DAS ALTE PFLASTER hämmert der Steinsetzer Jorge Almeida neu auf den Kaiserplatz. Die Wege um das Reiterdenkmal von Kaiser Wilhelm I. sind bald fertig. Almeida trotzt der brütenden Hitze auch mit Hilfe eines Sonnenschutzzeltes. Die harte Arbeit eines Steineklopfers meistert der Portugiese seit 30 Jahren. Er klagt weder über Knie- noch Rückenschmerzen.
DAS ALTE PFLASTER hämmert der Steinsetzer Jorge Almeida neu auf den Kaiserplatz. Die Wege um das Reiterdenkmal von Kaiser Wilhelm I. sind bald fertig. Almeida trotzt der brütenden Hitze auch mit Hilfe eines Sonnenschutzzeltes. Die harte Arbeit eines Steineklopfers meistert der Portugiese seit 30 Jahren. Er klagt weder über Knie- noch Rückenschmerzen. | Foto: jodo

Kaiserplatz in Karlsruhe

Steineklopfer lächelt die Hitze weg

Anzeige

Steine klopfen unter der brennenden Sommersonne war schon im römischen Kaiserreich die härteste Strafarbeit. Wie mögen da nur die vier Arbeiter stöhnen und schwitzen, die zu Füßen des auf dem hohen Ross sitzenden Kaisers Wilhelm I. in diesen Hitzetagen mit dem Hammer die Wege pflastern.

Ganz solidarisch mit den fleißigen Handwerkern auf dem Kaiserplatz wischen sich da mitfühlende Passanten und Passagiere der Straßenbahn den Schweiß aus dem Gesicht.

Doch Jorge Almeida lächelt. Er klopft, spaltet mit dem Hammer ab, bis der Stein ins Wegemuster passt. „Diese kleinen und harten Steine sind schwer zu klopfen“, sagt der Fachmann. Die Marmorwürfel für die weißen Bänder im dunklen Basalt seien noch spröder. Doch dem Vorarbeiter der Firma „Der Steinsetzer“ aus Tanna in Thüringen, der „5 000 und mehr Steine“ an einem Tag klopft, kann die schweißtreibende Arbeit nicht das Lächeln rauben.

Kaiserplatz wird im Herbst eröffnet

Mit Amàndio José Lopes da Silva und zwei weiteren portugiesischen Kollegen hat der Steineklopfer zwei Schutzzelte gegen die stechende Sonne aufgeschlagen. Stein für Stein klopft der Mann aus Porto mit dem Hammer. So wird dieser steinige Weg um das umstrittene Denkmal des reitenden Kaisers, der als preußischer Kartätschenprinz 1849 blutig die badische Revolution niederschlug, bald fertig sein.

Nach sieben Jahren U-Strab-Baustelle und mit Verspätung wegen eines Behördengerangels um seine Gestaltung geschieht dies nun erst im zweiten Sommer nach dem Tunneldurchschlag von „Giulia“, der riesigen Bohrmaschine, im Rücken des Kaisers. Doch die Barrikaden bleiben noch. Die Karlsruher dürfen erst im Herbst wieder über ihren Kaiserplatz flanieren.

„Die Pflästerer aus Portugal müssen zwar nur noch zwölf Meter Weg schaffen und werden diese Woche fertig, der Platz bleibt aber abgesperrt“, erklärt Walter Burg vom Gartenbauamt. Daran ändert auch nichts, dass Alexander Erhardt mit seinem Karlsruher Gartenbaubetrieb bereits die Gedenksteine für die badischen Opfer der von Prinz Wilhelm angeführten Reaktion vor dem Pferdekopf auf den Platz setzt.

Gedenken an Opfer staatlicher Gewalt

Burg rechnet zwar damit, dass Erhardt trotz der Hitze Ende nächster Woche die Gedenkstätte für die 27 badischen Opfer staatlicher Gewalt und dann auch die wassergebundenen Wegabschnitte zwischen der historischen Pflasterstücken hergestellt hat. „Aber dieser Sommer ist einfach zu heiß, um dann das Gras zu sähen“, stellt Burg klar. Deshalb bleibe der Platz vorerst weiter unzugänglich. „Es hat doch keinen Sinn, die Menschen durch eine braune, trockene Wüste zu schicken“, meint der Leiter des Gartenbauamtsbezirks Mitte.

Wenn man im Sommer an einer Grünanlage baut, sei dies eben der mögliche Preis. Die anhaltende Hitze lasse deshalb das Einsäen erst nach den großen Ferien im September zu. Burg hofft dann auf Regen, damit schnell Gras über den Kaiserplatz wächst.

260.000 Euro stellt das Gartenbauamt dem U-Strab-Bauherr Kasig, ebenfalls zum Konzern Stadt gehörend, für die Revitalisierung der Fläche nach der Wüstenei am westlichen City-Eingang im U-Strab-Baujahrzent in Rechnung.

 

Gedenksteine
DIE GEDENKSTEINE für die Männer, die nach der Niederlage gegen den späteren Kaiser hingerichtet wurden, setzen Besim Veseli (vorne) und Alexander Erhardt. | Foto: jodo

Die 27 Gedenksteine werden nun in drei Reihen vor das Pferd gesetzt, statt wie früher im Bogen um das Denkmal gestreut. Burg sieht darin eine Verbesserung, weil die Platten nun alle bei der Erklärungstafel liegen. Alexander Erhardt mischt den Speis in der Schubkarre, sein Azubi Besim Veseli richtet den Stein für den Landvermesser Josef Jansen mit dem Holzhammer aus.

Diskussionen um Wilhelm I.

Als nächster kommt der Stein für Ludwig Kohlenbecker, den am 8. Oktober 1849 in Rastatt hingerichteten Karlsruher Soldaten an die Reihe. Durlacher Schüler sorgten 1998 für das Gedenken an die Revolutionäre. Inzwischen gehören die 2002 installierten Gedenksteine für Wilhelms Opfer zum Kaiserdenkmal.

Ob Wilhelm I. auch im Jahre 2018 noch die Ehre eines Reiterstandbilds auf dem Kaiserplatz gebührt, darüber wird in der Fächerstadt hin und wieder etwas gestritten. Die U-Strab-Bauarbeiten konnten ihn nicht vom Sockel holen wie den Greifen vom Grenadier-Obelisken auf dem Europaplatz. Bald ist nun auch seine Umgebung wieder ganz denkmalpflegerisch gepflastert und begrünt.