Im Karlsruher Sonnenbad stürzte ein Baum vom Nachbargrundstück auf das Kinderbecken. Verletzt wurde niemand. | Foto: Privat

Zahlreiche umgestürzte Bäume

Sturm in der Region verläuft glimpflich

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Am Donnerstagnachmittag ist ein Gewitter über die Region gezogen. Bereits am Mittwoch waren für große Bereiche Deutschlands Unwetter angekündigt worden – unter anderem auch für Baden. Am Ende verlief das Unwetter relativ glimpflich: Zwar stürzten zahlreiche Bäume um, teilweise fiel der Bahnverkehr aus – der Spuk war aber auch relativ schnell wieder vorbei. 

Gegen 15 Uhr warnte der deutsche Wetterdienst in der gesamten Region vor starken Gewittern mit bis zu 40 Litern Regen pro Quadratmeter, möglichem Hochwasser und Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Auch vor Hagel mit Körnern mit bis zu zwei Zentimetern Durchmesser wurde gewarnt. Gegen 16.30 Uhr wurde die Warnung heruntergestuft. Insgesamt mussten die Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe bis zum frühen Abend zu etwa 35 Einsätzen ausrücken.

Verspätungen im Nahverkehr

Der Karlsruher Verkehrsverbund meldete, dass es wegen Orkanböen auf zahlreichen Bahnlinien in Karlsruhe zu Verspätungen komme.


Im Bruchsaler Freibad Sasch wurden die Besucher über Lautsprecherdurchsagen gebeten, die Becken zu verlassen. Die Durchsage sorgte in den sozialen Netzwerken zeitweise für Verwirrung: Dort war von drohender Tornadogefahr die Rede.

Tornadogefahr im Nordwesten Deutschlands

Malte Neuper, Diplom-Metereologe am Karlsruher Institut für Technologie beschwichtigt: „Der Gefahrenfokus in der Region liegt aktuell bei den normalen Gewitterböen“, sagt er. Die Tornadogefahr sei am Donnerstag im Nordwesten Deutschlands erhöht. Aber in der Region ist der Wind deshalb nicht unbedingt ungefährlich: „Punktuell können die Böen auch Orkanstärke erreichen“, meint der Wetterexperte.

In Karlsruhe-Grünwinkel ließ der Wind drei Meter große Sonnenschirme durch die Luft fliegen. | Foto: Kelzer

Pausenlos Einsätze für Feuerwehr und Polizei

Die Feuerwehr wickelte seit kurz vor 15 Uhr in Stadt- und Landkreis Karlsruhe pausenlos Einsätze ab wegen herabgestürzter Äste. Unter anderem räumte sie einen Baum von der Rommelstraße in Karlsruhe-Durlach.

Mehrere umgefallene Bäume und umherfliegende Gegenstände meldete die Polizei Karlsruhe gegen 15 Uhr auf Anfrage der BNN. Unter anderem knickte der Sturm auch in der Amalien- und Donaustraße sowie in der Haid-und-Neu-Straße Bäume um. In der Karlsruher Roonstraße in der Südweststadt machte sich nach Angaben der Polizei ein Sonnenschirm selbstständig, fiel vom Balkon herunter und beschädigte mehrere Autos. Am Durlacher Tor fegte der starke Wind am Nachmittag einen Bauzaun um. Dieser stürzte etwa auf Höhe der Apotheke in der Durlacher Allee 10 auf ein Auto und blockierte kurzzeitig die Straße, teilte eine Polizeisprecherin mit.

Ast kracht im Freibad ins Kinderplanschbecken

In den Karlsruher Freibädern wurden die Badegäste laut Bäderchef Oliver Sternagel rechtzeitig aufgefordert, die Anlagen zu verlassen. Im Sonnenbad krachte ein mächtiger Ast auf den Bereich des Kinderplanschbeckens. Verletzt wurde niemand. „Das Badepersonal hat vorbildlich reagiert“, berichtet ein Augenzeuge. In den übrigen Bädern gab es ebenfalls abgebrochene Äste, das vom Sturm ins Wasser getriebene Laub würde die Filter verstopfen, überall haben die Aufräumarbeiten begonnen. Die Mitarbeiter in den Bädern stellen sich auf eine weitere Putzrunde am morgigen Freitag ein, weil sie einen zweiten durchziehenden Sturm erwarten.

Gleisstrecke zwischen Karlsruhe und Rastatt gesperrt

Die Gleisstrecke der Deutschen Bahn zwischen Karlsruhe und Rastatt über Durmersheim wurde wegen einem Baum auf der Strecke gesperrt. Alle Züge benutzen die Parallelstrecke über Ettlingen West und Muggensturm, die dadurch überlastet ist. Deshalb waren bis 15.40 Uhr bereits zwei AVG-Züge Richtung Murgtal ausgefallen. Im KVV-Gebiet lief pauschal auf Anzeigetafeln Warnung vor Orkanböen. Sonst kamen Stadt- und Straßenbahnverkehr laut Auskunft der VBK glimpflich davon.

Der Frankfurter Flughafen stellte den Betrieb wegen der Sturmwarnung vorübergehend ein. Damit fänden keine Starts und Landungen statt, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport gegenüber der Deutschen Presseagentur. Die Flugzeuge blieben in der Luft, bis das Gewitter vorbeigezogen sei. Dies sei das normale Vorgehen bei solchen Wetterlagen, heißt es. Auch die Bodenabfertigung sei vorübergehend eingestellt worden wegen Blitzschlaggefahr auf dem Vorfeld. Es könne in der Folge zu Ausfällen von Flügen kommen, sagte der Sprecher.

Die Lufthansa reservierte schon einmal 3000 Hotelzimmer, falls Passagiere stranden sollten, meldete die dpa. Die Fluggesellschaft stellte sich eigenen Angaben zufolge darauf ein, dass rund 6000 Passagiere und rund 40 Flüge von den Auswirkungen der Gewitterfront betroffen sein könnten.

Noch einigermaßen glimpflich ist der nördliche Landkreis Karlsruhe am Donnerstagnachmittag durch das Gewitter gekommen. Gegen 16 Uhr schien der Spuk zumindest vorerst vorbei, wenngleich für den Abend weitere heftige Regenfälle angekündigt sind.

„Wir haben mit mehr gerechnet“

„Wir haben mit mehr gerechnet“, gibt Fabian Geier von der Feuerwehr des Landkreises Karlsruhe am Nachmittag eine vorläufige Entwarnung. Dennoch mussten in vielen Orten die Feuerwehren ausrücken. Im Philippsburger Stadtteil Huttenheim etwa hat der Wind einen Baum umgeworfen, der auf die Oberleitung der Bahn gefallen ist. Die Strecke war vorübergehend gesperrt.

Überflutete Straßen entlang des Rheins

Auch mit überfluteten Straßen hatten die Einsatzkräfte in den Gemeinden entlang des Rheins zu tun, etwa in Oberhausen-Rheinhausen oder auch in Dettenheim und in Graben-Neudorf. Überflutete Keller gab es in Waghäusel und in Oberhausen-Rheinhausen. In Kraichtal, das bei den vergangenen beiden Starkregen-Ereignissen extrem betroffen war, war zunächst alles ruhig, so Geier am Nachmittag.

Weitere Einsätze hatten die Feuerwehren in Zaisenhausen, in Bretten, in Waldbronn und in Ettlingen, unter anderem wegen Bäumen, die der Wind über die Straße geworfen hatte.