So frenetisch jubelten Studenten, als die Karlsruher Universität im Jahr 2006 erstmals zur Elite-Uni aufstieg. 13 Jahre und später ist das KIT um eine Abstiegserfahrung reicher - und das Interesse am Wettbewerb deutlich geringer. Archivfoto: Fabry

Verkündung ab 16 Uhr im Video

Wissenschaftsstandort Karlsruhe: Wird das KIT heute Elite-Uni?

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Spannender Tag für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Die Uni könnte heute in den Rang einer Exzellenz-Universität erhoben werden. Ab 16 Uhr gibt´s hier Live-Bilder von der Pressekonferenz, auf der Wissenschaftsministerin Anja Karliczek und der Wissenschaftsrat der Deutschen Forschungsgemeinschaft die neuen Exzellenzuniversitäten verkünden. Alles Wissenswerte vorab in unserem Bericht.

Für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und 18 Konkurrenten fällt an diesem Freitagnachmittag in Bonn eine wichtige Entscheidung: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) gibt gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft die neuen Exzellenz-Universitäten bekannt. Maximal elf Sieger werden gekürt. Zehn bis 15 Millionen Euro jährlich erhält jede Spitzen-Uni.

Studentisches Interesse eher gering

Gelingt dem KIT der erhoffte Wiederaufstieg, könnte es laut Präsident Holger Hanselka etwa dreimal so viele Juniorprofessoren einstellen wie ohne Elite-Förderung. Aus Sicht der Technologieregion Karlsruhe wäre der Titelgewinn „ein unheimlicher Image-Gewinn“. Doch das Interesse der Studenten ist eher flau.

Hier startet um 16 Uhr die Video-Übertragung der Pressekonferenz: 

Es ist gar nicht so lange her, da trugen Karlsruher Studenten auf ihrer vor Stolz geschwellten Brust farbige T-Shirts mit der Aufschrift: „Ich bin Elite.“ Und jubelnd ließen sich Jungakademiker vor der Fahne des „Karlsruhe Institute of Technology“ (KIT) fotografieren. Anno 2006 war das. Damals gelang den Karlsruhern eine Sensation: Die Technische Uni siegte im ersten Exzellenz-Wettbewerb der deutschen Hochschulen. Eine Elite-Uni für Baden!

2006 jubelten sie: „Unsere Uni ist die Beste!“

Der Triumph berauschte Professoren und Studenten, Politiker und Unternehmer gleichermaßen. „Unsere Uni ist die Beste!“, verkündeten großformatige Werbetafeln in Karlsruhe. Nun steht an diesem Freitag wieder die Entscheidung an: Holt Karlsruhe den Titel einer Exzellenz-Universität? Doch wenig erinnert an die fiebrige Erwartung von damals.

Frenetischer Jubel bei Studenten – der ist eher nicht zu erwarten. „Ich glaube, ein Großteil der Studenten weiß gar nichts davon“, meint Asta-Sprecher Adrian Keller über die Entscheidung. „Der Wettbewerb ist kaum Thema. Wir sehen keinen großen Einfluss auf die Lehre.“ Eine Plakataktion haben KIT-Studenten kürzlich zwar initiiert – doch es waren Protestschreie, die sie an Uni-Fassaden verankerten: „In diesen Tagen der Muff von 1 000 Tagen“ stand darauf.

Heute malen Studenten PCB-Protestplakate

Der Zorn der Studenten entzündete sich an der Giftbelastung mit PCB in mehreren KIT-Gebäuden, die deshalb seit rund 1 000 Tagen geräumt sind. Solidarische Vorfreude auf die Elite-Entscheidung wollte da nicht aufkommen. An zehn anderen Unis, die im Finale stehen, sammelten Studenten dieser Tage Unterschriften gegen das „Zwei-Klassen-System“ mit Elite-Unis und armen Unis.

Viele KIT-Angehörige haben auch den bitteren Abstieg aus der Exzellenz-Liga im Jahr 2012 allzu klar in Erinnerung. Noch heute sind manche Mitarbeiter überzeugt, dass sich ihre Uni die Titelverteidigung damals auch durch zu selbstbewusstes Auftreten vor den Gutachtern verscherzte. Der Forschungsriese KIT galt als so originelles Vorzeigeprojekt, dass sich auch viele Außenstehende nicht vorstellen konnten, dass es aus der Elite-Liga gekickt werden könnte. Sie irrten.

Hochmut
wäre vermessen

In der aktuellen Runde des Exzellenz-Wettbewerbs fährt KIT-Präsident Holger Hanselka einen Kurs demonstrativer Bescheidenheit. „Hochmut wäre vermessen“, erklärte er und zollte der starken Konkurrenz Respekt. Aktuell amtierende Elite-Universitäten wie die RWTH Aachen und die beiden großen Münchner Unis stehen erneut im Finale. Und die Universität Bonn, die klare Siegerin der Vorrunde: Sie bekam alleine sechs Exzellenz-Forschungsprojekte bewilligt. Zum Vergleich: Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart, Freiburg und Konstanz kamen mit je zwei Forschungs-Cluster ins Finale und erfüllten damit gerade die Mindestvorgabe.

In der Nanoforschung sicherten Wissenschaftler des KIT ihrer Uni einen Platz im Exzellenz-Finale. Sie entwickeln neuartige Materialien für den 3D-Druck. Foto: KIT | Foto: KIT

Das KIT stemmt seine Projekte in der Batterieforschung und der Entwicklung von 3D-Druck-Nanomaterialien obendrein nicht alleine, sondern in Kooperation mit den Unis Ulm und Heidelberg.

Allerdings spielt im Finale an diesem Freitag nicht die Forschung, sondern
das jeweilige Zukunftskonzept der potenziellen Elite-Hochschulen eine Rolle.

Karlsruhe braucht Karliczeks Stimmen

„Dachstrategie 2025“ nennt das KIT seinen Masterplan für die weitere Entwicklung. Geplant ist unter anderem, deutlich mehr Juniorprofessoren zu berufen, um sehr flexibel auf den rasanten technischen Wandel reagieren zu können. Ob das Konzept auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) überzeugt?

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) spielt eine entscheidende Rolle bei der Abstimmung über die Exzellen-Universitäten.                                         Foto: Soeder/dpa

Das wäre nötig. Denn sie hat heute in Bonn alleine 16 Stimmen, so viele wie alle Länderkollegen zusammen. Kritik hat sich Karliczek schon bei der Exzellenz-Vorauswahl 2018 zugezogen, weil sie mehrere Forschungsprojekte durchdrückte, die von der Experten-Jury als Wackelkandidaten bewertet wurden. Nicht zu vergessen ihre strittige Entscheidung Anfang Juli für eine Batteriezellenfabrik in Münster – und damit gegen Ulm und KIT.

Steigt das KIT tatsächlich wieder zur Elite-Uni auf, dann wäre das schon ein „Statussymbol“, räumt auch Studentensprecher Keller ein. Aber ob Studenten anno 2019 wieder Elite-T-Shirts tragen? „Eher nicht“, meint er.

Die Konkurrenten im Wettbewerbsfinale

Maximal elf Exzellenz-Universitäten werden gekürt. Diese 19 Unis und Uni-Verbünde sind im Finale:
Baden-Württemberg: Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Unis Heidelberg, Freiburg, Konstanz, Stuttgart und Tübingen.
Nordrhein-Westfalen: Münster, Bochum, Köln, Bonn und Aachen.
Niedersachsen: Braunschweig und Hannoveraner Verbund (Uni und Medizinische Hochschule).
Bayern: Ludwig-Maximilians-Universität München und Technische Universität (TU) München.
Schleswig-Holstein: Kiel.
Hamburg: Universität Hamburg.
Berlin: Verbund aus Freier Universität, Humboldt-Uni und TU.
Sachsen: TU Dresden.

Das Wahlverfahren
Eine Jury aus 39 Wissenschaftlern und die Forschungsminister entscheiden. Die Jury hat 39 Stimmen, die Politiker insgesamt 32 (die Bundesforschungsministerin 16 Stimmen, jeder der 16 Landesminister eine Stimme). Eine Elite-Uni benötigt die Mehrheit der Jury und mindestens 25 Minister-Stimmen.