In Karlsruhe gibt es bereits ein eingeschränktes Böllerverbot. Schilder sollen die Menschen rund um den Karlsruher Schlossplatz darauf hinweisen.
In Karlsruhe gibt es bereits ein eingeschränktes Böllerverbot. Schilder sollen die Menschen rund um den Karlsruher Schlossplatz darauf hinweisen. | Foto: jodo

Zu Silvester

Mehrheit der Deutschen wünscht sich ein Böllververbot

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Gibt es bald ein absolutes Böllerverbot in Deutschland? Einer repräsentativen Umfrage zufolge ist eine Mehrheit bereits dafür. Gleichzeitig wollen große Baumarktketten wie Hornbach künftig komplett auf einen Verkauf zu verzichten. Experten jedoch warnen vor den Folgen eines Verbots.

Kracher und farbenfrohe Funken am Silvester-Himmel sind einer Umfrage zufolge für eine Mehrheit der Bundesbürger fester Bestandteil der Jahreswechsel-Tradition. Zwar ist Feuerwerk demnach für 57 Prozent eng mit Silvester verbunden.

Gleichzeitig sind sich gut drei Viertel der Befragten aber auch bewusst, dass Raketen und Böller schlecht für die Umwelt sind. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

Auf die Frage „Sollte Ihrer Meinung nach Böllern zu Silvester aus Umwelt- und Sicherheitsgründen verboten werden?“ gaben 57 Prozent der Bürger eine zustimmende Antwort.

Nur eine Minderheit böllert selbst

Dennoch freut sich eine große Mehrheit über Raketen am Silvester-Himmel. 84 Prozent der Interviewten sagten in der Befragung, Feuerwerk sei schön anzusehen. Allerdings böllert nur eine Minderheit selbst: Für die Mehrheit (70 Prozent) ist das Zünden von Feuerwerk tabu.

Verbote auch in Baden

Manche deutsche Städte haben private Feuerwerke bereits in bestimmten Gebieten verboten. In Berlin gibt es dieses Jahr mehrere große Verbotszonen für Feuerwerk. Bisher war die Knallerei bereits auf der Partymeile am Brandenburger Tor untersagt. Nun hat die Polizei Böller und Raketen auch von zwei weiteren Zonen verbannt, darunter vom Alexanderplatz. Auch in Karlsruhe gilt an Silvester nun ein eingeschränktes Böllerverbot, ebenso in Graben-Neudorf.

Hornbach stellt Verkauf ein

Die Forderung nach einem Böller-Verzicht stößt inzwischen bei immer mehr Händlern auf offene Ohren. Als prominentester Vertreter kündigte die Baumarktkette Hornbach aus der Pfalz jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Für dieses Jahr war es zu spät, die Ware war schon geliefert. Einige Kaufleute bei Rewe und Edeka verzichten aber auch in diesem Jahr schon auf das Geschäft mit Silvesterböllern.

Auch Bauhaus will Sortiment „umstellen“

Der Bochumer Edeka-Händler Alexander Elskamp etwa bietet kein Feuerwerk mehr an. Er beklagt eine „Doppelmoral in der Bevölkerung“. Das Thema Feinstaub sei in aller Munde, nur an Silvester nicht. Aber Elskamp sagt auch: „Wir erheben nicht den Zeigefinger und wollen niemanden maßregeln, der gerne Feuerwerk zündet.“ Die Baumarktkette Bauhaus kündigte an, im kommenden Jahr „das Sortiment an Feuerwerk und Böllern in Hinblick auf Nachhaltigkeit komplett zu überarbeiten“. Das könne auch einen kompletten Verzicht bedeuten.

Nur ein „Marketing-Gag“ von Hornbach?

Deutschlandweit hat die Branche im vergangenen Jahr rund 133 Millionen Euro Umsatz mit Böllern und Raketen gemacht, und geht von ähnlichen Werten in diesem Jahr aus. Angesichts der Zahl gibt sich der Verband der pyrotechnischen Industrie weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer „Scheindebatte“ zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet. Hornbachs Böller-Boykott nennt der Verband einen „Marketing-Gag“. Von den 33.000 Supermärkten in Deutschland verzichteten ohnehin nur wenige auf den Verkauf.

Diese Märkte verkaufen weiterhin bewusst Böller

Auch Branchenkenner Uwe Krüger vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) geht davon aus, dass die Nachfrage weiter hoch bleibt. „Ich glaube nicht, dass die Konsumenten dieses Jahr weniger Geld für Feuerwerk ausgeben werden“, sagt er. „Die Nachfrage ist ungebrochen und der Handel wäre schlecht beraten, diese nicht zu bedienen.“ So haben Aldi, Lidl, Kaufland und Real angekündigt, an dem Geschäft mit der Knallerei festhalten zu wollen, weil es die Kunden so wünschen.

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Für Firmen wie Weco könnte es an die Existenz gehen, sollten sich im kommenden Jahr auch die großen Ketten dem Boykott anschließen. Doch beim deutschen Branchenführer gibt man sich gelassen. Hornbach habe zuletzt ohnehin „keine nennenswerten Silvesterumsätze“ gemacht. Mit den Großkunden dagegen stehe man schon in Verhandlungen für Silvester 2020 und sehe dort „noch keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten“.

Wandern Kunden ins Internet ab?

„Solange die großen Discounterketten nicht mitziehen, wird sich wenig tun“, glaubt auch der Experte Krüger. Und wenn doch, könnten viele Böller ohne Sicherheitsabzeichen in den Umlauf kommen, warnt er. „Die Erfahrung zeigt: Je stärker die Kunden eingeschränkt werden, desto eher wandern sie ins Internet ab. Und da gibt es auch gefährliche Waren.“

Der Dortmunder Rewe-Marktleiter Uli Budnik hat die georderten Kartons mit Silvesterfeuerwerk dennoch abbestellt, seine Entscheidung über Facebook kundgetan – und fast nur positives Echo bekommen, wie er sagt. Und er klingt entschlossen, wenn er ankündigt: „Wir werden das auch im nächsten Jahr beibehalten. Geld verbrennen kann jeder, wie er will. Aber wir machen da nicht mit.“

dpa