Parkett mit Potenzial: Lust zu Tanzen wie hier Profi Sergiu Luca aus Karlsruhe und Model Barbara Meier verbreitet die Fernsehsendung „Let’s Dance“ nur begrenzt.
Parkett mit Potenzial: Lust zu Tanzen wie hier Profi Sergiu Luca aus Karlsruhe und Model Barbara Meier verbreitet die Fernsehsendung „Let’s Dance“ nur begrenzt. | Foto: dpa

Der Einfluss von „Let’s Dance“

Tanz ohne wirtschaftliche Knalleffekte

Sendung ohne „Boom“

Gut gelaunte Prominente drehen sich perfekt inszeniert über das Parkett. Mit Hilfe ihrer Profi-Tanzpartner mutieren sie innerhalb kurzer Zeit selbst zu Bewegungskünstlern. Die RTL-Fernsehsendung „Let’s Dance“ präsentiert Tanzen – glitzernd, schrill und bunt – als Erlebnis, das laut dem Portal „Quotenmeter“ wöchentlich über drei Millionen Menschen zum Zuschauen lockt. Ausläufer dieser Begeisterung merken auch regionale Tanzschulen, der große wirtschaftliche „Boom“ bleibt allerdings aus.

Motivation durch den Bildschirm

„Viele Leute kommen nur, um mit einer Profitänzerin, die auch im Fernsehen ist, zu tanzen“, erzählt Regina Luca, Inhaberin der Tanzschule Magic Dance in Karlsruhe. Zum dritten Mal war sie in dieser Staffel bei „Let’s Dance“ dabei, ihr Studio hat sie bereits vor sechs Jahren gegründet. Ihr Mann Sergiu Luca steht am Freitagabend im Finale der Show, an der dieses Jahr wieder Schauspieler, Moderatoren und mittlerweile sogar Youtube-Stars, die wohl nur der Generation „Unter 20“ bekannt sein dürften, teilnahmen.

Ich brauche weniger Werbung.

„Die Show motiviert Leute wieder mehr, mit dem Tanzen zu beginnen.“ Anfragen von potenziellen Schülern gebe es demnach ausreichend, betont Luca. Eine Einzelstunde mit ihr kostet ein Paar nach Angaben auf der Website 60 Euro, 90 Minuten Unterricht gibt es für 80 Euro. Den Einfluss der TV-Präsenz auf das Geschäft spüre sie „extrem“. „Ich brauche viel weniger Werbung machen, ,Let’s Dance‘ reicht dafür vollkommen aus.“

Positiver Trend in der Branche

Dass die Euphorie für Walzer, Salsa und Cha Cha Cha vom Bildschirm auf die Branche überschwappt, das vermutet auch Heidi Schumacher vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV). Wo die Ursache für den positiven Trend liege, das könne sie jedoch nicht eindeutig zuordnen. „Wir wissen, dass die Sendung sehr stark gesehen wird und das Tanzen insgesamt befördert“, macht die Verbandssprecherin deutlich.

Tanzlehrende sind gefragt

Etwa drei Millionen Erwachsene, Jugendliche und Kinder bewegen sich in rund 860 ADTV-Schulen. „Der Trend geht deutlich nach oben“, sagt Schumacher – auch bei den Tanzlehrenden. Knapp 3 000 gibt es derzeit, 500 weitere würden ausgebildet. „Der allgemeine Fachkräftemangel schlägt sich auch in der Tanzbranche nieder“, ergänzt Schumacher. „Es gibt keine arbeitslosen Tanzlehrenden.“

Sie fügt jedoch hinzu: „Das, was in der Sendung gezeigt wird, ist nicht das, was in Tanzschulen tatsächlich erarbeitet wird.“ Im Fernsehen würden lediglich „Choreografien für den Moment“ präsentiert. „In den Studios geht es vielmehr darum, nachhaltig zu arbeiten. Wir wollen, dass Menschen sich dort wohlfühlen und ein Gemeinschaftsgefühl haben“, betont die Tanzexpertin.

Zufriedenheit auf dem Parkett

Ähnlicher Meinung ist der mehrfache Weltmeister und Tanzschulen-Inhaber Ralf Müller aus Rastatt. „Das ist Show und hat mit Tanzsport nicht viel zu tun“, betont er. Effekte aus dem TV auf sein Unternehmen spürt er im Gegensatz zu einigen Kollegen nicht: „Man merkt ein gewisses Interesse an ,Let’s Dance‘. Dass es deshalb einen Boom in der Tanzschule gibt, kann ich so nicht sagen.“ Grundsätzlich sei er mit der Nachfrage sehr zufrieden.

Stars in der Region

Ein Kurs aus acht Einheiten à 75 Minuten kostet pro Person zwischen 120 und 130 Euro. In der Woche gingen etwa 1 000 Schüler in der Tanzschule Müller ein und aus. So hat es auch viele der „Let’s Dance“-Stars bereits auf das Rastatter Parkett verschlagen, erinnert sich Müller: Etwa Jury-Mitglied Motsi Mabuse oder die Tanzprofis Massimo Sinato und Erich Klann.

Das Geschäft treibt die Show nicht an.

Einen plötzlichen Andrang auf das Kursangebot kann auch Wolfgang Tönnies, Vorsitzender des TSC Rot-Weiß Karlsruhe, nicht verzeichnen: „Dass Tanzschulen durch die Sendung einen Aufschwung bekommen, kann ich so nicht sagen.“ Dabei schwitzen auch in seinem Club einige aus dem Fernsehen bekannte Profis: Darunter Marta Arndt und Pavel Pasechnik, die zuletzt beim Karlsruher Sportlerball mit der „Goldenen Pyramide“ ausgezeichnet wurden. „Das Geschäft treibe so eine Show nicht an“, erklärt Tönnies.

Etwa 300 Mitglieder hat der Verein derzeit. „Tanzkurse sind noch gefragt, nur nicht mehr so wie früher“, ergänzt er. Der fehlende Nachwuchs sei allerdings ein branchenunabhängiges Problem. Da helfe auch „Let’s Dance“ nicht.