Auf dem OP-Tisch: Stefanie Bohn näht Stofftier Teddy sein Ohr wieder an. Die 37-Jährige betreibt in Durlach eine Kuscheltierklinik. | Foto: Sandbiller

Stefanie Bohn repariert Teddys

Bärlie auf dem OP-Tisch

Bärlie muss noch an diesem Tag auf den OP-Tisch. Der braune Bär mit den schwarzen Knopfaugen hat offene Wunden und braucht teilweise neues Fell. Nach der OP gibt es für Bärlie ein Eis als Belohnung. So hat es sich seine junge Besitzerin Romy gewünscht, bevor ihr Lieblingsteddy seinen Krankentransport aus Bayern nach Karlsruhe antrat.

Stefanie Bohn macht Teddys wieder kuschelfit

Das vierjährige Mädchen hat sogar einige Münzen in das Paket gelegt, zusammen mit einem kleinen rosafarbenen Kissen (zum Ausruhen für Bärlie) und einem Geschirrtuch mit der Aufschrift „An Guad’n!“. Und ganz selbstverständlich wird Stefanie Bohn Bärlie nicht nur wieder kuschelfit machen, sie wird dem Teddy nach der OP das Geschirrtuch umbinden, ein Eis kaufen und das Ganze für Romy fotografieren. Ehrensache für die Kuscheltierärztin.

Kuscheltierklinik „Sternbären“ in Durlach

„Ich denke und agiere wie Kinder es möchten“, sagt die 37-jährige Stefanie Bohn, die in ihrer Kuscheltierklinik „Sternbären“ in der Seboldstraße in Durlach die kleinen und großen Wehwehchen ihrer plüschigen Patienten verarztet. Die Befunde sind vielfältig: Es fehlt ein Auge oder ein Ohr, mal hat der Teddy sein Bein oder seinen Arm verloren, mal seine Stimme, wenn die Kippstimme oder die Spieluhr kaputt ist. Es kommen Patienten mit Brandflecken und Hundebissen. Andere sind einfach nur abgemagert, ihnen fehlt es an Füllung.

Stofftiere sind wie Familienmitglieder.

„Die Kinder sind Feuer und Flamme für ihre Kuscheltiere, da hängen die Herzen dran, die Stofftiere sind wie Familienmitglieder“, sagt Stefanie Bohn. Deshalb findet die Kuscheltierärztin auch nichts dabei, Teddy und Co. ein wenig zu vermenschlichen. Bei ihr gibt es keine anonyme Reparatur. Bei der 37-Jährigen bekommt Bärlie nicht einfach nur frischen Fellstoff angenäht, er bekommt eine „Haartransplantation“. Statt Wellness steht für die Stofftiere „Fellness“ auf dem Programm. Statt neuen Füllstoff gibt es für Teddy und Co. eine ordentliche Portion Speck in den Bauch, damit er wieder schön rund und kuschlig wird.

Kunden aller Altersklassen

Die einzelnen OP-Schritte ihrer Patienten dokumentiert Stefanie Bohn mit Fotos und kurzen Texten. Diese stellt sie auf ihre Facebook-Seite, so können die Kinder immer verfolgen, wie es ihrem Lieblingsteddy geht.
Wobei längst nicht nur die Kleinen mit ihren „kranken“ Stofftieren mitfiebern. Bohns Kundenkreis ist sehr heterogen – von Kindern bis zu Senioren kommen Menschen jeder Altersklasse in die Kuscheltier-Klinik und bringen ihre geliebten Plüschfreunde mit.

Stoffhund Petit hat über 30 Jahre auf dem Buckel

Eine ältere Dame etwa hat erst vor wenigen Tagen Petit, ihren kleinen Stoffhund, bei Stefanie Bohn abgegeben. Über 30 Jahre sei das Kuscheltier ihr treuer Begleiter, eine Trennung komme nicht in Frage. Doch die vielen Jahre sind an Petit nicht spurlos vorbei gegangen. Ziemlich ramponiert und traurig sitzt er auf einem Holzstühlchen („den bekommen die Rentner-Stofftiere“) und wartet auf seine umfangreiche Behandlung.

Manchmal kommt die ganze Familie mit, um  mir das Plüschtier zu bringen.

Stefanie Bohns handwerkliches Können und ihr liebevoller und individueller Umgang mit den Stofftieren (ihr Motto: „jeder Patient ist einzigartig“) hat sich herumgesprochen: Aus der ganzen Republik werden ihr die abgeliebten und kaputten Stofftiere zugeschickt oder persönlich vorbeigebracht. „Manchmal kommt die ganze Familie mit, um mir das Plüschtier zu bringen“, erzählt Stefanie Bohn schmunzelnd. Samstags bietet sie Express-Reparaturen an. Die Kunden können dann das Stofftier vormittags abgeben und es drei, vier Stunden später wieder abholen. „Das geht aber natürlich nur, wenn es keine aufwendige Reparatur ist und ich das nötige Material habe“, sagt Bohn.

Manchmal dürfen die Kinder bei der OP assistieren

Es kommt auch durchaus vor, dass die Kuscheltierärztin die jungen Teddybesitzer – wenn sie das möchten – in die Stofftier-OP einbezieht. „Die Kinder assistieren mir dann und können zum Beispiel mit mir die Füllung auswechseln – also neuen Speck in ihren Teddybären füllen.“

Der Teddy Bärlie (Mitte) wurde aus Bayern in die Durlacher Kuscheltierklinik geschickt. Auf eine intensive Behandlung wartet auch der kleine Stoffhund Petit (links), der nach über 30 Jahren ziemlich ramponiert ist. | Foto: Sandbiller

Bärlie und Petit sind nicht Bohns einzige Patienten. Auf der Fensterbank warten weitere, mehr oder weniger knifflige Fälle. Wuffi etwa, ein 20 Jahre alter Hund, der neues Fell braucht. Besonders zugerichtet ist Lumpa, eine Mischung aus Hund und Maus („so genau weiß ich das selbst nicht“). Dem Stofftier sieht man nicht nur die 15 Kuscheljahre an, auch der Familienhund hat ganze Arbeit geleistet.

Teuere Sammlerstücke und Billigteddys

Eine Zwei-Klassenmedizin gibt es bei Stefanie Bohn übrigens nicht: Ob ein teueres Sammlerstück von Steiff auf ihrem OP-Tisch liegt oder ein günstiger Teddy aus einer Kuscheltierfabrik in China – sie werden alle respektvoll behandelt. „Dem Kind ist es egal, ob es ein teueres oder günstiges Stofftier ist, es ist einfach sein Lieblingsstofftier“, betont Bohn. Wobei sie in Sachen Qualität dann differenziert: „Ich würde beim Kauf eines Stofftiers eher ein paar Euro mehr ausgeben.“

Stefanie Bohn gründete eine eigene Stofftier-Manufaktur

Teddybären mochte die gebürtige Landauerin schon immer, ihre Liebe zu den Stofftieren mit den niedlichen Knopfaugen begann aber vor 15 Jahren: „In einem Supermarkt entdeckte ich einen Aushang, ein privater Bärenclub suchte Mitglieder.“ Sie ging hin und lernte alles über das Bärenmachen. Dann gründete sie ihre Manufaktur „Sternbären“. Sie fertigte nicht nur Teddybären an, bald gesellten sich auch Mäuse, Schweine, Elefanten oder Frösche dazu. Alles Unikate. Alle mit sehr viel Liebe zum Detail von Hand gefertigt.

Der Teddy braucht Persönlichkeit.

„Wichtig ist, das das Teddygesicht eine Tiefe hat, Persönlichkeit – wie bei den Menschen, da sieht auch jeder anders aus“, sagt Bohn und lacht. Zum Spielen waren ihre „Sternbären“ und Co. allerdings nicht geeignet: „Das waren reine Sammlerobjekte.“ Dass die 37-Jährige in Vergangenheit spricht, hat einen guten Grund: Seit drei Jahren kümmert sie sich nämlich ausschließlich um die Stofftier-Patienten. Die Nachfrage ist so groß, dass ihr die Zeit für die Teddybären-Manufaktur fehlt.

Workshops für Kinder

Dafür hilft sie nun Mädchen und Jungen dabei, ihre eigenen Stofftiere „auf die Welt zu zaubern“. Bohn bietet Workshops für Kinder ab vier Jahren an, an deren Ende die Teilnehmer glücklich ihr eigenes Kuscheltier im Arm halten, samt Geburtsurkunde. Die älteren Kinder erfahren zudem auch viel Spannendes rund um Teddybären