Im Prozess um den Mordfall am Kolpingplatz in Karlsruhe ist heute das Urteil gesprochen worden. | Foto: Paul – stock.adobe.com

Freispruch für Haushälterin

Urteil im Mordfall Kolpingplatz

Von Ekart Kinkel

Im Prozess um den Mordfall am Kolpingplatz ist am Dienstag in Karlsruhe das Urteil gesprochen worden. Im Mai 2017 war die 66-jährige Verena Löbnitz in ihrer Wohnung tot aufgefunden worden. Des Mordes angeklagt war die 61-jährige Haushälterin des Opfers. Sie wurde freigesprochen.

Freispruch im Mordfall Kolpingplatz

Fast während der gesamten Hauptverhandlung hatte die Angeklagte keinerlei Gefühlsregungen gezeigt. Erst als der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt den aufsehenerregenden Mordprozess im voll besetzten Schwurgerichtssaal des Landgerichts mit dem Freispruch beendete, ließ die 61-jährige Putzhilfe ihren Gefühlen freien Lauf. Sie vergrub ihr Gesicht für wenige Augenblicke laut schluchzend an der Schulter ihres Verteidigers Marvin Schroth.

Fall wird wohl nie ganz aufgeklärt

„Der Fall Verena Löbnitz kann vermutlich nie ganz aufgeklärt werden“, betonte Schmidt wenig später bei seiner Urteilsbegründung.

Denn obwohl die Polizei „mit riesigem Aufwand großartige Ermittlungsarbeit“ geleistet habe, blieben am Ende des Indizienprozesses „viele Fragen offen“.


Zwar gibt es laut Schmidt zahlreiche Hinweise, die dafür sprechen, dass die Angeklagte ihre Arbeitgeberin Verena Löbnitz tötete und zur Vertuschung der Straftat einen Brand legte. Allerdings konnten die Zweifel an der Täterschaft der 61-Jährigen auch nach der Auswertung sämtlicher Indizien sowie der Vernehmung von über 50 Zeugen und Sachverständigen nicht komplett ausgeräumt werden.

Deshalb habe sich das Gericht nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ für einen Freispruch entschieden. Damit folgte die Schwurgerichtskammer dem Antrag von Pflichtverteidiger Schroth.

Staatsanwalt hatte „lebenslänglich“ gefordert

Oberstaatsanwalt Klaus Armbrust hatte auf eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes plädiert.
Fest stand für das Gericht am Ende lediglich, dass Verena Löbnitz am 17. Mai vor 11.30 Uhr mit mehreren Stichen in den Hals getötet und dass am 18. Mai vor 9 Uhr im Schlafzimmer mit der Leiche ein Feuer gelegt wurde.

Am 29. Mai geriet die Angeklagte durch ihre Selbsteinweisung in die Psychiatrie des Städtischen Klinikums dann erstmals ins Visier der Ermittler. Doch trotz teilweise widersprüchlicher Aussagen konnte der 61-Jährigen der Mord an Verena Löbnitz nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Aufwendige Spurensicherung

Selbst bei der wohl aufwendigsten Spurensicherung, die er in seiner Zeit als Vorsitzender Richter erlebte, konnten nach Schmidts Einschätzung keine wirklich belastenden Spuren dokumentiert werden.

Und einige Details am Tatort wie das Fehlen von Fingerabdrücken an einer Geldkassette hätten die Angeklagte nach Einschätzung des Gerichts sogar entlastet.

Existiert ein unbekannter Täter?

Die Existenz eines bislang unbekannten Täters schloss das Gericht im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft auch deshalb nicht kategorisch aus.

„Die Zeugenaussagen zu männlichen Begleitern von Verena Löbnitz sind schließlich nicht völlig aus der Luft gegriffen“, so Schmidt.

Trickserin und Diebin – aber Gewaltverbrecherin?

Am Ende seiner einstündigen Urteilsbegründung verwies er zudem noch auf die Unvereinbarkeit der Persönlichkeit der Angeklagten mit dem Tatbild.

„Sie mag eine Trickserin und eine Diebin sein“, sagte der Vorsitzende Richter. Aber bis heute fehlten jegliche Hinweise auf ein Tatmotiv sowie auf die Neigung zum Begehen eines Gewaltverbrechens.

Zuschauer spekulieren

Als Schmidt die Verhandlung schloss und die Putzfrau den Gerichtssaal wieder frei verlassen durfte, wurde unter den über 100 Besuchern bereits eifrig über das Urteil sowie die mögliche Existenz eines bislang unbekannten Mörders diskutiert.

An solchen Spekulationen wollte sich Armbrust allerdings nicht beteiligen. „In den vergangenen Monaten wurde bereits in alle mögliche Richtungen ermittelt“, sagte der Oberstaatsanwalt. Und ohne konkrete Hinweise aus der Bevölkerung gebe es seiner Einschätzung nach auch keinen Grund für die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt, will er im Laufe der Woche entscheiden.