Lernen am Tablet-Computer: Auch für solche handlichen Geräte können Schulen einen Zuschuss aus dem Digitalpakt abrufen – er ist aber auf 25.000 Euro gedeckelt. Und zunächst müssen die Pädagogen einen Medienentwicklungsplan erstellen. Symbolfoto: dpa

Landesmedienzentrum gibt Tipps

Tausende Schulen auf dem Sprung ins Digitalzeitalter

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Verharren die meisten Schulen in der medientechnischen Steinzeit? Rufen sie zu wenig Geld aus dem milliardenschweren Digitalpakt des Bundes ab? Darüber wird in der Zeit der Corona-Pandemie und des Fernunterrichts munter diskutiert. Glaubt man Peter Jaklin, stellvertretender Direktor am Landesmedienzentrum (LMZ) Baden-Württemberg, dann sieht es nicht ganz so düster aus: Die Mehrheit der rund 4.500 Schulen im Südwesten ist demnach auf dem Sprung ins Zeitalter des computergestützten Lernens.

„Rund 2.500 Schulen arbeiten an einem Medienentwicklungsplan“, sagt Jaklin. „Viele haben schon vor der Corona-Krise damit angefangen. Und 450 Pläne sind fertig zertifiziert, die haben von uns sozusagen den TÜV-Stempel.“ Denn der Weg ans Fördergeld führt über das LMZ. Rund 585 Millionen Euro kann Baden-Württemberg für seine Schulen aus dem Digitalpakt abrufen.

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Wohl dem, der einen Computer hat: Doch Schülern in Hartz-IV-Familien fehlt mehr als nur die digitale Infrastruktur. Es fehlt an Ruhe, Platz und Unterstützung. Das Kultusministerium hat jetzt eine Idee zur individuellen Förderung an der Schule. Foto: dpa
Wohl dem, der einen Computer hat: Doch Schülern in Hartz-IV-Familien fehlt mehr als nur die digitale Infrastruktur. Es fehlt an Ruhe, Platz und Unterstützung. Das Kultusministerium hat jetzt eine Idee zur individuellen Förderung an der Schule. | Foto: dpa

Wichtig ist: Wie werden Lehrer fortgebildet?

Welche Geräte werden bezuschusst? Wie ausführlich müssen die Schulen ihre Anträge begründen? Welche Anschaffungen sind überhaupt sinnvoll? Zu solchen Fragen beraten Experten des LMZ die Schulen, wenn sie den Medienentwicklungsplan (MEP) erstellen – und der ist die Grundvoraussetzung für einen Zuschuss

„Damit will man verhindern, was schon oft passiert ist: dass Geräte angeschafft werden, die hinterher keiner nutzt“, sagt Jaklin. „Es sind auch pädagogische Ziele verankert. Die Schulen müssen aufzeigen, wo sie mit der Technik hinwollen – und wie sie die Lehrer fortbilden wollen. Die müssen die Geräte ja auch bedienen können.“

Wer Tablets will, muss auch pädagogische Ziele aufzeigen

Ein typischer Fehler inden ersten MEP-Entwürfen: „Die Zielformulierung fehlt oft“, stellt Jaklin fest. „Eine Schule will zum Beispiel mit Tablet-Computern arbeiten – aber es steht nicht dabei, in welchen Fächern, in welchen Klassen und mit welchem Ziel sie das will.“

Draußen in den Kreisen beraten 72 Medienexperten die Schulen, außerdem hat das LMZ eine zwölfköpfige Stabsstelle eingerichtet, die Jaklin am Standort Karlsruhe leitet. „Wir haben keinen einzigen MEP-Antrag auf Halde“, betont er, „wir arbeiten die ganz schnell ab.“ Wenn ein Schulkonzept grünes Licht von den Medienfachleuten erhalten hat, sind Regierungspräsidium und Kultusministerium am Zug. Sie geben die Mittel nach einer Prüfung frei.

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Faustregel: Maximal 25.000 Euro für mobile Endgeräte

Den Zuschüssen sind auch klare Grenzen gesetzt. Beispiel Tablets und Laptops: Maximal 25.000 Euro pro Schule sind für derartige „mobile Endgeräte“ als Zuschuss drin – oder maximal 20 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens pro Schulträger. Lehrer-Laptops allerdings sind nicht zuschussfähig, nur Präsentationsrechner für die Unterrichtsräume.

Geld für Schüler-Laptops gibt es generell auch nur, wenn überhaupt die Infrastruktur stimmt. In ein leistungsfähiges Netz und WLAN fließt dann vorrangig Geld aus dem Digitalpakt. Und es hängt vom Standort ab, was sich eine Schule leisten kann: Es gibt einen klaren Verteilungsschlüssel, wie viel Geld jede einzelne Gemeinde, jeder Kreis, jeder freie Träger aus dem Digitalpakt abrufen kann.

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Karlsruhe kann 15,7 Millionen abrufen

Karlsruhe beispielsweise hat rund 15,7 Millionen Euro zur Verfügung, Baden-Baden 2,6 Millionen, Bruchsal knapp 1,9 Millionen, Achern rund eine Million. Das kleinere Marxzell kann 44.700 Euro abrufen. Die L-Bank führt die Liste. Wie sie das Geld auf ihre Schulen verteilen, müssen die Schulträger klären – und sie sind später auch für die Wartung der neu angeschafften Technik zuständig.