Evolution of Love, Schlosslichtspiele Karlsruhe 2019, Antonin Krizanic und ZKM | Foto: Jürgen Rössner

Neue Studie

Umfrage zeigt gute Noten für das Karlsruher Kulturangebot

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Die ob der Corona-Krise von Existenzängsten geplagte Kulturszene in der Stadt dürfte sich dieser Tage über jede gute Nachricht freuen. Aus dem Rathaus gibt es die gleich im Doppelpack. Bürgermeister Albert Käuflein versprach am Dienstag im Gemeinderat, dass Mieten gestundet und Überweisungen von zugesagten Fördergeldern auf Antrag vorgezogen werden. Dazu zeichnet der veröffentliche Bericht zur Nutzung kultureller Einrichtungen im vergangenen Jahr ein fast ausschließlich positives Bild.

Über 90 Prozent der Karlsruher waren mit dem Angebot zufrieden oder sehr zufrieden. Mehr als 80 Prozent bescheinigten der Kultur eine wichtige Rolle – rund zehn Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Erhebung im Jahr 2009.

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Schlosslichtspiele und Filmpalast am beliebtesten

Zum größten Zugpferd unter den Veranstaltungen haben sich laut Bericht die Schlosslichtspiele entwickelt. Gut drei von vier Karlsruhern gaben an, das Spektakel auf der Schlossfassade schon gesehen zu haben. Knapp dahinter landet Das Fest, bei dem 74 Prozent der Befragten schon dabei waren.

Bei den kulturellen Einrichtungen hat der Filmpalast am ZKM die Nase vorn – auch wenn die Besucherzahlen in den Kinos der Stadt deutlich zurückgegangen sind. Filmpalast, Universum, Schauburg und Kurbel kamen laut Filmförderanstalt Berlin 2018 gemeinsam auf gut 965.000 Besucher. Drei Jahre zuvor waren es 1,36 Millionen.

Im Jahr 2000 war der Filmpalast noch mit dem Ziel gestartet, allein eine Million Menschen pro Jahr vor die zehn Leinwände zu locken. Auch wenn diese Marke ein Stück entfernt ist, haben 83,7 Prozent der Karlsruher das Multiplex-Kino schon einmal besucht. Dahinter liefern sich das Naturkundemuseum (75,4), die Schauburg (73,6) und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) mit 72,9 ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Badisches Staatstheater liegt vor dem Kammertheater

Die größte Besuchergruppe in den Theatern der Stadt stellen die 45- bis 65-Jährigen, auch das verrät die Umfrage.

Die Nase vorn hat das Badische Staatstheater, das über 70 Prozent der Karlsruher schon besucht haben. Insgesamt kamen 2018 knapp 324.000 Menschen zu den 1.277 Aufführungen. Sowohl das Große als auch das Kleine Haus waren zu etwa 85 Prozent ausgelastet.

Unter den privaten Häusern hat das Kammertheater mit seinen beiden Spielstätten seine Spitzenposition zementiert. Gut 68.000 Besucher strömten 2018 zu 228 Veranstaltungen. Das marotte-Figurentheater (31.500), das Sandkorn (26.500) und die d’Badisch Bühn (14.900) reihen sich dahinter ein.

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Wunsch nach Verbesserungen in der Konzertlandschaft

Das ZKM und das Naturkundemuseum liegen unter den Museen deutlich vorn. Sie kamen 2018 auf 255.000 beziehungsweise 188.000 Besucher. Auch ins Badische Landesmuseum und in die Staatliche Kunsthalle kamen in dem Jahr über 100.000 Menschen.

Alle vier können unter den Karlsruhern einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent aufweisen, ebenso wie die Badische Landes- und die Stadtbibliothek. An dieser Marke kratzt auch das Tollhaus, zu dessen Veranstaltungen 2018 gut 130.000 Zuschauer strömten.

Im Bereich der Pop-, Rock- und Jazzmusik sehen die Karlsruher laut Umfrage aber dennoch den größten Handlungsbedarf. Knapp 40 Prozent der unter 45-Jährigen wünschen sich Verbesserungen der Kulturlandschaft. Vorne auf der Wunschliste stehen Konzerte.

Untermauert wird dieser Wunsch durch eine andere Zahl: Rund zehn Prozent der Befragten gaben an, für Veranstaltungen nach Mannheim oder Stuttgart zu fahren – bevorzugt für Konzerte in den großen Arenen.

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Methode

Für den Bericht haben im Juli vergangenen Jahres 5.500 Karlsruher einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt. Die Gewichtung der Teilnehmer nach Geschlecht, Altersgruppen und Staatsangehörigkeit bildete die tatsächliche Verteilung in der Stadt ab. Die Besucherzahlen der verschiedenen Einrichtungen beziehen sich alle auf das Jahr 2018. Der Bericht ist die Fortschreibung der Kulturumfrage aus dem Jahr 2009. Er ist in voller Länge in den Unterlagen zur Gemeinderatssitzung vom 24. März online unter karlsruhe.de abrufbar.