Zirkel
Auf Konfrontation geraten Autofahrer mit Radfahrern und Fußgängern im Zirkel. Die vor zwei Wochen installierte Sperre in der Mitte hindert Autofahrer an der Durchfahrt, die längst verboten war. Fußgänger und Radler geraten nun in chaotische Wendemanöver – zeitweise im Minutentakt. | Foto: jodo

Stadtverwaltung bessert nach

Verkehrsversuch am Zirkel in Karlsruhe ist schlecht gestartet

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Der Verkehrsversuch mit einer fest installierten Sperre in der Mitte des Zirkels in der Karlsruher Innenstadt erzeugt permanent Probleme. Die Stadt reagiert und stellt ab Freitag eine blinkende Zusatzanzeige auf.

Im Zirkel staunt sogar die erfahrene Frau vom kommunalen Ordnungsdienst. Da setzt ein Sattelzug von der Durchfahrsperre beim Platz der Grundrechte bis an die Waldstraße zurück. Auf der Fahrradstraße packt viele ein Schreck. Radler bremsen oder fahren Slalom, Fußgänger bleiben stehen.

Seit die Barriere vor zwei Wochen am Scheitelpunkt montiert wurde, gibt es Probleme. Autos wenden vor allem westlich der Sperre, auf Höhe des Marktplatzes oder unter den BNN-Buchstaben an der Lammstraße. Manche rollen in die Kaiserstraße, Fußgängerzone hin oder her.

Verkehrsversuch mindestens bis Ende 2019

Seit Ende Juli ist der Innere Zirkel in Karlsruhe gesperrt. Laut Stadtverwaltung handelt es sich um einen Versuch. Eigentlich gilt dort längst ein Durchfahrtsverbots für den allgemeinen motorisierten Verkehr. Nur Anliegerverkehr ist zugelassen.

Doch viele Autofahrer beachten die Beschilderung nicht. Das hat insbesondere bei Großveranstaltungen wie den Schlosslichtspielen bereits zu chaotischen Verkehrsverhältnissen geführt.

Doch der Verkehrsversuch klappt noch nicht so recht. Wird die ergänzte, auffallende Beschilderung am westlichen Zirkeleingang übersehen, ignoriert oder ist sie nutzlos selbst für Ortskundige? Für Routenplaner ist das Durchfahrverbot für Autos jedenfalls nicht neu.

„Ich muss zum Zirkel 2“, sagt ein Mann, der mit saurer Miene einen Lieferwagen mit KA-Kennzeichen wendet. „Wo das ist und ob ich von dieser Seite hinkomme, weiß ich nicht.“

Die Fahrradstraße führt wie mit dem Zirkel gezogen im Süden um den Schlossbereich. Pflaster macht die Fahrbahn schmal. Derzeit kommt fast jedes Auto, das die Barriere ansteuert, umgehend zurück. Die Sperrbaken sind Teil eines Verkehrsversuchs, der bis mindestens zum Jahresende dauern soll.

Einen Unfall gab es seit dem Beginn der Sperrung

Ein Zweierteam des städtischen Ordnungsdienstes steht an den Parkplätzen nahe der Durchfahrsperre, die für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte reserviert sind. Bis ein Abschleppwagen kommt, sehen sie lauter Wendemanöver, bei denen sich Autohecks zwischen Radler und Fußgänger und zurück in den Zirkel schieben. Zur Abwehr von Gefahren würden sie eingreifen.

Bei der Polizei ist ein Unfall seit dem Start des Verkehrsversuchs aktenkundig. Daran war jedoch kein Auto beteiligt. Beim Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem Fußgänger bei der Sperre ging Anfang August ein Handy zu Bruch, verletzt wurde niemand.

Ordnungsamt, Tiefbau- und Stadtplanungsamt beobachten die Lage „engmaschig“, berichtet Ordnungsamtsleiter Björn Weiße.

Freiwillig fährt keiner an die Barriere

Wendende Autofahrer gäben an, sie hätten die vier Hinweisschilder auf der Strecke übersehen. „Freiwillig fährt ja keiner an die Barriere“, sagt Weiße.

Eine blinkende Anzeigetafel kommt

Deshalb stelle die Stadt nun zusätzlich an die Herrenstraße eine digitale LED-Anzeigetafel mit Text und Blinksignal. Am Freitag ab 7 Uhr soll sie an Ort und Stelle sein.

Außerdem schickt die Stadt ab Beginn der Schlosslichtspiele mehr Personal an die Strecke, kündigt Weiße an. „Wenn Tausende über den Zirkel gehen, darf es dort kein Wenden mehr geben“, betont er.

Die Sperre habe die Situation „schon etwas beruhigt“, meint Christian Büttner, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Karlsruhe. Dessen Büro liegt nahe dem Zirkel in der Kronenstraße. Auf der bisherigen „Rennstrecke für Autos“ sei es jetzt „deutlich ruhiger“.

Die Irrfahrten vieler Autofahrer werfen auch aus Büttners Sicht vorrangig eine Frage auf: „Wie macht man es deutlich?“