Eine Gefahr für Tauben sieht die Tierschutzorganisation Peta im Fütterungsverbot und wendet sich in einem Brief an den Karlsruher OB Frank Mentrup. | Foto: dpa

Brandbrief an Mentrup

Tauben-Streit und Corona: Peta hält Vögel in Karlsruhe durch Fütterungsverbot für gefährdet

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„Auch den Stadttauben von Karlsruhe droht der Hungertod, wenn die Fütterungsverbote nicht rasch aufgehoben werden“, sagt Rechtsanwalt Christian Arleth von der Tierschutzorganisation Peta. Damit widerspricht er Dieter Götz-Dumbeck, der das nachhaltige Stadttaubenkonzept Karlsruhe betreut.

Von unserem Mitarbeiter Wolf Goldschmitt

Götz-Dumbeck hatte zuvor gegenüber dieser Zeitung betont, dass er einen zusätzlichen Fütterungsbedarf in Zeiten der Krise in Karlsruhe nicht für nötig halte.

Peta hat deshalb einen Brandbrief an den Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sowie an das zuständige Veterinäramt und den Umweltausschuss der Stadt geschrieben. In seinem Schreiben, das auch weitere Städte erhalten haben – appelliert Arleth an die Verantwortlichen, Taubenfütterungsverbote auszusetzen und ihrem Schutzauftrag nachzukommen, indem sie zudem kommunale Fütterungen organisieren.

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Karge Mahlzeiten wegen Fütterungsverbot

„Ein isoliertes Fütterungsverbot – also ein Fütterungsverbot ohne oder ohne zureichend betreute Schläge für Tauben – wie in Karlsruhe bedeutet für die Tiere selbst unter normalen Bedingungen karge Mahlzeiten, die aus ungeeigneten Essensresten bestehen. In einer Ausnahmesituation wie der gegenwärtigen wird daraus innerhalb kürzester Zeit eine akute Lebensgefahr für die Tiere“, heißt es im Hilferuf. Die Kommunen seien aufgrund des Staatsziels Tierschutz rechtlich dazu verpflichtet, die Tiere vor dem Hungertod zu bewahren, indem sie isolierte Fütterungsverbote aussetzen und kommunale Fütterungen veranlassen.

Die Organisation weist darauf hin, dass die Fütterungsverbote aus juristischer Sicht selbst unter normalen Umständen äußerst bedenklich seien. So litten viele der Tiere in städtischen Taubenpopulationen aufgrund der für die Vögel oft ungeeigneten Nahrung ohnehin bereits an chronischer Schwäche und sind krankheitsanfälliger.

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Mannheim weist zusätzliche Futterplätze aus

Die Stadt Mannheim hat bereits reagiert und weist zusätzliche Futterplätze aus. Sie werden vom Stadttaubenprojekt Rhein-Neckar und dem Mannheimer Tierschutzverein betreut. „Es wäre Wahnsinn, ehrenamtliche Tierschützer in Karlsruhe in diesen Tagen auch noch für ihr Engagement zu bestrafen“, erklärt Arleth. Bei Tauben in Deutschlands Städten handelt es sich nicht um Wildtiere, sondern um die Nachkommen domestizierter Tiere. Diese wurden über Jahrhunderte gezüchtet, versorgt und ausgesetzt, wenn sie nicht mehr von Nutzen für den Menschen waren.

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