Auch das Karlsruher Institut für Technologie soll vom Skandal betroffen sein. | Foto: Deck

Auch KIT soll betroffen sein

SWR: Skandal um „Fake-Science“

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Mehrere tausend deutsche Wissenschaftler sind in einen weltweiten Skandal um scheinwissenschaftliche Zeitschriften verwickelt. Dies hätten Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergeben, an denen auch der Südwestrundfunk (SWR) beteiligt war, teilte der Leiter der Recherche-Unit SWR in Mainz mit. Im Mittelpunkt der Recherchen stehen demnach die Verlage „Waset“ und „Omics“, die in der Türkei beziehungsweise Indien angesiedelt seien.

Gerichtsverfahren in den USA

Die Verlage veröffentlichen zahlreiche Fachzeitschriften, die im Verdacht stünden unwissenschaftlich und unseriös zu arbeiten. Gegen den Omics-Verlag laufe daher bereits ein Gerichtsverfahren in den USA. Die beiden Verlage behaupten Forschungsergebnisse wie international üblich vor Veröffentlichung anderen erfahrenen Wissenschaftlern zur Prüfung und Korrektur vorzulegen. Den Recherchen zufolge geschehe dies jedoch meist nicht. Eingereichte Studien würden oft binnen Tagen publiziert. Auf diese Weise gelangen demnach nicht selten fragwürdige, falsche oder gar betrügerische Studien mit scheinbar wissenschaftlichem Gütesiegel an die Öffentlichkeit.

Auch das KIT soll betroffen sein

In den Veröffentlichungen der beiden Verlage sollen sich auch die Namen zahlreicher Wissenschaftler aus dem Südwesten finden. Betroffene Einrichtungen sind unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Unis Heidelberg, Tübingen und Mainz sowie die Unternehmen Bosch GmbH und das Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim.
Auf Anfrage des SWR teilten die Unternehmen mit, sie hätten nicht gewusst, dass Wissenschaftler von ihnen bei den kritisierten Verlagen Artikel veröffentlicht hätten. Das sei ihnen erst durch die SWR-Recherchen bekannt geworden. Es handle sich um bedauerliche Einzelfälle. Die Universitäten und Unternehmen betonten, sie würden sogenannte „Raubverlage“ wie Waset und Omics ablehnen und Veröffentlichungen ihrer Mitarbeiter dort nicht unterstützen.

Wir warnen seit Jahren

Ein Sprecher der Uni Heidelberg sagte, man warne seit Jahren vor diesen unseriösen Wissenschaftsverlagen. Dennoch könne es im Einzelfall vorkommen, dass vor allem junge, unerfahrene Wissenschaftler auf die Angebote der Verlage hereinfallen würden. Aber die Zahl der bei den kritisierten Verlagen veröffentlichten Artikel sei sehr gering. Wissenschaftler der Uni Heidelberg würden jedes Jahr mehr als 7 000 Fach-Artikel verfassen. Seit 2010 seien insgesamt nur 17 Artikel bei Raubverlagen erschienen. Auch das KIT, die Universität Tübingen und die Robert Bosch GmbH verweisen darauf, dass von ihren Mitarbeitern nur sehr wenige Artikel bei diesen Verlagen veröffentlicht wurden. Man werde aber erneut alle Mitarbeiter davor warnen, dort Fach-Artikel zu publizieren.
Von der Uni Mainz seien zwei Professoren auf den Seiten des „Omics“-Verlages sogar als Herausgeber von Fachzeitschriften geführt worden. Wie die Uni Mainz auf Anfrage mitteilte, habe einer der beiden Professoren die Zusammenarbeit mit dem Verlag bereits gekündigt. Der zweite Professor sei mittlerweile nicht mehr an der Uni Mainz tätig. Auch das Pharma-Unternehmen Boehringer-Ingelheim betonte, dass aus seinem Haus nur sehr wenige Wissenschaftler betroffen seien. BNN/dpa

Das Erste zeigt dazu im Rahmen seiner Reihe „ARD exklusiv“ am Montag, 23. Juli, 21.45 Uhr, die Dokumentation „Fake Science: Die Lügenmacher“.