Blaues Tor
BUDDELN für eine helle Zukunft: Die Doppelstahlskulptur an der Südtangente bekommt nach sieben Jahren elektrischen Anschluss. Damit macht Karlsruhe auch bei Nacht sichtbar, wohin die Stadtentwicklung das Ettlinger Tor nach Süden verschoben hat. | Foto: jodo

Nach sieben Jahren

Versetztes Tor leuchtet

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Nach sieben Jahren geht Karlsruhe wieder ein Licht auf. Das 2011 an die Südtangente versetzte Ettlinger Tor wird im Dezember wie einst an der Kriegsstraße angeleuchtet, versichert Uwe Konrath, Chef der Kombi-Bauherrin Kasig. Nur für die Skybeamer, mit denen die zweiteilige Stahlkunstskulptur einst den Nachthimmel über Karlsruhe spaltete, gibt es kein Comeback.

Von der Kombi verdrängt

Der Arbeitsbeginn für das Kombibauwerk, der unterirdisch höhenfreien Kreuzung der Tunnels für U-Strab und Autos, forderte die Demontage am eigentlichen Standort.

Vor 20 Jahren erst war dieses künstlerisch nachgebildete Stadttor als geborstene Skulptur und damit als Zeichen für Veränderung und Vergehen, für einschneidende Gewalt und flexible Standhaftigkeit an historischer Stätte eingepflanzt worden.

Stadttor seit 1803

Nach 13 Jahren hatte es zu verschwinden. Das erste Ettlinger Tor stand von 1803 bis 1872. Es wurde schon zu Anfang der Industrialisierung und eines explosiven Bevölkerungswachstums als Hindernis für den Verkehr angesehen und abgebrochen.

 

Ettlinger Tor
DER NAME BLEIBT: „Ettlinger Tor“ heißt weiter der Verkehrsknoten der Kriegsstraße – wie seit 215 Jahren. Auch das Einkaufszentrum nennt sich so. Das Stahlkunstwerk „Ettlinger Tor“ aber verschwand dort 2011 und kommt nie wieder zurück.                         Foto: jodo | Foto: Archivfoto: jodo

 

Die Geschichte hat sich mit den Stahltorsi 2011 wiederholt: Auch dieses „Blaue Wunder“ von Karlsruhe wurde durch die Stadtentwicklung abgeräumt. Erneut hat das Mobile das Statische verdrängt. Einst waren es die Fuhrwerke und die Kutschen. Beim laufenden Stadtumbau sind es die U-Strab und der Autotunnel sowie eine oberirdische Gleistrasse in der Kriegsstraße, die das Ettlinger Tor verrückten.

An eine Rückkehr der gigantischen Metallkunst aus 15 Meter langen Trägern ans Ettlinger Tor nach der Vollendung der Kombilösung ist im Gegensatz zum Greif auf den Europaplatz und zum Ludwig mit Brunnen auf den Marktplatz nicht zu denken.

Auch nach den Bauarbeiten in der Kriegsstraße gibt es für das blaue Tor dort einfach keinen Platz mehr. Immerhin hatte die Stadtpolitik noch mit Oberbürgermeister Heinz Fenrich an der Spitze mit der Verschiebung an die Südtangente ein Zeichen für die Zukunft gesetzt.

Südverschiebung

Dort im Nordwestohr des Schwarzwaldkreuzes steht das Stahlwerk ohnehin Ettlingen zwei Kilometer näher. Und seitdem der Milliardär Ralph Dommermuth die Brache hinter dem Hauptbahnhof mit Büropalästen füllt, ist der südliche Stadteingang endgültig bis an die Südtangente gewandert. Fehlt also nur noch, dass Karlsruhe sein Südtor endlich ins rechte Licht setzt.

„Die Stadtwerke legen derzeit Stromleitungen vom Rand der Kreuzung zum Kunstwerk“, berichtet Kasig-Pressesprecher Achim Winkel. „Insgesamt kommen 16 Strahler zum Einsatz, pro Tor also acht“, erklärt er den Lichtplan an der Stadtautobahn. Zum Schutz der Bodenstrahler werde bei dem Kunstwerk auf der Wiese auch noch etwas gepflastert.

Keine Beamer

Die einst am alten Standort Ettlinger Tor aus dem Kunstwerk in den Nachthimmel strahlenden Sky-Beamer bleiben nicht nur an der Südtangente ausgeknipst.

„In Karlsruhe sind längst die Sky-Beamer, wie sie auch von Diskotheken gerne eingesetzt wurden, zum Schutz der Fledermäuse und der Zugvögel verboten“, sagt Winkel. 40 Sponsoren mit der Karlsruher Stahlbaufirma Vollack an der Spitze stifteten 1998 das monumentale Kunstwerk.

Geschenk zur Revolutionsfeier

Mit seiner auf dem Kopf liegenden Hälfte erinnert es zur 150-Jahr-Feier der bürgerlichen Revolution auch an die Kraft des Umsturzes von 1848 in Baden. Wo einst Weinbrenners Kunst die Stadt begrenzte, sollte die Ettlinger-Tor-Skulptur auch für die Offenheit gegenüber dem Kommenden und für die Erinnerung an die Brüche der Vergangenheit stehen.