Erfahrungen aus aller Welt brachte Klaus Töpfer zum Frühjahrsempfang des Landkreises Karlsruhe in die Schlossgartenhalle in Ettlingen.
Erfahrungen aus aller Welt brachte Klaus Töpfer zum Frühjahrsempfang des Landkreises Karlsruhe in die Schlossgartenhalle in Ettlingen. | Foto: Thomas Rebel

Klaus Töpfer in Ettlingen

Regionale Technologie für globale Aufgaben

Es ist erlaubt, aus Fehlern zu lernen. Es ist gleichermaßen legitim, besser umzusetzen, was man auf solche Weise gelernt hat. Und: Festhalten an Prinzipien, die irgendwann mal getroffen und nie wieder hinterfragt oder gar relativiert worden sind, geht gar nicht. Das sind drei wesentliche Erkenntnisse, die Klaus Töpfer – unter anderem mal Bundesumweltminister – den Zuhörern mitgibt. Töpfer ist der Festredner beim Frühjahrsempfang des Landkreises und spricht vor großer Kulisse in der Schlossgartenhalle über „globale Umweltprobleme“, die „lokale Antworten“ bräuchten.

Klaus Töpfer als Festredner beim Frühjahrsempfang

In Ettlingen heißt Landrat Christoph Schnaudigel die Besucher des Abends willkommen und überbringt dem prominenten CDU-Politiker – bei den meisten Teilnehmern des Landkreisempfangs ganz sicher kein Unbekannter – die Grüße seines langjährigen Weggefährten, des ehemaligen Ettlinger Oberbürgermeisters und früheren baden-württembergischen Umweltministers Erwin Vetter. Der Landrat stellt ebenfalls eine globale Aufgabe dar, die regional zu lösen ist: die Entsorgung und Lagerung von Atommüll nach dem Ausstieg aus der Atomenergie – womit der Landkreis durch das Kernkraftwerk in Philippsburg unmittelbar betroffen ist.
Klaus Töpfer ist unter anderem an der Erkundung für atomare Zwischen- und Endlager beteiligt. Das amtierende Ettlinger Stadtoberhaupt, OB Johannes Arnold als Hausherr der Schlossgartenhalle, stellt Charme, Kultur und Wirtschaft seiner Stadt – „wo die Welt noch in Ordnung ist“ – vor und greift in seinem Grußwort humorvoll den musikalischen Beitrag auf, den die Bigband des Landratsamts mit Sängerin Tanja Frank unter Leitung von Marco Vincenzi mit James-Bond-Melodien kraftvoll an den Anfang des Abends setzt.

„Globalisierte Welt“ löste „bipolare Welt“ ab

Seine zentralen Aussagen belegt Klaus Töpfer an zahlreichen Beispielen, die sich auf seine Vielzahl von Erfahrungen in aller Welt und auf seine Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen, stützen.
Töpfer skizziert die globalisierte Welt, die eine „bipolare Welt“ abgelöst hat: 1938, in seinem Geburtsjahr, lebten 2,8 Milliarden Menschen in der Welt, heute 7,3 Milliarden, 2050 werden es neun Milliarden sein: Die Menschheit hat sich in kaum mehr als 100 Jahren verdreifacht. Aber: Der Zuwachs entwickelt sich vor allem in Indien und Afrika – nicht (mehr) in China. In Indien und Afrika liegt das Bruttosozialprodukt um die 1 000 US-Dollar (in Deutschland bei rund 46 000 US-Dollar), das Durchschnittsalter der Menschen bei etwa 20 Jahren (in Deutschland bei 46 Jahren).

Sonnenenergie aus Afrika

Wohlstand nimmt von Nord nach Süd drastisch ab. Mehr Menschen werden mehr Energie brauchen, und die sollte man aus erneuerbaren Quellen dort gewinnen, wo sie am leichtesten zu haben ist: In Afrika gibt es jährlich mehr als 3 000 Sonnenstunden, in Deutschland bestenfalls 1 000. Sinnvoll sei es also, Energie dort zu gewinnen, wo es mehr davon gibt. Dazu müssten die Technologien („die es bei uns gibt“) dort eingesetzt werden: „Es ist unsere Aufgabe, die nötigen Voraussetzungen dazu dort zu schaffen“, so Töpfer. Entwicklungsmöglichkeiten dort zu schaffen, würde zudem zu einem friedlicheren Zusammenleben beitragen und Fluchtursachen vermeiden, sagt Töpfer. Von der Energiegewinnung geht er weiter zur Speicherung von Energie, was aus seiner Sicht vernachlässigt werde. Techniken seien zwar vorhanden, aber noch nicht wettbewerbsfähig: Es komme darauf an, die wirtschaftlichen Anforderungen für die Zukunft frühzeitiger zu erkennen und sich auf die daraus erwachsenden strukturellen Veränderungen schneller als bisher einzustellen. „Wir werden vieles nicht mehr brauchen, dafür aber anderes“, sagt Töpfer. Und: „Wir müssen herstellen, was andere brauchen, nicht das, von dem wir meinen, dass es andere brauchen könnten.“