Der Erbsenzähler ist ein auf größte Genauigkeit und Vollständigkeit bedachter Mensch. Man könnte ihn auch als Pedant bezeichnen. | Foto: Foto: complize | m.martins / adobe.stock.vom

Vom Wesen des Pedanten

Unbeliebte Erbsenzähler

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Der Pedant ist bei seinen Mitmenschen meist nicht sonderlich beliebt, weshalb er bisweilen auch mit teils derben Ausdrücken wie Korinthenkacker, Beckmesser, Dipfelesscheißer, Kleingeist, Krämerseele oder Erbsenzähler belegt wird. Zumindest der Begriff „Erbsenzähler“ ist im Deutschen schon seit mindestens 350 Jahren bekannt: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen benutzte das Wort in seinem Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“, der 1668 erschienen ist.

Zwischen Lachkrampf und Gruseln

Für viele Dokumentarfilmer ist der Pedant noch heute ein dankbares Objekt, denn man muss ihn einfach nur erzählen lassen und weiß, dass sich beim Zuschauer alsbald ein wohliges Gefühl irgendwo zwischen Lachkrampf und Gänsehautgrusel einstellt.

Stehen die Tassen richtig?

In der ARD-Doku „Erbsenzähler – Pedanten unter uns“ beispielsweise haben die Filmemacher drei überpenible Mitmenschen bei ihren Abenteuern im Alltag begleitet. Der eine führt immer einen genormten Kanister mit, um zu prüfen, ob er beim Tanken nicht um ein paar Tropfen Benzin betrogen wird, der andere kontrolliert penibel die Inhaberangaben an den Eingangstüren von Geschäften, der dritte verbringt sein halbes Leben damit, die Tassen im Küchenschrank richtig einzuordnen.

Erbsenzähler ohne Problembewusstsein

Problembewusstsein in eigener Sache ist bei Pedanten wie diesen eher selten. Meist können sie die Zwangshandlungen selber nicht erkennen und wundern sich höchstens darüber, dass ihre Umwelt sich nicht nach ihren Vorstellungen ausrichtet.

„Pfennigfuchser“ vor Gericht

Mit einer ganz speziellen Form der Pedanterie, auch bekannt als „Pfennigfuchserei“, hatte sich unlängst das Verwaltungsgericht Neustadt/Weinstraße zu befassen. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hatte ein Mann im Frühjahr 2012 in einer ordnungs- und polizeirechtlichen Angelegenheit ein vorläufiges Rechtsschutzverfahren gegen die Kommune geführt. Weil sie seine Forderung erfüllte, wurde das Verfahren eingestellt. Fünfeinhalb Jahre später – im Dezember 2017 – machte er im Zusammenhang mit dem Verfahren Portoausgaben von 2,91 Euro geltend, die die Stadt seinem Konto gutschreiben ließ.

„Da fehlen noch 0,03 Euro“

Der Mann bestätigte den Eingang, monierte aber, dass noch Zinsen von 0,03 Euro ausstünden. Die Richter kamen zu dem Schluss, dem Antrag fehle das nötige Rechtsschutzinteresse. Eigentlich eine klassische Steilvorlage für einen waschechten Pedanten: Da wird man sich doch sicher irgendwie dagegen wehren können.

 

Eine interessante Doku über Pedanten: