Die Asiatische Tigermücke (auf unserem Foto ein weibliches Exemplar ) kann – und will – in kurzer Zeit mehrere Menschen stechen. Damit steigt die Gefahr einer Virenübertragung.
Die Asiatische Tigermücke (auf unserem Foto ein weibliches Exemplar ) kann – und will – in kurzer Zeit mehrere Menschen stechen. Damit steigt die Gefahr einer Virenübertragung. | Foto: James Gathany/dpa

Asiatische Tigermücke

Viel aggressiver als die Rheinschnake

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Von Klaus Müller

Es ist nicht das erste Exemplar einer „zerdatschten Mücke“, die auf dem Schreibtisch von Uwe Renz, dem Leiter des Pfinztaler Umweltamts, landet. „So etwas kommt immer wieder vor – dass besorgte Bürger solche Mücken zu uns bringen.“ Die Sorgen, mitunter sogar Ängste, beziehen sich auf die Asiatische Tigermücke. Unlängst schlug so ein Fall in Pfinztal auf. Der Verdacht eines Kleingärtners, dass sich eine ganze Ansammlung dieser Mückenart in seinem Garten angesiedelt haben könnte, erwies sich als unbegründet. Bei der abgegebenen Mücke soll es sich laut Renz um eine Ringelmücke handeln. Zum Glück, mag man da sagen – zumal das Thema Tigermücke ernst genommen werden muss. Nebenbei: Auch andere Gemeindeverwaltungen werden immer wieder mit vergleichbaren Mückenfunden und den Sorgen der Anwohner konfrontiert.

Verdachtsmomente

In Sachen Tigermücke kann man bezogen auf den Landkreis Karlsruhe bislang Entwarnung geben. Entsprechende Sichtungen habe es noch keine gegeben, sagen auf BNN-Nachfrage Peter Friebel, Leiter des Gesundheitsamts im Landratsamt, und seine Kollegin Barbara Koch. Die Einschätzung bestätigt Norbert Becker, Direktor der Kabs (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage). Das heißt aber noch lange nicht, dass die Tigermücke in der weiteren und näheren Region nicht vorkommt. Nachweisliche Sichtungen hat es laut Kabs unter anderem im Freiburger (aktuell) und Heidelberger Raum gegeben. Zudem wurden Tigermückenvorkommen vergangenen Herbst in der Karlsruher Ottostraße (wir berichteten) festgestellt.

Virus ist nicht Normalfall

Die Stechmücke ist mit Vorsicht zu genießen. Nicht zuletzt in Südostasien gilt sie als einer der heftigsten – qualitativ wie quantitativ – Viren- und somit Krankheitsüberträger. Allerdings nur, klären Friebel und Koch auf, wenn sie zuvor eine mit dem jeweiligen Virus infizierte Person gestochen habe. Einige Faktoren müssten da zusammenkommen, damit dieser Fall eintrete, ergänzte Becker. Hier geschlüpfte Tigermücken tragen zunächst keine Viren in sich.

Bekämpfung der Tigermücke

Wehret den Anfängen, lautet das Gebot der Stunde: Je mehr sich die Tigermücke verbreitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann einmal einen „Treffer“ landet, eine infizierte Person sticht und damit Viren aufnimmt. Im Vergleich zur „gemeinen“ Rheinschnake ist die Tigermücke laut Becker viel aggressiver. Sie kann (und will) in kurzer Zeit mehrere Personen stechen. Damit steigt unweigerlich das Risiko einer Virenübertragung. Deshalb muss die Bekämpfung schnell und zielgerichtet erfolgen. Der Mücke darf erst gar nicht die Chance gegeben werden, flächendeckende Brutstätten einzurichten. Als effektives Mittel gegen die Tigermücke hat sich die „sterile Insektentechnik“ erwiesen. Vereinfacht ausgedrückt werden dadurch die männlichen Mücken steril gemacht – sie können sich nicht mehr fortpflanzen.

Augen auf

Grund zur Panik gebe es keine, betont Norbert Becker. Gleichwohl spricht er von einer „realen Gefahr“. Angewiesen sind die Mückenjäger auf die Bevölkerung. Die Vorgabe: Lieber mal eine verdächtige Mücke zu viel zur Bestimmung bei der Kabs einschicken als eine zu wenig. Die Tigermücke legt ihre Brut bevorzugt in kleine Wasseransammlungen, zumeist in künstlichen Gefäßen oder Gegenständen, ab. Oftmals wird sie mit der japanischen Buschmücke verwechselt. Egal, zumal die Kabs und die Gesundheitsämter auf das Augen-auf-Prinzip („passives Monitoring“) angewiesen sind. Von Behördenseite, so Peter Friebel, wird ein flächendeckendes Monitoring angestrebt. Ebenso müsse man für den Fall der Fälle noch Handlungsstrukturen aufbauen, auch ausgehend von der Fragestellung, wer dann für was zuständig ist.

So erkennt man die Tigermücke

Neben der schwarz-weißen Färbung ist die Musterung das auffälligste Merkmal der Tigermücke. Das hintere Beinpaar und der lang gestreckte Hinterleib sind ausgeprägt schwarz-weiß gemustert. Ein weiteres auffälliges Merkmal in der Musterung der Asiatischen Tigermücke ist eine am Hinterkopf anfangende weiße Linie, welche sich mittig nach hinten über den Rücken bis zum Flügelansatz fortsetzt (Quelle: Kabs).

Wenn möglich das zu untersuchende Insekt nicht komplett zu Klump hauen, die „leicht zerdatschte Mücke“ in ein Röhrchen oder beispielsweise in eine Streichholzschachtel legen und als Brief an folgende Adresse schicken:
Kabs, Georg-Peter-Süß-Str. 3, 67346 Speyer; www.kabsev.de (Link: Biologie/Arten/Exotische Stechmücken).