Motorradunfall bei Boms
Noch gibt es keine offiziellen Unfallzahlen zur Motorradsaison, die mit dem vermutlich letzten Schönwetterwochenende nun ihr Ende gefunden hat – erste Tendenzen sind aber bereits erkennbar. | Foto: Thomas Warnack

Einschätzung der Polizei

Tödliche Motorradunfälle: „Schlechter Trend setzt sich fort“

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Zwei Tote, ein Schwerverletzter: Einer der schwersten Motorradunfälle des Jahres hat am Sonntag in Baden-Baden für Erschütterung gesorgt. Die B500, auf der der schreckliche Unfall geschah, gilt unter den Bikern als beliebtes Ausflugsziel: Die lang gezogenen Kurven der Schwarzwaldhochstraße machen Spaß, und die tolle Aussicht trägt ihren Teil dazu bei. Noch gibt es keine offiziellen Unfallzahlen zur Motorradsaison, die mit dem vermutlich letzten Schönwetterwochenende nun ihr Ende gefunden hat – erste Tendenzen sind aber bereits erkennbar.

Auf den deutschen Straßen sind immer mehr Motorräder unterwegs – und mehr Motorräder bedeuten auch mehr Unfälle. „2017 war ein schlechtes Jahr, und der anhaltend schlechte Trend setzt sich in diesem Jahr voraussichtlich fort“, sagt Joachim Zwirner, der Leiter des Referats Verkehr bei der Polizei Karlsruhe. Auf den Straßen in und um die Fächerstadt kamen 2017 sieben Motorradfahrer bei Unfällen ums Leben, bisher verzeichnet die Polizei in diesem Bereich für das aktuelle Jahr fünf Tote. „Wir erwarten keine nachhaltige Verbesserung“, sagt Zwirner.

Fünf tote Motorradfahrer in zehn Tagen

Ähnlich sieht es im Gebiet des Präsidiums Offenburg aus: Hier starben in diesem Jahr bereits neun Biker, im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es acht, wie der Leiter der Polizeiverkehrsdirektion, Peter Westermann, erklärt. Besonders tragisch: In den zehn Tagen bis zum vergangenen Wochenende verloren gleich fünf der neun Biker in diesem Jahr ihr Leben. Für viele hätte es vermutlich die letzte Tour vorm Saisonende sein sollen. Trotz vieler Maßnahmen der Polizei gebe es keine großen Rückgänge bei den Zahlen, bedauert Westermann: „Es ist ein Level, das man wohl hinnehmen muss:“

Gefährliches Überholen

Besondere Unfallschwerpunkte für Motorradunfälle seien die Strecken, die beim Fahren besonders Spaß machten und wo dementsprechend auch viele Zweiradfahrer unterwegs seien: kurvige Strecken mit viel Gefälle. Viele Unfälle gibt es laut Joachim Zwirner außerdem beim Überholen von Fahrzeugkolonnen und an Einfahrten von rechts: Die sind laut dem Referatsleiter gefährlicher als Einfahrten von links, denn hier hätten Motorradfahrer mehr Zeit, zu reagieren.

Schönes Wetter bedeutet mehr Unfälle

Sonnenschein und warme Temperaturen – das ist Motorradwetter. Klar, wer will denn schon bei Regen und Sturm auf die Maschine steigen? Dies zeigt sich aber auch bei den Zahlen: „An der Unfallstatistik lässt sich ablesen, dass der April 2018 warm und sonnig war: 21 Prozent aller Motorradunfälle mit Verletzten oder Toten des bisherigen Jahres ereigneten sich im April. 2017 machten die Unfälle im April nur neun Prozent aus.“ Und nicht nur das Wetter alleine, auch der Wochentag macht einen Unterschied. Denn wann steigen die Motorradfahrer am liebsten für eine gemütliche Ausfahrt auf ihre Maschine? Klar – am Sonntag. 23 Prozent aller Motorradunfälle mit Personenschaden ereignen sich am letzten Tag der Woche.

Zwei tote Biker jede Woche

Insgesamt verunglückten laut Zahlen des Statistischen Bundesamts auf den baden-württembergischen Straßen 2017 rund 4600 Motorradfahrer, davon 104 tödlich. Das heißt im Klartext: Jede Woche starben zwei Biker. Bei 70 Prozent der tödlichen Motorradunfälle war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache des Unglücks – und in zwei von drei Unfällen war der Biker der Hauptverursacher.

Motorradunfälle in der Region:
Bei einem schweren Motorradunfall auf der B500 bei Baden-Baden sind am Sonntag zwei Motorradfahrer ums Leben gekommen, ein dritter wurde schwer verletzt. Am selben Tag verletzte sich ein 18-Jähriger Motorradfahrer im Enzkreis schwer. Bereits Anfang September starb ein 35-Jähriger bei einem Unfall in Karlsbad. Am 21. September starb ein Motorradfahrer bei Rheinstetten, als er mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß.