Überblick bewahrend, kennen die Karlsruher den bronzenen Karl Friedrich seit nahezu 175 Jahren.

Auf dem Fest- und Paradeplatz vor dem Karlsruher Schloss ließ Großherzog Leopold 1844 zu Ehren seines Vaters das Karl-Friedrich-Denkmal aufstellen.
Auf dem Fest- und Paradeplatz vor dem Karlsruher Schloss ließ Großherzog Leopold 1844 zu Ehren seines Vaters das Karl-Friedrich-Denkmal aufstellen. | Foto: Generallandesarchiv Karlsruhe 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 44,22, Bild 1

Im November 1844 wurde das Denkmal enthüllt – nach zahlreichen Anläufen und Verzögerungen noch auf der Zielgeraden. Dabei hatte Großherzog Karl schon 1813, zwei Jahre nach dem Tod seines Großvaters, ein Plätzchen für das Monument ausgeguckt. Er wollte seinen Vorgänger ehren, der 65 Jahre lang „segensreich“ und reformfreudig regiert hatte.

Friedrich Weinbrenner hatte andere Pläne

Vor allem die Aufhebung der Leibeigenschaft in Baden 1763 rechnete die Bevölkerung dem „aufgeklärten“ Markgrafen, der 1806 zum Großherzog avanciert war, hoch an. Karl Friedrichs Denkmal sollte auf dem Fest- und Paradeplatzes vor dem Karlsruher Schlosses zu stehen kommen. Das war eine weite, staubige Fläche, auf der nur ein Springbrunnen noch an die barocken Gartenanlagen erinnerte, in denen sich der Stadtgründer einst verlustiert hatte.

Diesen Brunnen schüttete man schon mal zu, das Denkmal ließ auf sich warten. Wären die ersten Pläne – einer davon stammte von Friedrich Weinbrenner – verwirklicht worden, hätten die Karlsruher keinen badischen Großherzog, sondern eine Art römischen Imperator in bodenlanger „Friedenstoga“ als „Vater des Vaterlandes“ vorgesetzt bekommen. Porträtähnlichkeit gleich Null. Antikisierendes war eben groß in Mode – und Karl Friedrich war immerhin schon 78 Jahre alt gewesen, als ihn Napoleon zum Großherzog beförderte.

Mit Beeten und Springbrunnen wurde der staubige Paradeplatz 1873 aufgehübscht. Ein Bassin mit Wasserspeiern umgab fortan das Karl-Friedrich-Denkmal
Mit Beeten und Springbrunnen wurde der staubige Paradeplatz 1873 aufgehübscht. Ein Bassin mit Wasserspeiern umgab fortan das Karl-Friedrich-Denkmal | Foto: Generallandesarchiv Karlsruhe 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 9,23, Bild 1

Scheute man sich, den an zunehmender Geistesschwäche leidenden „Aufsteiger“ allzu realistisch darzustellen? Großherzog Karl starb, ohne dass Nägel mit Köpfen gemacht worden wären. Ihm folgte sein Onkel Ludwig, ein Sohn Karl Friedrichs, auf den Thron. Doch auch der konnte sich zu keiner Entscheidung durchringen. Erst unter Großherzog Leopold (ebenfalls ein Sohn Karl Friedrichs, aber aus dessen zweiter Ehe) kam wieder Schwung in die Sache.

Leopold litt unter dem Makel, dass seine Mutter „nur“ eine Kleinadelige gewesen war. Einen umso intensiveren Kult trieb er um seinen verstorbenen Vater. Er wünschte, dass der namhafte Münchner Bildhauer Ludwig Michael von Schwanthaler das Großherzog-Karl-Friedrich-Denkmal entwarf.

Schriftrolle erinnert an Abschaffung der Leibeigenschaft

Nicht pathetisch, aber würdevoll sollte es wirken. Einen väterlichen Fürsten zeigen, der mit allen Herrschertugenden gesegnet war. Und der eine Schriftrolle in der Hand trug, die an das Dekret zur Abschaffung der Leibeigenschaft erinnerte. Leopold wollte einen Karl Friedrich, mit dem das Volk sich identifizieren konnte.

Acht Tonnen wog die Plastik, die 1844 in München gegossen wurde – aus Bronze, die aus eingeschmolzenen türkischen Kanonen stammte. Sie wurde in der Mitte des Karlsruher Paradeplatzes aufgestellt und am 28. November, dem Geburtstag des Geehrten, enthüllt. Der bronzene Großherzog sollte sich auf dem Schlossplatz als äußerst standhaft erweisen.

Statue des Großherzogs blieb auch bei Revolutionen standhaft

Sein Sohn musste während der Revolution 1849 aus Karlsruhe fliehen – Karl Friedrich blieb. Um ihn sammelten sich Uniformierte, als der „vielgeliebte“ Leopold mit Hilfe preußischer Truppen in seine Residenz zurückkehren konnte. Karl Friedrich hielt auch der Erschütterung durch eine Fliegerbombe stand, die während des Ersten Weltkriegs seinen Sockel beschädigte.

Nach einer Schießerei hinter Karl Friedrichs Rücken verließ die großherzogliche Familie im November 1918 bei Nacht und Nebel das Karlsruher Schloss – am bronzenen Repräsentanten der monarchischen Vergangenheit rüttelte aber auch die junge Republik nicht.

Selbst als der Zweite Weltkrieg Karlsruhe in eine Trümmerlandschaft verwandelte und im September vor 75 Jahren das Karlsruher Schloss in Schutt und Asche sank – Karl Friedrich wahrte die Ruhe.

 

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Karl Friedrich musste vorübergehend umziehen

Erst im Vorfeld der Bundesgartenschau des Jahres 1967 in Karlsruhe, verschwand er für einige Monate von der Bildfläche: Unter dem Schlossplatz wurde damals die Tiefgarage gebaut – und Karl Friedrich erhielt ein neues Plätzchen. Zwar wieder zwischen Schloss und Marktplatz auf der Hauptachse der „Via Triumphalis“, aber ein gutes Stück weiter südlich.

Ist er mit dem Standort auf der Unterführung des Großen Zirkels, der einst den herrschaftlichen Bereich von der Innenstadt trennte, näher an die Bürger herangerückt? 1968 versammelten sich protestierende Studenten an seinem Denkmal, einige erklommen das Monument. Das könnten sie heute nicht mehr, ohne sich nasse Füße zu holen: Seit der Sanierung des Schlossplatzes 2011/12 steht das Denkmal (wie bereits nach einer Umgestaltung 1873 am alten Standort) in einem Wasserbecken.

Auch ein volkstümlicher Großherzog hält eben auf Abstand. Karl Friedrichs Beliebtheit als Fotomotiv hat das keinen Abbruch getan.