Fleischlose Vielfalt: Das „Café Palaver“ hat von jeher mehrheitlich vegetarische Gerichte im Angebot. Hier serviert Kellnerin Carina Pfau gratinierten Ziegenkäse mit Süßkartoffelpüree und ein Reisgericht mit indonesischer Erdnusssoße, Tofu und Gemüse.
Fleischlose Vielfalt: Das „Café Palaver“ hat von jeher mehrheitlich vegetarische Gerichte im Angebot. Hier serviert Kellnerin Carina Pfau gratinierten Ziegenkäse mit Süßkartoffelpüree und ein Reisgericht mit indonesischer Erdnusssoße, Tofu und Gemüse. | Foto: Jörg Donecker

Vegetarischer Mittagstisch

Veni, vidi, veggie

Sind wir nicht alle ein bisschen veggie? Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen ist der Umsatz mit vegetarischem Fleischersatz im Vergleich zum vergangenen Jahr in Deutschland stark gestiegen. Auch in Karlsruhe findet man viel Vegetarisches in den Regalen der Supermärkte – und auf den Mittagstischen in den Gaststätten in der Innenstadt.

Hungrige Vegetarier können, müssen aber nicht speziell auf fleischlose Kost spezialisierte Küchen ansteuern. Die gibt es in der Stadt auch – das „Viva“ in der Lammstraße etwa oder das vegane Burgerrestaurant „My Heart beats vegan“ in der Kriegsstraße. Indische, arabische und persische Restaurants bieten traditionell ebenso zahlreiche Gerichte ohne Fleisch an. Und auch, wem klassisch gutbürgerliche und mediterrane Küche lieber sind als Falafel und Co, der findet eine große Auswahl.

Flammkuchen, Pasta oder Salat sind (auch) vegetarisch zu haben

Zumindest ein vegetarisches Gericht haben die meisten Gastronomen auf ihren wechselnden Mittags- und Wochenkarten. Im „Stövchen“ in der Waldstraße gab es zuletzt etwa den Flammkuchen „Olivia“ sowie Eiernudeln mit Salat im vegetarischen Angebot. Auch wer über den Ludwigsplatz schlendert, findet zur Mittagszeit viel Fleischloses auf den handgeschriebenen Menütafeln: Ofenkartoffel mit Bärlauch-Kräuter-Quark und Salat etwa bei „Ludwig’s“, Linguini-Nudeln mit Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln im „Aposto“ oder Penne mit Avocado-Basilikum-Pesto im „Salmen“.

 

In der „Marktlücke“ wird explizit mit einem vegetarischen Gericht auf der Mittagskarte geworben. „Heute haben wir zum Beispiel Spinatmaultaschen sowie Penne mit Tomate und Ricotta auf der Karte“, erklärt Kellner Andreas Rauch. Mindestens ein Mittagsgericht sei immer vegetarisch, manchmal auch mehrere. Zudem gebe es immer auch Salate, die ja vegetarisch seien, oder einen Klassiker der gutbürgerlichen Küche: Käsespätzle. Es komme auch vor, dass Gäste bei Pasta-Gerichten fragten, ob man das Fleisch weglassen könne. „Wir schauen, dass wir das Gericht dann auch vegetarisch anbieten können, zum Beispiel, indem wir das Fleisch generell getrennt vom Rest zubereiten“, sagt Rauch. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Man kann bei uns auch Rumpsteak mit Pommes ohne Rumpsteak bestellen.“

Seit etwa zwei Jahren hat auch das „MultiKulti“ mit Blick auf das Karlsruher Schloss jede Woche zumindest ein vegetarisches Gericht im Mittagsprogramm. „Die Abendkarte hat außerdem auch sehr viele vegetarische Optionen“, erklärt Kellner Peter Seewald.

Auch für Veganer ist etwas dabei

Wem viel Abwechslung auf dem vegetarischen Teller wichtig ist, der kennt die Adresse in der Steinstraße mit Sicherheit: Das Café Palaver bietet seit mittlerweile mehr als 30 Jahren eine vielfältige, mehrheitlich vegetarische Küche an. „Hauptsächlich deshalb, weil wir selbst vegetarisch essen“, erklärt Inhaberin Annabelle Saur. Die wöchentlich wechselnde Mittagskarte folgt einem im Vergleich zu den anderen Restaurants umgekehrten Prinzip: Ein Essen auf der Karte ist ein Fleischgericht, die große Mehrheit ist vegetarisch.

Seit anderthalb Jahren ergänzt außerdem täglich ein veganes Gericht die Mittagskarte. „Das haben wir anfangs zum weltweiten ,Veggie Day‘ eingeführt, der ja in vielen Kantinen immer donnerstags ist“, erklärt Küchenchef Kai Klingler. Die Nachfrage sei – auch trendbedingt – einfach groß. Das „Palaver“ kann dennoch nicht für den Umsatzanstieg bei Fleischersatzprodukten auf lokaler Ebene verantwortlich gemacht werden:

„Wir kochen nicht spezielle Gerichte, in denen das Fleisch ersetzt wird“, sagt Klingler, „sondern zum Beispiel indische oder asiatische Gerichte, die sowieso vegetarisch oder vegan sind.“ Lediglich bei der Pesto, die jetzt ohne Käse zubereitet wird (der kommt dann frisch auf die Nudeln dazu), und bei Gerichten mit Joghurt-Dip gibt es vegane Varianten. „Letztlich sind die Veganer aber gar nicht so viele, wie man meinen könnte.“