Weinbrennerstraße
TOTALUMBAU: In der dritten Woche ist die Weinbrennerstraße beim Entenfang aufgegraben. Sie bekommt auch neue Bauminseln. Der Neubau für Bürgerzentrum und Stadtteilbibliothek, der Flachbau zwischen den Wohnhochhäusern ist fertig. Fotos: Sandbiller | Foto: Sandbiller

„Golden Gate“ in der Ferne

Trockenzeit am Entenfang

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Ausgerechnet jetzt in der Hitze steht der Junge vom Entenfang auf dem Trockenen. Das Idol von Mühlburg, der kleine Entenfänger, symbolisiert den Wandel des Stadtteils an der Alb. Und kein Wasser ist in diesem Sommer für den Brunnen in Sicht.

Der Kanal ist verstopft

„Der Kanal unter dem Platz ist beim Kiosk verstopft. Wir haben es aufgegeben, den Abfluss freizubekommen“, erklärt Walter Burg vom Gartenbauamt. Man müsse deshalb einen neuen Kanalanschluss für viel Geld bauen. „Den Brunnen haben wir auf unserer Sanierungsliste, aber die ist lang, dieses Jahr wird das nichts mehr“, sagt Burg.

Der nackte Bub

Dabei steht der Brunnenbub in diesem Sommer exakt seit 40 Jahren auch symbolisch für die Auffrischung Mühlburgs. Damals drängte die Stadt dort den Autoverkehr zurück und machte den Platz vor dem 1954 erbauten Postamt zur Fußgängerzone. Und der achtdüsige Brunnen mit dem nackten Jungen und der Ente aus Bronze von Hans Kindermann galt als die Zierde – ein Zeichen für die Stadtteilentwicklung zum Schönen.

Mühlburger Post
STILLSTAND: Für das Mühlburger Großprojekt „Golden Gate“ geht noch lange nicht die Post ab. Die Telekom hält das Obergeschoss weiter besetzt. | Foto: Sandbiller

40 Jahre später sind die Mühlburger und ambitionierte Investoren mit starker Unterstützung der Stadtpolitik wieder aufgebrochen, um das verdichtet bebaute und bevölkerungsstarke Quartier zu sanieren und weiterzuentwickeln.

Mühlburg im Wandel

Dabei steht nach dem Umbau der Rheinstraße und dem Aufmöbeln von Flieder-, Linden- und Lameyplatz auch mit Millionen via dem vor zehn Jahren gestarteten Stadtsanierungsprogramm aus der Bundeskasse erneut der Entenfang: Der Neubau für Stadtteilbibliothek und Bürgerzentrum zwischen den drei Hochhäusern nahe der Einmündung der Weinbrennerstraße am Entenfang ist fertig und jüngst stolz vom Hochbauamt präsentiert.

Die Volkswohnung hat es für 5,3 Millionen Euro gebaut. Spätestens im Oktober gehe dort der Betrieb richtig los, versichert Massimo Ferrini, der Vorsitzende des Bürgervereins Mühlburg.

Neues Stadtteilzentrum geplant

Das größte Projekt aber will noch nichts werden. Seit sieben Jahren schon betreibt eine Projektgesellschaft das für Mühlburger Maßstab gigantische Unterfangen mit dem nicht zu bescheidenen Namen „Golden Gate“ am Entenfang. Das alte Postamt soll abgerissen werden und dafür ein Stadtteilzentrum mit Geschäften, Restaurants, Kneipen und Postamt entstehen. Doch die große Sache verzögert sich.

Laut Ferrini hat die „Golden Gate Mühlburg Projektentwicklungsgesellschaft – bestehend aus den zwei Investoren Bardusch AG Vermögensmanagement aus Ettlingen und GIG, der Karlsruher Gesellschaft für Immobilien, Planung und Investment – das auf 35 Millionen Euro taxierte Bauprojekt erneut in zwei Abschnitte unterteilt.

Etappenweise?

Ferrini meint, dass die Baugenehmigung inzwischen vorliege. Wenigstens mit dem Bau von Wohnungen und Supermarkt auf dem großen Parkplatz hinter der Post und gegenüber dem neuen Bürgerzentrumsbau an der Weinbrennerstraße wolle man spätestens nächstes Jahr beginnen. Von der Projektbetreibergesellschaft war gestern wie seit einer Woche keine Auskunft über den Stand der Dinge zu erlangen.

Aus sicherer Quelle ist indessen zu hören, dass sich der Abriss des Postamts und damit auch das „Golden Gate“ als Brückenschlag in die kommerzielle Zukunft Mühlburgs weiter verzögert. Demnach räumt die Telekom ihre Schaltanlage im Obergeschoss noch lange nicht. Es gebe Probleme mit der Verlagerung, möglicherweise über das Pachtende 2021 hinaus. Von einer Option auf eine Verlängerung über fünf Jahre wird gesprochen.

Erstmal zwei Bürgerbüros

Unter diesen Umständen kann sich der Baustart für das bis zu sieben Stockwerke hohe „Golden Gate“ am Entenfang noch bis 2026 hinausschieben. Dabei hängt bereits seit zwei Jahren ein riesiges Werbeplakat für „Golden Gate“ an der Front des Postgebäudes zur Weinbrennerstraße. Genau dort läuft seit zwei Wochen der mit der Vollsperrung am Entenfang verknüpfte Totalumbau der Weinbrennerstraße. „Unser Bürgerbüro im Neubau an der Weinbrennerstraße wollen wir im September eröffnen, und dann zumindest vorerst auch das Büro in der Lameystraße behalten“, erklärt Ferrini.

Die offizielle Eröffnung auch der Stadtteilbibliothek folge im Oktober. Ferrini ist stolz darauf, wie sich Mühlburg dank der inzwischen 13 Millionen Euro teuren Sanierung mit dem Programm „Soziale Stadt“ von Bund und Land entwickelt hat. Besonders der Neubau der Bibliothek erfüllt ihn mit Freude, habe doch der Wegfall dieser Einrichtung im Stadtteil gedroht.

Ferrini findet die Bezeichnung  „Markthalle “ nicht gut

Bis Mühlburgs „Golden Gate“ neben dem Brunnenjungen am Entenfang wirklich steht, bleibt also noch Zeit. Ferrini will sie nutzen, um für den Namen „Carl-Benz-Center“ zu werben. Der Investor favorisiere derzeit „Mühlburger Markthalle“, aber das passe nicht zu Karlsruhes B-Zentrum im Westen – vom großspurigen „Golden Gate“ ganz zu schweigen.