Umleitung
Auf Umwegen: Die Kriegsstraße eignet sich für Radfahrer während des Kombibaus am Karlstor besonders schlecht. Auch danach zeichnet sich westlich des Karlstors kein weiterer Fortschritt für Radler ab. | Foto: jodo

Lücke im Radwegnetz

Trotz Kombibau ist Ausbau für Radfahrer westlich vom Karlstor nicht in Sicht

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In der Kriegsstraße wird noch rund eineinhalb Jahre lang für die Kombilösung kräftig gebuddelt. Wo sich Radler nach Fertigstellung des Mammutprojekts wiederfinden, ist in den Plänen der Kasig bis ins Detail geklärt. Fahren Radler vom Karlstor aus aber weiter nach Westen, werden sie sich nach der Fertigstellung des Kombibaus erst recht fühlen, als wären sie zurückkatapultiert in die autogerechte Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Separate Radspuren auf der Fahrbahn und quer über die Kreuzung Karlstor versprechen Radfahrern am Südrand der City voraussichtlich ab Weihnachten 2021 eine spürbare Verbesserung.

Komfortabler Radweg beim BGH

Beim Nymphengarten und dem parkähnlichen Grün um den Bundesgerichtshof (BGH) gibt es auf der Nordseite sogar eine besonders komfortable Situation. Denn dort wird es keine Autoparkplätze parallel zur Radspur geben.

Gegenüber, auf der Südseite der komplett neu strukturierten Kriegsstraße, entsteht wieder ein solches Parkplatzangebot. Das erzeugt den sattsam bekannten Konflikt zwischen unachtsam geöffneten Autotüren und zügig rollenden Radfahrern neu.

Im Westen des Karlstors läuft so bald nichts

Weiter im Westen allerdings läuft auch nach der Fertigstellung des Kombibaus voraussichtlich erstmal für den Ausbau des Radwegangebots: nichts. „Anschluss an Bestand“ heißt es nüchtern dazu im Plan.


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Für den Abschnitt der B 10 zwischen Karlstraße sowie Brauer- und Reinhold-Frank-Straße hat die Stadt bisher überhaupt kein neues Radwegekonzept. Insgesamt geht es sogar um 1.200 Meter der zentralen Ost-West-Ader südlich der City.

Querverbindung Hirschstraße funktioniert

Per Rad braucht man etwa fünf Minuten vom Weinbrennerplatz zum Karlstor oder umgekehrt. Scheffelstraße, Moningerstraße und Lessingstraße sind westlich der Brauer- und Reinhold-Frank-Straße zu queren. Dann folgen die Leopoldstraße und schließlich die Hirschstraße.

Dort immerhin profitieren Radfahrer schon von einer geräumigen Neugestaltung des Verkehrsraums zu ihren Gunsten. In ausreichendem Abstand zu Fußgängern können sie im Schutz angepasster Ampelphasen die Kriegsstraße überqueren.

Querung
Die Kreuzung von Kriegsstraße und Hirschstraße ist für ein konfliktfreies Nebeneinander von Radfahrern und Fußgängern ausgestaltet. Foto: jodo

Eine Vision der Radfahrer für die westliche Kriegsstraße ab Brauer- und Reinhold-Frank-Straße stammt aus dem Stadtbauforum „Neue Wege zu Fuß und per Rad“. In der digitalen Bürgerbeteiligung im Frühjahr fand sie viel Zustimmung.

Radfahrer-Vision: Westliche Kriegsstraße mit nur zwei Autospuren

Der Kerngedanke ist, die Kriegsstraße zwischen Reinhold-Frank-Straße und Weinbrennerplatz stark zu reduzieren auf jeweils eine Autospur pro Richtung. Den Platz, der die Beseitigung der dritten Spur bringt, sähen die Radfahrer gern genutzt zum Bau von Fahrradwegen auf beiden Seiten, die vom Gehweg getrennt sind. Bisher gibt es dort Konflikte zwischen schnell fahrenden Radfahrern und Fußgängern.

Parallel zum Umbau denken die Teilnehmer der Bürgerbeteiligung an Tempo 30. In Kombination mit einer Neugestaltung der Kriegsstraße hätte das einen positiven Zusatzeffekt, argumentieren sie. Denn diese Straßenabschnitt werde aufgrund seiner Breite teils „als Rennstrecke für Autos verstanden“. Geschwindigkeiten von 70 Kilometern pro Stunde stellten keine Seltenheit dar, heißt es in einem Beitrag.

Auch interessant: Radfahrer und Fußgänger in Karlsruhe schreiben ihre Wunschliste für den Stadtumbau

Zwei Fahrradstraßen flankieren die Kriegsstraße

Wie ein langgezogenes Weidenblatt flankieren zwei gut für Radfahrer geeignete Straßen diesen innerstädtischen Abschnitt der B 10. Im Norden ist es die Sophienstraße. Für Radfahrer ist die Zufahrt vom Karlstor aus allerdings auch in Zukunft blockiert. Die komplizierte Kreuzung mit Bahngleisen und Abbiegespuren für Autos und Lkw sieht keinen Weg vor, auf dem Radler regelkonform in die Sophienstraße einschwenken können.

Im Süden der innerstädtischen B 10 zieht sich die Gartenstraße durchgehend von der Karlstraße bis zum Weinbrennerplatz. Teils als Fahrradstraße deklariert, ist sie noch weniger befahren als das nördliche Gegenstück der Sophienstraße. Außerdem gibt es in der Gartenstraße etwas weniger Schnittpunkte mit kreuzenden Stadtstraßen, an denen Rechts-vor-links-Vorfahrt gilt.

Radnetz setzt auf die Sophienstraße

Im „Radnetz Baden-Württemberg“ des Landesverkehrsministeriums spielt die Sophienstraße zusammen mit der Herren- und Erbprinzenstraße eine zentrale Rolle. Auch der Zirkel und die Ettlinger Straße sind Teil des Wegenetzes in Karlsruhe für Alltagsstrecken.

Als Ziel fixiert ist auch, am Karlstor Herrenstraße und Sophienstraße zu verknüpfen. Mit dem aktuellen Ausbau gemäß Kombilösung allerdings beißt sich das.

Stadt will 75 Prozent des Radnetzes bis 2025 umsetzen

Zum Radnetz für Alltagsradler gehören auch Moltkestraße und Siemensallee, Haid-und-Neu-Straße und Durlacher Allee, Linkenheimer Landstraße und die Neureuter Hauptstraße sowie die Radwege parallel zur B 10 zwischen Knielingen und Rheinbrücke. Der Planungsausschuss des Gemeinderats hat beschlossen, 75 Prozent des Radnetzes Baden-Württemberg bis zum Jahr 2025 umzusetzen.

Zum fahrradfreundlichen Umbau von Strecken steuern Teilnehmer der Bürgerbeteiligung bei, das Links-Abbiegen auf die Kriegsstraße zum Beispiel an der Kreuzung mit der Lessingstraße zu verbieten. „Ich beobachte dort leider täglich Beinahe-Unfälle durch links abbiegende Autofahrer, die so sehr auf den kreuzenden Verkehr achten, dass sie entgegenkommende Radfahrer gar nicht mehr wahrnehmen“, schreibt ein Teilnehmer. Zudem werde dort so gerast, dass Blitzer „Gelddruckmaschinen für die Stadt“ wären.