Radweg
Per Rad unterwegs, auch nebeneinander trotz Gegenverkehr: Dafür sind herkömmliche Radwege nicht gebaut. Wo Radschnellwege in und um Karlsruhe sinnvoll sind, lotet der Regionalverband gemeinsam mit Bürgern aus. Zwei öffentliche Besichtigungstouren stehen bevor. | Foto: Mirgeler/dpa

Radschnellwege in Karlsruhe

Routensuche für fixe Radler

Dicht an dicht parken Fahrräder am Haus der Region. Drinnen teilen viele Vielradler, gut 50 Frauen und Männer jeden Alters – aus Karlsruhe, aber auch aus Ettlingen, Langensteinbach, Pfinztal – detailreiches Wissen mit Planern, die Trassen für Radschnellwege austüfteln.

Bürgerforum zu Radring, Süden und Osten

Das vierte und letzte Bürgerforum des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein in einer frühen Bürgerbeteiligung widmet sich dem Osten und Süden des Einzugsgebiets, in dem die Potenzialstudie des Landes große Chancen für Pendlerverkehr per Rad und Pedelec sieht.

Als nächstes über Finanzierung reden

„Wir wollen möglichst bald einen oder zwei der Radschnellwege realisieren, die das Land komplett finanziert“, sagt Verbandsdirektor Gerd Hager vorab. In puncto Radschnellrouten sei dies aber nur ein Schritt: „Als nächstes ist über die Finanzierung zu reden.“ In der Radstrategie Baden-Württemberg ist Karlsruhe ein wichtiges Zentrum.

Verbindungsring für Radschnellwege

Wie ein Radring um Karlsruhe als Verteiler und Verbindung künftiger Schnellrouten verlaufen könnte, zeigt in Varianten eine Stellwand. Weitere Planskizzen gelten Routen nach Ettlingen und Pfinztal. Radschnellwege sind vier Meter breit, so dass Radelnde auch bei Gegenverkehr nebeneinander fahren können. Und das in beiden Richtungen ohne Unterbrechung, direkt und sicher – analog zur Autobahn. Separat von Wegen für andere Verkehrsteilnehmer, sowohl Fußgängern als auch motorisierten, sind Radschnellrouten besonders attraktiv.

Trio vor Stellwand
Routenpläne diskutierten Verbandschef Gerd Hager (links) und Verkehrsplaner Uwe Petry mit Bürgern – darunter Marianne Barner aus der Südstadt. | Foto: jodo

Kritisch in der Fächerstadt sehen Forumsteilnehmer vor allem Wege über Autobahnanschlüsse und Eisenbahngleise: Durlacher Allee, das Schwarzwaldkreuz beim Hauptbahnhof, die südliche Stadtgrenze in Rüppurr beim Seehof, Weiherfeld- und Wolfartsweierer Brücke.

Rußweg als Radschnellweg „genial“

Schienen bahnen aber auch Chancen. Der Ansatz, den Rußweg zwischen Südtangente und Containerbahnhof groß zur Radtangente auszubauen, erntet den schriftlichen Planeintrag „genial!“.

An der Pfinz will ich niemandem über die Füße fahren

Nur 3,7 Prozent Verkehrsfläche beanspruchen Radwege aktuell, so Verkehrsplaner Uwe Petry vom beauftragten Planungsbüro. An der Alb bei Rüppurr, der Pfinz in Grötzingen, den Alleen im Hardtwald sehen die Planer Vorrang für Naturschutz und Erholung. „Die Wege an der Pfinz werden mit Kinderwagen und Hund genutzt. Da will ich niemandem über die Füße fahren“, betont Petry.

Haupthindernisse: Autobahnen und Bundesstraßen

Haupthindernisse für leistungsfähige Radtrassen in und um Karlsruhe seien die Autobahnen und Bundesstraßen.

Diese Strecke würde ich lieben

Viele grüne Punkte kleben Forumsteilnehmer auf die Pläne. Das steht für den Satz: „Diese Strecke würde ich lieben.“ Der Scheibenhardter Weg punktet, der gradlinige Klosterweg und die Pfarrer-Blink-Straße in der Untermühlsiedlung mit der A-5-Brücke, die für Autos Sackgasse und nicht zu steil ist. Auf Steigungen achten Radschnellweg-Planer.

Grüne Landschaftsbrücke als Vision

Zum Aufsteiger küren Publikum und Experten im Abschlussforum die Idee einer Ostroute ab der Hubbrücke in Durlach durch den geplanten Sport- und Freizeitpark und – via grüner Landschaftsbrücke über die A 5 – nach Rintheim, Hagsfeld und Neureut. Sie brächte Radpendler zu großen Arbeitgebern, Richtung Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und City. Der Brückenschlag ist allerdings nur eine Vision im Siegerentwurf für den Sport- und Freizeitpark Untere Hub.

ADFC sieht Prozess positiv

Die Radwege in Karlsruhe und der Region bringe der Prozess auf jeden Fall voran, urteilt Christian Büttner, Geschäftsführer des Karlsruher Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), nach zwei heißen Arbeitsstunden. Zur Webseite des ADFC Karlsruhe geht es hier.

Öffentliche Befahrungen folgen bald

Das Knobeln am Trassenkonzept geht weiter: An zwei Samstagen – 30. Juni und 7. Juli 2018 – radeln die Planer mit Interessierten zu Problemstellen in der Region, darunter auch an die Stadtgrenze beim Seehof. Routen, Uhrzeit und Treffpunkt will der Regionalverband, im Internet hier zu finden, rechtzeitig bekanntgeben.

Kommentar
Kommentar | Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Das Rad erfinden Gestalter von Radschnellwegen nicht neu. Die Stadt und den Alltag der Menschen verändern kann das Umdirigieren von Pendlerströmen aber schon, wie Nordrhein-Westfalen und die Niederlande zeigen.

Keine Trasse liegt einfach so frei

Derzeit wird jedoch auch klar: Im Ballungsraum liegt keine leistungsstarke Radwegtrasse einfach so frei. Schienen, Schnellstraßen, dichte Besiedlung: Das Oberzentrum ist stark und attraktiv auch dank guter Anschlüsse für Bahn- und Autofahrer.

Keine Asphalt-Fantasien

Zur Schattenseite gehört neben Pendlerstaus die Trennwirkung überregionaler Verkehrswege. Zudem ist Karlsruhe eine ausgesprochen grüne Stadt. Das begrenzt natürlich Fantasien, meterbreit zu asphaltieren, sei es auch für lärm- und abgasfreie Mobilität.

Neue Blickwinkel

Die aktuelle Entwicklung pflegt neue Blickwinkel und intensiven Gedankenaustausch mit aktiven Bürgern – ein erster, wertvoller Schritt, der sich kaum umkehren lassen wird.