So könnte sie ausgesehen haben: Ein Modell der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok im Maßstab 1:10.
So könnte sie ausgesehen haben: Ein Modell der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok im Maßstab 1:10. | Foto: Bernd Kamleitner

Historischer Moment

Schatzsucher gaben in Karlsruhe Fundort der versunkenen Lok bekannt

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Manchmal braucht man auch etwas Glück: Lutz Harke (Foto: Frei) darf für sich in Anspruch nehmen, einen Volltreffer gelandet zu haben. Der wurde vor über vier Jahren von leidenschaftlichen Eisenbahnfans in der Region sehr wohl registriert: Am 11. März 2014 wurde bei einer Veranstaltung in Karlsruhe erstmals der konkrete Ort öffentlich genannt, an dem die am 14. Februar 1852 im Rhein bei Philippsburg versunkenen Dampflok vermutet wird. Eine Eisenbahnsensation!

Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt.
Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt. | Foto: Bernd Kamleitner

„Gut neiglaufe“ – so erinnert sich Harke im BNN-Gespräch mit einem Schmunzeln an die damalige Veranstaltung im Raum „Schiller“ des Siemens Industrieparks in der Karlsruher Rheinstraße 50. Dass die Veranstaltung, zu der der Arbeitskreis Entwicklung-Konstruktion-Vertrieb (EKV) des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) eingeladen hatte, eine solche Dimension bekommen würde, war dem Technikbegeisterten aus Dettenheim-Rußheim im Vorfeld des Termins nicht bewusst.

Lok liegt bis heute im Dornröschenschlaf

Er hatte zwar schon in den 1990er Jahren vom Schicksal der vor über 160 Jahren in Karlsruhe gebauten Dampflok „Rhein“ gehört. Das Stahlross war bei der Überführung nach Köln auf einem Lastensegler am 14. Februar 1852 bei einem Unwetter in Höhe von Philippsburg-Rheinsheim in den Rhein gekracht und liegt dort bis heute im Dornröschenschlaf.

So könnte es passiert sein: Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ist ein Diarama ausgestellt, das die Lok noch auf dem Segelschiff zeigt. Bei Unwetter krachte das Stahlross in den Rhein. Dort liegt die Lok heute noch.
So könnte es passiert sein: Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ist ein Diarama ausgestellt, das die Lok noch auf dem Segelschiff zeigt. Bei Unwetter krachte das Stahlross in den Rhein. Dort liegt die Lok heute noch. | Foto: Bernd Kamleitner

Ein Freund und Eisenbahnfan aus der Pfalz hatte Harke später wieder auf das Thema aufmerksam gemacht – und der Gedanke, eine VDI-Vortragsveranstaltung zu diesem Thema zu organisieren, war geboren. Harke recherchierte und setzte sich schließlich mit dem Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein in Verbindung, das bei der Suche nach der versunkenen Lok eine entscheidende Rolle einnimmt. Die Zusage für einen Vortragstermin war kein Problem.

Vier Schatzsucher informierten in Karlsruhe

Am 11. März 2014 um 18.30 Uhr saßen dann tatsächlich schon die vier maßgeblichen „Schatzsucher“ im Raum „Schiller“, die mit vielen Eisenbahnfans nun der Bergung des Lok-Schatzes am Sonntag, 21. Oktober, regelrecht entgegenfiebern. An die 200 Dampflokbegeisterte (Harke: „So viele hatten wir überhaupt nicht erwartet!“) lauschten damals gespannt den Ausführungen des ehemaligen Lokführers und unermüdlichen Dampflok-Suchers Horst Müller sowie des Geophysikers Bernhard Forkmann, Museumschef Uwe Breitmeier und seinem Mitstreiter Volker Jenderny.

Dann kam die Überraschung

„Dann kam die Überraschung, dass sie den genauen Fundort der versunkenen Lok gefunden haben“, kann Harke den besonderen Moment noch ganz genau beschreiben. Zwar hatten die von der „Lok-Schatzsuche“ infizierten Herren den konkreten Ort dank Müllers jahrelanger akribischer Recherchen schon einige Zeit früher ausfindig gemacht, aber das war bis dahin nur in einem kleinen Eisenbahnfachkreis durchgesickert. „Sie sind jetzt die ersten, die wissen, wo die Lok seit 162 Jahren gut versiegelt liegt“, hatte der Geophysiker Forkmann von der Bergakademie Freiberg (Sachsen) vor den verblüfften Zuhörern im Saal offenbart. Für Eisenbahnfans ein historischer Moment.

Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein soll die versunkene Lok nach der Bergung aus dem Rhein ausgestellt werden.
Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein soll die versunkene Lok nach der Bergung aus dem Rhein ausgestellt werden. | Foto: Kamleitner

Schon damals war der Experte optimistisch, dass an besagter Stelle im Kiesbett des Rheins nicht etwa ein Panzer- oder Flugzeugwrack liegt, sondern die besagte Dampflok, die dann das älteste in Deutschland noch erhaltene Stahlross wäre – und eines der ältesten Welt, ein Eisenbahnschatz eben. Möglicherweise rollte die in Karlsruhe in der Maschinenfabrik Keßler gebaute Lok Anfang 1852 gar nicht weit weg vom VDI-Veranstaltungsort zur Verschiffung Richtung Rhein.

Zuversichtliche Schatzsucher

Noch immer glauben viele Zeitgenossen allerdings nicht an den Erfolg der Schatzsucher. Doch die sind zuversichtlich: „Die ist mit Sicherheit nicht verrostet und sie existiert“, beschrieb Forkmann schon vor gut vier Jahren gegenüber den BNN den Zustand der versunkenen Lok. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Mit hochempfindlichen Spezialmessgeräten hatte Forkmann jahrelang nach dem rund 20 Tonnen schweren Metallkörper im Rhein gefahndet und den magnetischen Fußabdruck der vermuteten Lok registriert.

Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ist schon seit Jahrzehnten auf der Suche nach der versunkenen Dampflok.
Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ist schon seit Jahrzehnten auf der Suche nach der versunkenen Dampflok. | Foto: Bernd Kamleitner

Gewissheit darüber, ob dort tatsächlich der gesuchte Eisenbahnschatz schlummert, wird es jedoch erst bei der aufwändigen Bergung im Oktober geben. „Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich da hingehen“, betont Harke. Wie viele Eisenbahnfans verfolgt er das Geschehen um die versunkene Lok „sehr interessiert“.

Bergung kann nur vom badischen Rheinufer aus verfolgt werden

Einen weiten Anfahrtsweg hätte er nicht: „Es sind rund zehn Kilometer von meinem Wohnort bis zu der Stelle auf badischer Seite bei Rheinsheim.“ Der Uferbereich am Lok-Fundort unter einer Buhne am rheinland-pfälzischen Ufer ist nicht zugänglich. Die Bergung kann daher nur vom Ufer auf der gegenüberliegenden badischen Seite aus verfolgt werden.

Bisherige Bergungsversuche blieben ohne Erfolg

Weil der Rhein an der Unglücksstelle im Jahr 1852 gut 15 Meter tief war, bedeutete die Dampflok auf dem Grund kein Hindernis für den Schiffsverkehr. Zwar gab es unmittelbar nach dem Unglück einen Bergungsversuch, doch der blieb erfolglos. Die Lok „Rhein“ hatte einen Wert von rund 25 000 Gulden, was heute etwa 350 000 Euro entspricht.

Wir könnten eine Lücke schließen

Wenn die Schatzsuche gelingt, kann das Eisenbahnmuseum in Darmstadt-Kranichstein seine Sammlung um ein wertvolles Exponat ergänzen. Derzeit stammt die älteste dort ausgestellte Lok aus dem Jahr 1887. Die Lok „Rhein“ wäre immerhin 35 Jahre älter. „Wir könnten eine Lücke schließen“, hatte Museumschef Breitmeier bereits bei der Veranstaltung vor über vier Jahren in Karlsruhe angedeutet.

Besitzer der versunkenen Lok ist das Land Rheinland-Pfalz

Im Eisenbahnmuseum soll das Stahlross als Leihgabe ausgestellt werden. Rein rechtlich gesehen ist das Land Rheinland-Pfalz der eigentliche Besitzer, weil sie auf der Gemarkung des Bundeslandes liegt.

http://www.lok-jaeger.de/