Haben den Dreh raus: Die Magic Spirits aus Ettlingen tanzen auf dem Square-Dance-Level „Plus“ – eine Stufe höher als das Basisniveau „Mainstream“.
Haben den Dreh raus: Die Magic Spirits aus Ettlingen tanzen auf dem Square-Dance-Level „Plus“ – eine Stufe höher als das Basisniveau „Mainstream“. | Foto: Jörg Donecker

Serie Square Dance

Tanzen im Quadrat – in und um Karlsruhe

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Square Dance ist ein echter Nischensport – und doch hat der Volkstanz, der alle Altersgruppen anspricht, in Karlsruhe eine lange Tradition. Fünf Clubs gibt es in und um Karlsruhe, sodass ambitionierte Tänzer an fast jedem Wochentag ein Angebot vorfinden. Gäste aus jeweils anderen Clubs sind herzlich willkommen, denn Square Dancer sind ein geselliges Völkchen. In einer Miniserie stellen die BNN die Clubs vor.

Freitags haben Tanzwütige die Qual der Wahl: Da beim Square Dance Gäste anderer Clubs immer willkommen sind, können auch Karlsruher Mitglieder wahlweise bei den Ettlinger Magic Spirits oder bei den Lovely Caotics in Pfinztal-Berghausen tanzen. Die Magic Spirits kommen für ihren Clubabend derzeit in die Aula der Eichendorff-Schule in der Karlsruher Waldstadt – in Ettlingen steht durch den Abriss der Schiller-Schule im Moment kein Raum zur Verfügung.

Doch davon lässt sich ein leidenschaftlicher Square Dancer nicht abhalten. Erst recht nicht, wenn wie bei den Magic Spirits die eher seltene Gelegenheit besteht, in einem höheren Level zu tanzen – genannt „Plus“.

Magic Spirits mit „Plus“

Und so längst nicht alle Clubmitglieder direkt aus Ettlingen oder Karlsruhe, viele Mitglieder haben eine weitere Anreise: aus Landau, Pforzheim, Calw oder Offenburg. „Plus“ ist nach dem Grundniveau „Mainstream“ mit seinen 68 Figuren die nächsthöhere Stufe, die Magic Spirits packen damit noch weitere 28 Schrittfolgen drauf, die auf den Mainstream-Figuren aufbauen.

Wer noch höher hinaus will beim Square Dance, muss weiter weg fahren – nach Heidelberg oder Merklingen. „Ab dem 10. Januar startet wieder ein Kurs“, erklärt Club-President Susen, die wie alle Square Dancer nur mit Vornamen angesprochen wird, erkennbar am Namensschild. Davor wird bei den interessierten Mainstream-Tänzern nochmal geschaut, ob das erste Level schon sitzt. „Wenn mal ein Square zusammenbricht, ist das kein Beinbruch“, meint Susen.

Callerin Evelyn spielt bei den Lovely Caotics auch mal elektronische Musik aus den 80er Jahren.
Callerin Evelyn spielt bei den Lovely Caotics auch mal elektronische Musik aus den 80er Jahren. | Foto: Jörg Donecker

„Girl trade, boy circulate“, sagt Caller Alex ins Lied „I help you hate me“ der finnischen Pop-Rock-Band Sunrise Avenue hinein. Das Klischee vom Square Dance mit Westernklamotten und amerikanischer Countrymusik lässt sich hier nicht bestätigen, wenn man mal von den Petticoats und einem gelegentlichen Männerhemd im Cowboystil absieht.

Lovely Caotics mit Ausdauer

Ylevol Scitoac – wie bitte? Liebevoll chaotisch haben die Lovely Caotics ihr Club-Logo entfremdet: Rückwärts gelesen ergibt der Schriftzug wieder Sinn. Im Selmnitzsaal in Pfinztal-Berghausen spielt Callerin Evelyn gerne auch mal elektronische Musik aus den 80er Jahren wie den Instrumental-Song „Axel F“, bekannt aus dem Film „Beverly Hills Cop“. Zwischendurch stoppt Evelyn die Musik und erklärt die Figuren. „Da hat was nicht gestimmt“, sagt sie: Zwei Paare haben einen Wechsel über die falsche Seite gemacht. Nicht, dass das dem Laien direkt auffallen würde…

Die Karlsruher Square- und Round-Dance-Clubs laden alljährlich zum Neujahrstanz ein. Diesmal organisieren ihn die Magic Spirits am Samstag, 4. Januar 2020, in der Lustgartenhalle, Am Lustgarten, in Karlsruhe-Hohenwettersbach. Ab 14.30 Uhr können sich die Tänzer registrieren lassen, danach beginnen Tanzrunden der unterschiedlichen Niveaus, die bis 22 Uhr dauern. Ab 22 Uhr beginnt dann die Afterparty. Weitere Infos unter www.magicspirits.de

Da muss man sich schon länger einarbeiten. Christa ist – neben wissenschaftlichen Studien – der beste Beweis dafür, dass Square Dance nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit hält. Mit stolzen 93 Jahren tanzt sie noch beschwingt bei den Lovely Caotics mit. Und beantwortet blitzgescheit und amüsiert über die unverhoffte Aufmerksamkeit die Fragen der Reporterin.

„Soll ich Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen? So viel Zeit haben Sie bestimmt gar nicht!“ meint sie, die seit mehr als 40 Jahren aktive Square Dancerin ist. „Wo wir nicht schon überall getanzt haben“, sagt Christa. In Heidelberg oder Prag etwa.

Reiselustig sind auch Gerhard und Ingrid: In Südafrika, Australien oder China haben sie schon Square Dance Clubs besucht. In Peking besuchten sie gleich drei von zehn existierenden Clubs. Die Sprache verstanden sie nicht, tanzen konnten sie trotzdem. „Es ist schön, dass Square Dance so kommunikativ ist“, findet Ingrid. Auch in und um Karlsruhe scheuen sie die Reise nicht – unter anderem tanzen sie mittwochs Round Dance bei den Fancy Fans in Bulach, freitags geht es eben nach Pfinztal.

Vieltänzer mit Profi-Ausstattung: Kut-Ups-Mitglied Andreas zückt bei den Lovely Caotics sein Schweißtuch.
Vieltänzer mit Profi-Ausstattung: Kut-Ups-Mitglied Andreas zückt bei den Lovely Caotics sein Schweißtuch. | Foto: Jörg Donecker

Und natürlich ist auch Andreas wieder dabei – er ist Mitglied in gleich zwei Karlsruher Clubs, den Kut Ups und den Charly Mixers. Kaum ein Clubabend in der Woche, den er verpasst. Bei den Magic Spirits wird er an der Plus Class teilnehmen. „Ich würde gerne das nächste Niveau lernen“, sagt er. „Sonst sitzt man bei den großen Tanzveranstaltungen so viel. Da komm’ ich immer völlig aus’m Tritt!“

Square Dance ist ein amerikanischer Volkstanz, der sich aus verschiedenen Tänzen der europäischen Einwanderer entwickelt hat. Getanzt wird in Gruppen zu je vier Paaren, die an den Linien eines gedachten Quadrates (Square) stehen. Die Tänze bestehen aus aneinander gereihten Figuren, die ein Ansager (Caller) in immer unterschiedlichen Kombinationen zur Musik „callt“. Der Caller wählt die Figuren frei aus und kann so den Tanz abwechslungsreich gestalten. Die Tänzer lernen als „Students“ die Figuren in einem speziellen Kurs. Danach können sie als „Members“ ihres Clubs überall tanzen, da die Schritte weltweit standardisiert sind.