Alpen-Murmeltier in der Würm-Kaltzeit: Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe
Das Alpen-Murmeltier fühlte sich während der Würm-Kaltzeit so richtig wohl in der Rheinebene. Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe. | Foto: abw

Alles eine Frage des Klimas

Tierische Eiszeit: Vom Oberrhein grüßt das Murmeltier

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Wie war die Eiszeit wirklich? Dieser Frage geht das Naturkundemuseum Karlsruhe nach. Und präsentiert Landschaften am Oberrhein, in denen sich Polarfüchse und Wollhaar-Mammuts tummeln. Aber man begegnet auch Wärme liebenden Tiere wie Flusspferden oder Sumpfschildkröten. Und das ausgerechnet in der Eiszeit!? In der Großen Landesausstellung schmilzt manche populäre Vorstellung dahin…

Eiszeit – Kaltzeit – Warmzeit?

Hätten Sie es gewusst? Wir leben in einem Eiszeitalter. Und zwar schlicht und einfach deshalb, weil (zumindest derzeit noch) beide Pole mit Eiskappen bedeckt sind. Das sind sie seit nunmehr 2,6 Millionen Jahren. Trotzdem kommen wir – besonders hier am Oberrhein – bisweilen kräftig ins Schwitzen: In einem Eiszeitalter ist es abseits der Pole nämlich keineswegs durchgängig eisig. Vielmehr wechseln sich Kalt- und Warmzeiten ab. Derzeit leben wir in einer Warmzeit, dem sogenannten Holozän.

Aber woher  rührt der stete Wandel von Warm und Kalt? Und welche Spuren hinterließ er in unserer Region?Und woher wissen wir überhaupt, wie das Klima früher war? Diese Fragen beantwortet das Karlsruher Naturkundemuseum in der Schau „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“.

Flusspferd - Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Flusspferd – Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ | Foto: abw

Dass es einst tatsächlich Flusspferde am Oberrhein gab, belegen zahlreiche Knochen- und Zahnfunde. Sie stammen aus der Eem-Warmzeit. Die begann vor rund 126.000 Jahren  und endete vor 115.000 Jahren. Auch Waldelefanten und Waldnashörner fanden im Sommer hierzulande Nahrung im Überfluss. Und weil auch in vergleichsweise strengen Wintern der Rhein nicht zufror, tummelten sich in der Region weitere Wärme liebende Tiere wie die Europäische Stumpfschildkröte.

Die Ausstellungsmacher präsentieren diese Tiere anhand von Original-Fossilien sowie eigens angefertigter Modelle in einer stimmungsvollen Inszenierung. Sie ist der Landschaft am Oberrhein zwischen Schwarzwald und Vogesen nachempfunden.

Der Daxlander Nashornschädel

Ein Prunkstück ist der „Daxlander Nashornschädel“. Er wurde 1802 am Rheinufer entdeckt. Was die Menschen damals zunächst für die Überreste einer „Meerjungfrau“ hielten, hegt das Naturkundemuseum heute als den weltweit besterhaltenen Schädel eines Waldnashorns.

Es wird eisig

Fast noch spannender als die Tiere und Pflanzen der Eem-Warmzeit mutet die Lebenswelt der nachfolgenden Würm-Kaltzeit an. Die entspricht schon eher dem, was man sich gemeinhin unter einer Eiszeit vorstellt.

Vor 115.000 bis 11.700 Jahren taute der Dauerfrostboden im Sommer nur oberflächlich auf. Der Oberrheingraben war bedeckt mit einer Kältesteppe aus Kräutern, Zwergsträuchern und Sauergräsern. Darüber fegten kalte Gletscherwinde. Damals fühlte sich das Alpen-Murmeltier in der Rheinebene noch so richtig wohl. Heute begibt sich das hitzeempfindliche Erdhörnchen nicht mehr freiwillig in Höhen unterhalb von 800 Metern hinab.

Polarfuchs im Winter - Flusspferd - Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Polarfuchs mit Winterfell – Flusspferd – Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe. | Foto: abw

Typische Großtiere der Würm-Kaltzeit waren etwa das skurril anmutende Wollhaarnashorn, das Wollhaarmammut und der Höhlenlöwe. Auch Bisons und Rentiere tummelten sich am Oberrhein. Und der Polarfuchs, der mit seinem dichten, weißen Winterpelz Temperaturen von minus 80 Grad überleben kann, jagte nach Beute.

Ein „Kälte-Extremist“

Durch sein dichtes Fell und eine dicke Fettschicht schützte sich auch der Moschusochse vor der bitteren Kälte – sie ließ im Winter den Boden metertief vereisen.  Heute gibt es natürliche Vorkommen von Moschusochsen nur noch in Grönland und Kanada.

Der Moschusochse, ein "Kälte-Extremist" - Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Moschusochse – Modell aus der Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum Karlsruhe. | Foto: abw

Dass der bis zu 400 Kilogramm schwere Moschusochse sich am Oberrhein aufhielt, ist allerdings nur durch ein einziges Schädelfragment belegt. Un das gehört zur Sammlung des Naturkundemuseums Karlsruhe. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Klima hierzulande selbst während der Würm-Kaltzeit noch zu mild war für diesen „Kälte-Extremisten“.

Die Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ ist bis 27. Januar 2019 im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe am Friedrichsplatz zu sehen. Infos dazu gibt es hier.