GIBT’S NICHT NUR IN DEN METROPOLEN: Auch in Karlsruhe bringt ein roter Doppeldeckerbus Touristen und Einheimischen die Attraktionen näher. Hier ist Tourismus-Chef Klaus Hoffman an Bord. | Foto: jodo

Interview mit Klaus Hoffmann

Tourismus: Künftig soll auch „Alexa“ über Karlsruhe plaudern

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Die Tourismus- und Übernachtungszahlen sind in Karlsruhe kräftig gestiegen. Klaus Hoffmann, Chef der städtischen KTG Karlsruhe Tourismus GmbH, reicht mehr denn je potenziellen Partnern in der Region die Hand. Er hat sie auch zum „Karlsruher Tourismustag“ am Donnerstag eingeladen, der zum zehnten Mal stattfindet. BNN-Redakteur Dirk Neubauer hat sich mit Hoffmann unterhalten – auch darüber, wie Sprachassistentin „Alexa“ Karlsruhe-Touristen künftig weiterhelfen soll.

Warum soll jemand, der noch nicht in Berlin, Hamburg, München, Dresden oder Heidelberg war, ausgerechnet eine Städtereise nach Karlsruhe buchen?

Hoffmann: Weil Karlsruhe das Nonplusultra darstellt …

Aha?

Hoffmann: Ja, wir gehören einerseits zu den deutschen Großstädten, sind die jüngste von ihnen. Wir haben Attraktionen, da beneiden uns andere Städte. Ich erwähne exemplarisch das ZKM, das in einem Atemzug mit Museen in New York, Paris oder London genannt wird. Auf der anderen Seite gibt es dieses fantastische regionale Umfeld. Man hat hier alles kompakt beieinander.

„Alexa“ soll im kommenden Jahr für Karlsruhe in Plauderlaune sein

Jetzt soll auch noch die Sprachassistentin „Alexa“ Karlsruhe-Touristen weiterhelfen.

Hoffmann: Wir thematisieren das beim „Karlsruher Tourismustag“. Früher haben die Menschen sich für eine Stadt interessiert und einen Reiseführer gekauft. Künftig kann „Alexa“ Karlsruhe-Reisenden Auskünfte geben.

Wann wird es soweit sein?

Hoffmann: Ich denke, im nächsten Jahr wird es losgehen. Eine Herausforderung ist es, diese unglaubliche Menge an Informationen zu bündeln. „Alexa“ soll kein Füllhorn an Informationen ausschütten. „Alexa“ kann übrigens auch nach einem Besuch fragen, wie es in Karlsruhe war und was man erlebt hat. In einem nächsten Schritt könnte Künstliche Intelligenz uns Vorschläge für den nächsten Urlaub geben.

Und dennoch wird es bei Ihnen auch künftig Karlsruhe-Prospekte geben, oder?

Hoffmann: Die bleiben gefragt. Wir haben aber die Vielzahl der Print-Produkte eingedämmt und die Angebote gebündelt. Messe-Auftritte, Annoncen, Pressereisen für Reisejournalisten werden wir ebenfalls weiterhin anbieten, auch wenn wir natürlich Schwerpunkte setzen.

Wie hoch ist denn Ihr Etat?

Hoffmann: Für 2019 sind es drei Millionen Euro. Darin ist auch die Investition für den Umzug vom Bahnhofplatz an den Marktplatz enthalten. Wir zeigen künftig mit einer ganz modernen Tourist-Information mitten in der Stadt Flagge, im früheren Volksbankhaus.

Wie hat sich der Karlsruhe-Tourismus in den vergangenen Jahren entwickelt?

Hoffmann: Wir haben mittlerweile über 1,1 Millionen Übernachtungen bei 600 000 Ankünften im Jahr. Wir waren 2008 bei 850 000 Übernachtungen. Die Geschäftsreisenden haben einen Anteil von 65 Prozent, früher waren es 80 Prozent.

Die Niederländer führen unter den ausländischen Gästen die Statistik an, vor den Schweizern. Warum eigentlich?

Hoffmann: Viele nehmen Karlsruhe traditionell als Zwischenreiseziel bei der Fahrt in den Süden mit. Interessant ist, dass die Zahl der Gäste aus Indien, Israel und vor allem aus China kräftig gestiegen ist. 25 Prozent aller Gäste kommen aus dem Ausland.

Sie müssten ja noch mehr Potenzial haben, wenn die Großbaustellen in der City verschwunden sind …

Hoffmann: Ich sehe die Baustellen nicht zu kritisch. Tagesgäste sind deswegen in der Tat weggeblieben. Aber der Übernachtungsgast hat sich von der Baustellensitiation nicht irritieren lassen.

Welchen wirtschaftlichen Effekt hat der Tourismus für Karlsruhe?

Hoffmann: Man kann, wenn man eine ältere Studie fortschreibt, sicher von einer Milliarde Euro Umsatz im Jahr für die Region Karlsruhe ausgehen. Von vielen Dingen, die wir initiieren – das kann beispielsweise ein neuer Wanderweg sein – haben auch die Einheimischen etwas.

Oder der rote Doppeldecker-Bus, in den Sie vorhin für den Fotografen eingestiegen sind.

Hoffmann: Genau, der ist mit seinen Stadtrundfahrten auch bei Menschen aus Stadt und Region sehr beliebt.

Eingangs hatten Sie erwähnt, dass Karlsruhe auch durch die Region so attraktiv ist für Touristen. Gibt es noch Verbesserungspotenzial bei der Zusammenarbeit mit der Region?

Hoffmann: Verbesserungspotenzial gibt es immer. Wir reichen der Region die Hand. Wir wollen, dass alle von Touristen profitieren. Man muss vor Karlsruhe als Oberzentrum also keine Sorge haben.

Baden-Baden wäre mit seiner historischen Tradition und der Fünf-Sterne-Hotellerie doch ein idealer Partner, oder?

Hoffmann: Ja, auch mit Baden-Baden ist etwas im Werden. Details will ich aber noch nicht nennen.

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsort in Karlsruhe und in der Region?

Hoffmann (lacht): In Karlsruhe ist es die Turmbergterrasse in Durlach – egal zu welcher Tageszeit. Man schaut über die Stadt, erahnt das Leben dort unten, sieht im Hintergrund die Pfalz und die Vogesen. Mir geht da das Herz auf, wenn ich dort oben stehe.
Und wenn ich an die Region denke, dann ist es die Teufelsmühle in Loffenau. Wenn ich dort den umliegenden Wald sehe. Wenn Gottes Natur so vor einem liegt, dann sage ich mir: Das ist es doch – und das alles vor der Haustür.