Manche Wege, zum Beispiel zum Einkaufen, verlängern sich durch die Sperrungen in der Waldstadt erheblich. Viele Anwohner ignorieren daher die Absperrgitter. | Foto: jodo

Unmut über Vorgehen der Stadt

Sperrungen in der Karlsruher Waldstadt: Anwohner ignorieren Lebensgefahr

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Viele Bäume in der Waldstadt weisen erhebliche Hitzeschäden auf. Die Stadt hat deshalb zahlreiche Wege gesperrt, es bestehe akute Lebensgefahr durch herabfallende Äste. Für viele Anwohner ergeben sich daraus deutlich längere Wege. Sie können die Maßnahmen der Stadtverwaltung nur teilweise nachvollziehen. Es regt sich Unmut in der Waldstadt, nicht zuletzt auch wegen nicht geleerter Mülleimer und eines unklaren Zeitplans für kommende Baumfällarbeiten.

Auf den ersten Blick scheint die Waldstadt so grün wie eh und je zu sein. Wer aber genauer hinsieht, erkennt zahlreiche verdorrte Bäume mit braunen Blättern. Überall finden sich deshalb orange-rote Absperrgitter, mit denen die Stadt die Durchgänge zwischen den Häusern gesperrt hat (die BNN berichteten).

Anwohner verärgert über Sperrungen

Gleichzeitig regt sich Unmut bei den Anwohnern über das plötzlich Vorgehen der Stadt und die Folgen der Sperrungen. Zahlreiche Gitter werden einfach zur Seite geschoben und die Wege weiter genutzt. Dabei warnt die Stadt ausdrücklich vor der Gefahr, die von den morschen Ästen ausgeht.

In der Waldstadt gibt es viele Buchen und Fichten. Sie sind leider sehr anfällig für Hitzeschäden. Viele Bäume sind nach dem vergangenen Sommer morsch. | Foto: jodo

„Durch den extremen Sommer des vergangenen Jahres sind viele Bäume in der Waldstadt geschwächt und von Schädlingen befallen“, erklärt Lore Chorbacher vom Gartenbauamt. „Die Energie hat zwar zum Austreiben gereicht, aber jetzt trocknen sie aus.“ Diese verdorrten Zweige können leicht abbrechen und Passanten treffen, es bestehe akute Lebensgefahr. Dem Gartenbauamt sind Fälle von herabgefallenen Ästen von 20 bis 30 Zentimeter Durchmesser bekannt, nicht nur in der Waldstadt, wie Chorbacher den BNN bestätigt. Glücklicherweise sei bislang noch niemand verletzt worden.

Wege werden erheblich länger, Standfüße zu Stolperfallen

Die Maßnahmen der Stadt können viele Anwohner jedoch nur teilweise nachvollziehen. Für Marianne Haag bleibt die Sperr-Aktion ein Schildbürgerstreich. Quasi über Nacht seien die Gitter aufgestellt worden, berichtet die Anwohnerin. Einige Gebäude würden so unzugänglich. „Man kann doch nicht über Nacht alles zubauen“, findet Haag. Gerade für ältere Menschen würden sich so unzumutbar lange Umwege ergeben. Auch die angespannte Parkplatzsituation in der Waldstadt trage zum Unmut bei, berichten Anwohner.

Viele Absperrungen in der Waldstadt wurden einfach beiseite gestellt. Die Standfüße werden so zu gefährlichen Stolperfallen. | Foto: jodo

Zwar sind zahlreiche Gitter zur Seite geräumt, die schweren Standfüße stehen aber nach wie vor an Ort und Stelle und werden so zu gefährlichen Stolperfallen. Man habe eine Firma damit beauftragt, die Absperrungen anzubringen und zweimal wöchentlich zu kontrollieren und gegebenenfalls wieder korrekt aufzustellen, erklärt Lore Chorbacher. Jede Absperrung ist mit einem ausdrücklichen Hinweis auf die herrschende Lebensgefahr versehen. Nach Meinung von Marianne Haag hätten diese Warnschilder ausgereicht.

Nicht geleerte Mülleimer sollen sogar Ratten angelockt haben

Für die Anwohner ein weiteres Ärgernis ist, dass die öffentlichen Mülleimer nicht mehr geleert würden. Sogar Ratten habe man schon gesichtet, erzählt man sich. Lore Chorbacher bestätigt, dass städtische Mitarbeiter dort nicht mehr tätig sind. „Die Situation ist so gefährlich, dass nicht einmal mehr unsere Baumkontrolleure die gesperrten Areale betreten dürfen.“

Auch städtische Mitarbeiter dürfen die gesperrten Areale in der Waldstadt nicht betreten. Öffentliche Mülleimer werden daher nicht mehr geleert – sehr zum Ärger der Anwohner, die sogar schon Ratten gesehen haben wollen. | Foto: jodo

Wann die toten Bäume in der Waldstadt gefällt werden, steht noch nicht fest. Anwohner sprechen davon, dass die Baumfällarbeiten nicht vor einem Jahr beginnen würden und berufen sich dabei auf Informationen aus dem Gartenbauamt. Gegenüber den BNN nannte die Stadt kein konkretes Datum, verwies aber auf die schwierige Lage in der Waldstadt. Aufgrund der Größe des betroffenen Gebiets müsse wahrscheinlich auf die Hilfe spezialisierter Fremdbetriebe zurückgegriffen werden. Zudem sei das Areal schwer zugänglich und die dortigen Buchen und Kiefern sind besonders anfällig für Hitzeschäden.

Noch kein Zeitplan für Baumfällarbeiten

Schwerpunktmäßig konzentriere man sich derzeit auf Gebiete wie die Günther-Klotz-Anlage und Areale, die nicht gesperrt werden könnten. „Wir erarbeiten gerade ein Konzept, wann wir die Bäume fällen“, so Chorbacher. Daran beteiligt sind neben dem Gartenbauamt auch das Umweltamt, die untere Umweltbehörde und das Forstamt. Eigentlich sollten derzeit gar keine Bäume gefällt werden. Die Stadt warnt die Bewohner der Waldstadt eindringlich davor, die gesperrten Wege weiterhin zu nutzen. Weitere Informationen sollen Ende Juli bekannt gegeben werden.