Das "alte" Wildparkstadion könnte bald Historie sein. | Foto: jodo

Fokus bereits auf einen Bieter

Vergabeentscheidung für Wildparkstadion steht bevor

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Eine Sitzung folgt auf die andere: An diesem Dienstagabend trifft sich im Rathaus – nichtöffentlich – der Betriebsausschuss Wildparkstadion, um die Vergabeentscheidung für den Stadionneubau vorzuberaten. Der Ausschuss ist ein gemeinsames Gremium des Gemeinderates mit den Fachleuten der Stadtverwaltung. Am Dienstag in einer Woche tagt der gemeinderätliche Hauptausschuss, ebenfalls nichtöffentlich, um die Entscheidung voranzutreiben.

Am Dienstag, 23. Oktober, kann der Gemeinderat endlich entscheiden und dies in öffentlicher Sitzung. Doch über was kann er noch entscheiden? Denn die Weichen werden schon in den vorangegangenen Sitzungen gestellt, hinzu kommen noch diverse Hintergrundrunden.

Nach Informationen der BNN werden die Gemeinderäte bei ihrer Sitzung nur noch über einen dann vorliegenden Vorschlag der Stadt abstimmen können. Aus den Angeboten der bietenden zwei Baukonzerne hat die Stadt sich in den vergangenen Tagen nun  auf einen Vorschlag konzentriert.

Komplexe Regeln bei Vergabeentscheidung

Die Stadt selbst schweigt eisern zur Bewerberlage, zum Verfahren gibt der städtische Pressesprecher aber Auskunft: Am Dienstag,  23. Oktober, stimmen die Stadträte in der Gemeinderatssitzung demnach nicht über das Angebot eines konkret benannten Baukonzerns ab. Die Vorlage, die den Stadträten in dieser Sitzung präsentiert wird, ist anonymisiert.

In der Sitzung geht es nur darum, dem Oberbürgermeister sozusagen eine Art Vollmacht zu erteilen, dass er mit dem von der Stadt für gut befundenen Baukonzern, beziehungsweise dem künftigen Generalunternehmer, die abschließenden Verhandlungen führen und dann den Vertrag unterschreiben kann.

Das heißt, der Gemeinderat bekommt praktisch nur eine Vorlage, anhand er die Grundsatzentscheidung fällt, welche Kriterien nach städtischer Bewertung das ausgewählte Angebot erfüllt und ob es im „Vergabekorridor“ liegt, so Bernd Wnuck, Pressesprecher der Stadt auf BNN-Anfrage.

Strenge Vorgaben

Hintergrund für dieses komplexe Verfahren und die damit verbundene eiserne Verschwiegenheit ist die europaweite Vergabe für dieses Großprojekt. Die Europäischen Ausschreibungsrichtlinien machen strenge Vorgaben, wie die Bieter zu behandeln sind. Ein hoher Vertrauensschutz ist eine zentrale Regel und dies über eine weite Spanne des mittlerweile zweijährigen Vergabeverfahrens.

Der OB wird also beauftragt, mit der Entscheidung des Gemeinderates im Rücken letzte Verhandlungen zu führen und diese final zu einem erfolgreichen Ende zu führen, sprich einen Vertrag zu unterschreiben. Erst danach wird der Name des Baukonzerns verkündet – inklusive eines ersten Entwurfsbildes eines möglichen Stadions.

Allerdings kann diese Spanne zwischen dem 23. Oktober und der Vertragsunterzeichnung mit  dem ausgewählten Baukonzern nicht mehr sehr lange sein. Dafür haben OB Frank Mentrup und der besagte Baukonzern nur noch wenige Tage Zeit. Denn im Sommer wurden die Arbeiten vergeben für die Vorabmaßnahmen. Dies sind die Beseitigung der Wälle inklusive Abriss der Gegentribüne, damit verbunden die Prüfung auf Weltkriegsüberrreste, die Entsorgung belasteter Erde und der Wiedereinbau für neue dann allerdings deutlich kleinere Wälle.

Hinzu kommen die Provisorien zur Sicherung des Spielbetriebs. Diese Arbeiten sind vergeben worden mit einem Rücktrittsrecht für die Stadt bis Anfang November. Dies ist also genau die Spanne, in der Stadtspitze und Baukonzern zu Potte kommen müssen. Die ersten November-Tage sind damit die Deadline. Im Herbst 2019 sollen dann die eigentlichen Bauarbeiten für ein neues Stadion beginnen.

Verhandlungen zwischen Stadt und KSC

Doch nicht nur das komplexe Vergabeverfahren beschäftigt die Akteure. Noch sind letzte Fragen zwischen Stadt und KSC nicht geklärt, das Geschehen ist erneut nicht frei von Emotionen. In den Verhandlungsrunden der vergangenen Wochen wiederholte sich ein bisschen das Geschehen vor der Vertragsunterzeichnung im November 2016.

Der KSC fühlt sich immer mal wieder in seinen Bemühungen, in naher Zukunft ein wirtschaftlich gut verwertbares Stadion zu haben, von der Stadt nicht ernst genommen. So ist etwa zu hören, dass man bei der Stadt weitere Standards abschmelzen wollte, um im Kostenrahmen zu bleiben – der KSC aber auf gewisse Notwendigkeiten verwies.

OB Frank Mentrup wiederum sah noch angesichts der öffentlichen Debatte um die finanzielle Situation des KSC einen öffentlichen Vertrauensverlust und forderte vom KSC weitere Zahlen an. Diese liegen dem OB nun in Ausführlichkeit vor, der KSC betont ausdrücklich seine Solidität und seine Sparanstrengungen. Mentrup will die Zahlen, wie zu hören ist, heute auch in der Sitzung des Betriebsausschusses dem Gremium präsentieren.

Strittige Frage Parkhaus

Noch nicht gelöst ist nach wie vor zwischen Stadt und KSC die Frage des Parkhauses. Um die Kostensteigerungen im Verlauf der Stadionplanungen aufzufangen, vereinbarten die Partner im Frühjahr 2018 die Herausnahme aus dem Stadion-Budget. Der KSC will das Parkhaus nun selbst finanzieren, die Stadt überlässt den KSC dafür das Grundstück. Für sein Finanzierungsmodell braucht der KSC allerdings ein Erbbaurecht.

Strittig ist nun offenbar die Frage, wie lange dieses Erbbaurecht vereinbart wird. Kaum eine Bank wird ein Projekt finanzieren, bei der die Zeitspanne für das Erbbaurecht relativ kurz ist. Doch hier deutet sich nun eine Kompromisslösung an, die Zeit für weitere Verhandlungen zwischen Stadt und KSC in dieser Detailfrage schafft. Nach BNN-Informationen hat sich bei der Stadt die Erkenntnis durchgesetzt, dass Vergabeentscheidung und Einigung in Sachen Parkhaus nicht zeitgleich erfolgen müssten.

Stichwort Stadion
Das Gesamtprojekt Neues Wildparkstadion umfasst 123 Millionen Euro, davon sind 74 Millionen Euro für den eigentlichen Stadionkörper kalkuliert, die Stadt hat darauf noch einmal einen Risikoaufschlag von acht Millionen Euro für Unvorhergesehenes addiert. Deshalb ist auch von 82 Millionen Euro für den eigentlichen Stadionkörper die Rede. 28 Millionen Euro sind für Infrastrukturmaßnahmen direkt am Stadion wie im nahen Umfeld eingeplant. Für die Vorabmaßahmen – Abtragen der Wälle inklusive Provisorien zur Sicherung des Spielbetriebs- waren 12 Millionen Euro kalkuliert.
Das Ausschreibungsergebnis hat im vergangenen Sommer eine deutlich niederere Summe von rund neun Millionen Euro gebracht. Das so eingesparte Geld bleibt als weitere Risikovorsorge im Projekt. Der KSC soll 74,5 Millionen Euro in den kommenden 35 Jahren über Pacht finanzieren. Vom Land gibt es einen Zuschuss von elf Millionen Euro. Baubeginn soll im November 2019 sein, die Fertigstellung ist dann zwei Jahre später geplant. tw