EINE IDYLLE zwischen Rheinufer und dem Karlsruher Stadtteil Knielingen ist das Hofgut Maxau. Allerdings knirscht es mächtig im Gebälk. Der Pächter und der Förderverein, der auf dem Hofgut das Museum betreibt, sind heftig zerstritten. Foto: jodo
EIne Idylle zwischen Rheinufer und dem Karlsruher Stadtteil Knielingen ist das Hofgut Maxau. Allerdings knirscht es mächtig im Gebälk. Der Pächter und der Förderverein, der auf dem Hofgut das Museum betreibt, sind heftig zerstritten. | Foto: jodo

Hofgut Maxau

Streit zwischen Pächter und Museumsverein Knielingen schwillt weiter an

Anzeige

Spaziergänger am Rheinufer, Pferde grasen beim Hofgut Maxau, eine Mutter spielt mit ihrem Kind auf dem Spielplatz direkt beim Hofgut. Es weht ein frischer Wind, doch die Sonne bescheint einen historischen Bauernhof fast wie aus dem Bilderbuch. Doch die Idylle am Rhein in Knielingen täuscht.

Die schon Jahre andauernden Streitigkeiten zwischen dem Pächter Andreas Schmid, dem Förderverein Museum Knielingen und auch mit der Stadt haben eine neue Qualität erreicht. Äußeres Anzeichen ist die erneute Absage des Museumsfestes durch den Förderverein Knielinger Museum – das Museum ist Teil des Hofareals. Vorsitzende Ute Müllerschön sieht „erhebliche Unstimmigkeiten mit dem Hofgutpächter“.

Vertrag sorgt für Ärger

Bereits 2017 war das Fest abgesagt worden wegen Dissonanzen. Aktuell drehte sich der Streit darum, dass der Pächter sich weigerte, einen Vertrag über die für das Fest notwendigen Freiflächen auf dem Betriebshof und einem angrenzenden, schmalen Feldstreifen für historisch landwirtschaftliche Vorführungen und Mitmachaktionen abzuschließen. Insbesondere für die Freiflächen gibt es keinen von der Stadt geregelten Vertrag zwischen Pächter und Museumsverein. Die Aufforderung der Stadt, einen entsprechenden Vertrag zu unterschreiben, hat der Pächter unterdessen abgelehnt, teilte Baubürgermeister Daniel Fluhrer auf Anfrage der BNN mit.

Tischtuch zwischen Beteiligten schon länger zerschnitten

Doch der aktuelle Disput ist nur die Spitze des Eisbergs. Zwischen Schmid, Hofgutpächter seit 2015, und dem Museumsverein – geführt von Ute Müllerschön, die bis 2012 viele Jahre mit ihrem Mann das Hofgut als Pächter bewirtschaftete – scheint das Tischtuch zerschnitten. Eine von der Stadt eingesetzte Mediatorin hatte versucht, die Probleme zu bereinigen, dies ist gescheitert.

Angeblich mit Mistgabel bedroht

Weitere Personen berichten den BNN vom als schwierig empfundenen Verhalten des Hofgutpächters, häufigem Personalwechsel in der Gaststätte, mobbingähnlichen Ereignissen auf dem Hof. Streitigkeiten reichten bereits vom Beseitigen eines Misthaufens bis zum Einsatz eines Klavierstimmers im Museum. Hier kam gar die Polizei zum Einsatz, weil der Pächter angeblich mit einer „Mistgabel“ erschien und sich der Klavierstimmer bedroht sah – es steht aber Aussage gegen Aussage, sagte die Polizei gegenüber den BNN damals. Der Pächter stellt den Vorgang anders dar: Er sei vom Klavierstimmer bedrängt worden, als er sich wegen dessen übergroßen Lärms beschweren wollte. Und die „Mistgabel“ sei nur eine Harke zur Beseitigung von Pferdemist gewesen.

Umwandlung zum Biohof war geplant

Die Stadt hatte 2015 eigentlich große Hoffnung auf eine Weiterentwicklung des 172 Hektar großen Hofguts Maxau mit seinem Museum als einer Attraktion des Rheinparks gesetzt. Der Hof sollte zu einem Biohof umgewandelt werden, gleichzeitig sollte es auch pädagogische Angebote mit Blick auf Tierhaltung Garten oder Landtechnik geben, eigentlich eine ideale Kombination mit dem Museum. Aber: Pächter Schmid sagt wiederum gegenüber den BNN, dass er beim Verein überhaupt kein Verständnis dafür sehe, dass „ich als Pächter meine Verpflichtungen erfüllen muss“. Er verweist auf strenge Auflagen bei der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschat. „Ich muss meine Umweltauflagen erfüllen.“ Die Flächen, die der Verein für das Fest wollte, seien bereits für ein Ökoprogramm gemeldet. „Der Verein kam dann erst später“, so Schmid. Zudem behinderten die regelmäßigen Arbeitseinsätze des Vereins immer wieder den Hofbetrieb. Mit dem Verein sieht er keinen Disput, allerdings mit dem Vorstand. „So lange ich Ja und Amen zu allem gesagt habe, war alles gut.“ Vereinsvorsitzende Müllerschön reagiert unterdessen fassungslos. „Wir als Verein behindern niemanden. Für uns ist das alles sehr zermürbend.“

Frust bei Baubürgermeister Fluhrer

Im vergangenen Herbst besuchten OB Frank Mentrup, Baubürgermeister Fluhrer und die Vereinsvorsitzende samt Ehemann gemeinsam den Pächter. Was als eine Art Problemlösung gedacht war, endete aber ebenfalls im Streit. „Das war eine Art Tribunal“, erinnert sich Schmid. Der OB war bei diesem Termin bereits früher gegangen, Baubürgermeister Fluhrer verließ damals entnervt das Gespräch auf dem Hof. Er lässt nun gegenüber den BNN durchblicken, dass seine Hoffnung auf eine Besserung der Situation im Hofgut gleich Null ist. Er bemühe sich zwar weiter zu vermitteln, aber „bisher hat das keine Frucht getragen“. Und er sehe auch keine Ansätze mehr, wie man die Sache „befrieden“ könnte, fügt er weiter hinzu.
Offenbar hat sich derart viel Ärger angestaut, dass man nach Informationen der BNN bei der Stadtverwaltung über den Pachtvertrag generell nachdenkt. Fluhrer will darauf zwar nicht konkret eingehen („Vertragsverhältnisse bespreche ich nicht über die Presse“), macht aber klar, dass die Stadt alle ihre Optionen prüft.