„Es geht um die Schüler, ihnen soll es gut gehen“, sagt Uwe Müller. An seinem Schreibtisch im Max-Planck-Gymnasium ist der Schulleiter auch an Wochenenden und in den Ferien oft zu finden.
„Es geht um die Schüler, ihnen soll es gut gehen“, sagt Uwe Müller. An seinem Schreibtisch im "Max Planck"ist der geschäftsführende Schulleiter der Karlsruher Gymnasien auch an Wochenenden und in den Ferien oft zu finden. | Foto: abw

Direktor in Karlsruhe

Uwe Müller und die Verantwortung der Lehrer im System Schule

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In den 1980er Jahren hat Uwe Müller Deutsch und Geschichte fürs Lehramt an Gymnasien studiert. Denkbar schlecht waren die Berufsaussichten damals. Der Ettlinger Lehrersohn hat es trotzdem in seinen Traumberuf geschafft. „Heute ist Unterrichten meine Lieblingsnebentätigkeit“, sagt der Direktor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums. Geschichte vierstündig in der Oberstufe gibt er derzeit. – „Man ist ja Lehrer geworden, weil man mit Schülern zusammenarbeiten will“, schmunzelt Müller. Aber er will noch etwas anderes: Schule gestalten und weiterentwickeln.

Uwe Müller will Schule gestalten und weiterentwickeln

In diese Aufgabe steckt Uwe Müller einen großen Teil seiner Kraft: als Direktor des Rüppurrer Gymnasiums mit rund 90 Lehrern und 1.000 Schülern, als geschäftsführender Schulleiter der Karlsruher Gymnasien und als Vorstandsmitglied der Direktorenvereinigung Nordbaden. Dass der einstige Spitzenreiter Baden-Württemberg in Sachen Bildung in den vergangenen Jahren deutlich abgefallen ist – das schmerzt.

„Es geht um die Schülerinnen und Schüler“

Uwe Müller ist bekannt als einer, der den Finger in die Wunden legt. Und der klare Worte spricht, wenn er eine Entwicklung kritisch sieht. „Das gefällt nicht jedem“, weiß er: „Aber es geht um die Schülerinnen und Schüler. Ihnen soll es gut gehen und sie sollen etwas lernen.“

„Lehrer tragen im System Schule eine große Verantwortung“

Womit er keineswegs das anmahnt, was bisweilen als „Kuschelpädagogik“ bezeichnet wird. Uwe Müller legt durchaus Wert auf Leistung – nicht nur bei den Schülern, sondern auch im gesamten Schulsystem und bei seinen Kollegen: „Bildung und Erziehung gehören zu den wichtigsten Aufgaben des Staates. Und Lehrer tragen im System Schule eine große Verantwortung.“

Umso mehr bedauert es Uwe Müller, dass die Möglichkeiten eines Schulleiters, sehr engagierte Kollegen zu belohnen beziehungsweise unzureichende Leistungen einzelner Lehrer zu sanktionieren, beschränkt sind: „Das ist den vielen Kollegen gegenüber, die auf hohem Niveau unterrichten, sich für ihre Schüler einsetzen und unzählige Zusatzaufgaben übernehmen, nicht gerecht und auf Dauer motivationsschädigend.“

Abiturienten zu sachlicher Kritik aufgefordert

Genau darum habe er bei seiner Abi-Rede im vergangenen Jahr die scheidenden Max-Planck-Schüler gebeten, sich ganz besonders zu bedanken bei denjenigen Lehrern, von denen sie sich gut unterrichtet und unterstützt fühlten. Zugleich forderte er die Abiturienten aber auch auf, wo nötig Kritik zu üben – „sachlich und höflich.“ Denn, so Uwe Müller: „Unser System leidet mit Sicherheit nicht an zu vielen kritischen Äußerungen, sondern an zu wenig Kritik.“

Auch am Wochenende zieht es ihn ins „Max Planck“

Dass Uwe Müller sich in seiner Schule und in seinen Beruf wohlfühlt, erkennt man schon daran, dass er selbst an Wochenenden in der Regel einen Tag an seinem Schreibtisch im „Max Planck“ verbringt. In den Ferien ist er dort ebenfalls häufig anzutreffen.

… und wenn ihn doch mal der Frust packt

Aber was heißt Ferien? Müller spricht lieber von „der unterrichtsfreien Zeit, der besten Zeit, in Ruhe zu arbeiten“. Seine Frau, selbst viel beschäftigte und engagierte Gymnasiallehrerin, hat Verständnis dafür. Als Ausgleich setzt er vor allem auf Reisen mit der Familie, Skifahren, Tennis, Schach – und KSC-Spiele. Denn wenn ihn doch mal der Frust packt: „Im Wildpark kann ich ihn ja rausschreien.“

Zur Person:

Uwe Müller (Jahrgang 1962) ist geschäftsführender Schulleiter der Karlsruher Gymnasien und Vorstandsmitglied der Direktorenvereinigung Nordbaden. Der in Ettlingen aufgewachsene Pädagoge hat in Mannheim Deutsch und Geschichte studiert, als junger Lehrer besuchte er zudem die Führungsakademie des Landes in Karlsruhe. 1997 wurde er stellvertretender Schulleiter des Helmholtz-Gymnasiums, seit 2006 ist er Direktor des Max-Planck-Gymnasiums in Rüppurr. Er ist mit einer Lehrerin verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.