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Mit der agilen Welt beschäftigt sich Sven Häwel immer wieder... | Foto: jodo-Foto

Digitale Köpfe in der Region

Sven Häwel im Porträt: Ein krankhaft chronischer Gründer

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Angst vor den neuen Herausforderungen im Internetzeitalter hat dieser Mann ganz sicher nicht: „Ich bin ein krankhaft chronischer Gründer“, antwortet Sven Häwel mit einem verschmitzten Lächeln auf die Frage, wie er sich selbst charakterisieren würde. Der 48-Jährige hebt regelmäßig neue Unternehmen aus der Taufe. Als ehemaliger Marketingchef des 1995 gegründeten Internetportals web.de hat er die Goldgräberzeit der Onlinedienste um die Jahrtausendwende hautnah miterlebt und sucht seitdem ständig nach neuen und interessanten Geschäftsmodellen, wenn er nicht gerade als Ausgleich in seiner Zweitheimat Mallorca die Wanderschuhe schnürt oder den Golfball schlägt. Sein neuestes Baby hat mit dem Wohnen in der Zukunft zu tun – doch davon später mehr.


Geht es um die Digitalen Köpfe in der Region, fällt der Name Sven Häwel ziemlich schnell. Was kein Wunder ist, da der gebürtige Karlsruher bei sehr vielen Projekten mitgemischt hat. Das gilt auch für die Gründung des Cyberforums vor 20 Jahren, für das sich der Vater einer neunjährigen Tochter noch heute als Mentor und Coach engagiert, um Nachwuchsfirmen ins Laufen zu bringen. Die IT-Region liegt ihm sehr am Herzen – vor allem mit Blick auf die Konkurrenz anderer Städte. „Der Standort Karlsruhe ist gegenüber München und Berlin noch nicht aufgeladen genug“, so seine Sorge über fehlende Attraktivität, „wir müssen uns überlegen, wie wir Gründer in Karlsruhe halten können.“

Mit dem Commodore 64 in eine „neue Welt“

Warum Sven Häwel zum schillernden Internetpionier wurde und nicht heute als Maschinenbauingenieur in einem x-beliebigen Unternehmen tätig ist, hängt ganz eng mit dem C64 zusammen. Der Commodore 64 (kurz: C64) kam auf den Markt, „kurz bevor ich am Otto-Hahn-Gymnasium Abitur gemacht habe“, erinnert er sich an seine Jugendtage und jenen Heimcomputer, der trotz aus heutiger Sicht arg beschränkter Möglichkeiten (64 Kilobyte Arbeitsspeicher!) einen technologischen Quantensprung darstellte. Er habe sich damals ein 3D-Konstruktionsprogramm gekauft, erzählt Sven Häwel, „und hatte das Gefühl, ganz neue Welt zu erschaffen“.

Uni-Studium blieb links liegen

Infiziert mit dem Virus der Computeranimation ließ Häwel das klassische Maschinenbaustudium an der damaligen Uni Karlsruhe links liegen und stürzte sich in die www-Welt. Zunächst mit mehreren Multimedia-Agenturen, die dann von web.de übernommen wurden. Dort war der leidenschaftliche Golfspieler in den wilden Internetjahren von 2000 bis 2005 als verantwortlicher Produktmanager für alle 220 Themenportale verantwortlich, ehe er sich wieder für die Selbstständigkeit entschied, „um coole digitale Produkte zu bauen“. Er hob Portale für Reisen, Golf und Hochzeiten aus der Taufe, entwickelte Geschäftsmodelle und suchte stets nach dem neuen Kick. Habe mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem Verwalten von Aufgaben zu tun, verliere er das Interesse an dem Projekt, begründet er seine berufliche Rastlosigkeit.

Smart Home als neues Zauberwort

Und womit beschäftigt sich der Internet-Trendscout heute? Smart Home lautet das Zauberwort – dabei geht es um die Vernetzung und Fernsteuerung aller technischen Geräte in den eigenen vier Wänden zur Erhöhung der Lebensqualität. „Wir sind jetzt an der Abschussrampe bei dem Thema, sagt der 48-Jährige und verweist auf entsprechen Aktivitäten der Branchenriesen, die er als Saga-Gruppe (Samsung, Apple, Google, Amazon) bezeichnet. „Diese Player haben verstanden, dass jetzt die Smart-Home-Phase losgeht.“
Um an diesem neuen Milliardenmarkt kräftig mitzuverdienen, hat Sven Häwel als Berater im Auftrag von Forschungseinrichtungen und Energieunternehmen mit homeandsmart  das mittlerweile reichweitenstärkste deutsche Internetportal zu diesem Themengebiet an den Start gebracht, das bereits mit mehreren Stadtwerken kooperiert.

„Neue Unternehmen vom Kunden her denken“

Wie schon bei seinen früheren Projekten („man muss neue Unternehmen immer vom Endkunden her denken“) werden Besucher mit fachlichem Wissen in Form redaktioneller Beiträge angelockt und ihnen dann aber auch entsprechende Produkte zum Verkauf angeboten. Zum Beispiel Amazons Audio-Gerät Echo, das eine digitale Sprachassistentin („Alexa“) beinhaltet.
Und was bringt die Zukunft? Die nächsten zwei Jahrzehnte würden von der Digitalisierung bestimmt, da ist er sich ganz sicher. Er selbst will mit 60 etwas kürzertreten („dann ist der offizielle Teil beendet“) – wobei diese Vorstellung irgendwie gar nicht zu ihm passt.