Ein Villinger Narro hält eine Brezel in der Hand. Auch in der Fastnachtszeit spielt die Brezel eine wichtige Rolle. | Foto: dpa

Beliebtes Gebäck

Hier geht’s um die Brezel

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Es gibt viele Legenden, wie die Brezel entstanden ist. Die bekannteste dürfte jene sein, nach der der Hofbäcker Frieder aus Urach auf der Schwäbischen Alb im Jahr 1477 so schlechte Arbeit geleistet hatte, dass er in den Kerker geworfen wurde. Eine Begnadigung wurde ihm nur für den Fall in Aussicht gestellt, dass er ein Brot erfinde, „durch das dreimal die Sonne scheint.“ Mit viel Kreativität und Erfindergeist soll er dann jenes Gebäck erfunden haben, das wir heute als Brezel kennen und lieben.

Zauberbänder altgermanischer Frauen

Um kaum ein anderes Gebäck gibt es so viele Legenden wie um die Brezel. Meyer’s Neues Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1862 bietet unter dem Stichwort „Brezel“ folgende Erklärung an: „… einige wollen darin die Zauberbänder der altgermanischen Frauen wieder erkennen. Wieder andere halten die Brezel für ein Zeichen des Kreuzes in einem Kreise …“.

Das „Große Buch der Brezel“

Diese und viele andere interessante Geschichten rund um das beliebte Gebäck finden sich im „Großen Buch der Brezel“, in dem unter anderem auch erklärt wird, warum die Brezel in jedem Falle ein geschichtsträchtiges Thema ist. So sei nämlich das römische Ringbrot, der Vorläufer unserer heutigen Brezel, zunächst bei kultischen Handlungen eingesetzt worden, bevor es die frühen Christen seit dem 2. Jahrhundert in kleinerer Form als Abendmahlsbrot übernahmen.

Einst galt sie als „Fastengebäck“

Übrigens gibt es gerade in der Fastenzeit besonders viele Bräuche um die Brezel, die einst als „Fastengebäck“ galt und zum Teil noch heute gilt. Berühmt sind beispielsweise die hellen Biberacher Fastenbrezeln, die es mittlerweile sogar von Weihnachten bis Ostern gibt. Die Ausdehnung der Verkaufszeit war – vermutlich aus wirtschaftlichen Erwägungen – Ende des 19. Jahrhunderts von der Bäckerinnung beschlossen worden.

Es gibt ein eigenes Museum

Die Liebe zur Brezel geht inzwischen so weit, dass in Erdmannshausen, nahe der Schillerstadt Marbach am Neckar, im vergangenen Jahr ein „Brezelmuseum“ eröffnet wurde. In den Räumlichkeiten, in denen einst die Brezelschlingerinnen die feinen „Huober-Brezeln“ von Hand schlangen, können die Besucher die Herstellung einer Brezel vom traditionellen Handwerk bis zur industriellen Produktion nachvollziehen. Und: Man kann sich selbst darin versuchen, eine Brezel zu schlingen – an gestrickten Brezeln, damit man sich nicht die Hände schmutzig macht. Ist das schwierig? Bäcker sagen: „Wenn du mal 1 000 Stück gemacht hast, kannst du’s.“

Feine Unterschiede in der Herstellung

Je nach Region sehen die Brezeln übrigens auch heute noch unterschiedlich aus. In
Baden-Württemberg schneidet man vor dem Backen in den mittleren „Brezelbauch“ eine Längsritze, die beim Backen aufreißt. In Bayern lässt man dagegen den Bauch unregelmäßig aufplatzen. Und auch innerhalb Baden-Württembergs gibt es eine Grenze: Die schwäbische Brezel hat einen dickeren Bauch und die Ärmchen zeigen mehr nach unten; die badische Brezel dagegen ist von gleichmäßiger Stärke und ihre Ärmchen zeigen nach oben.

Unverzichtbar an Neujahr ist die Neujahrsbrezel.
Unverzichtbar an Neujahr ist die Neujahrsbrezel. | Foto: dpa

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