Hier könnte sie liegen: Im Jahr 1852 ist bei einem Unwetter und bei starker Strömung eine Dampflok von einem Lastensegler in den Rhein bei Germersheim gestürzt. Am 21. Oktober 2018 soll sie geborgen werden. | Foto: Jenderny

Vorbereitungen laufen

Versunkene Lok im Rhein soll am 21. Oktober geborgen werden

Eisenbahnfreunde aus aller Welt werden am Sonntag, 21. Oktober, wohl auf die Region schauen: An diesem Tag im Herbst soll die im Jahr 1852 bei der Überführung per Schiff in den Rhein gestürzte Dampflok „Rhein“ geborgen werden. Noch wird der Termin vom zuständigen Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ in Mainz nicht offiziell bestätigt, aber demnächst soll es bei einem Pressetermin konkreter werden, heißt es auf BNN-Anfrage. Zu dem Spektakel am Rhein bei Germersheim werden tausende Schaulustige erwartet.

Die Dampflok Concordia ist baugleich wie die Lok Rhein, die 1852 im Rhein bei Germersheim abgesoffen ist Sie wurde bei der Firma Kessler in Karlsruhe gebaut. | Foto: Jenderny

Nach Informationen dieser Zeitung steht der Termin fest. Hinter den Kulissen sind bereits Vorbereitungen für das Spektakel am Rhein bei Germersheim und Philippsburg im Gange. Da mit großem Besucherandrang gerechnet wird, müssen sich Anliegergemeinden auch Gedanken darüber machen, wie das alles vor Ort bewältigt werden kann.

Lok stürzte bei Unwetter und starker Ström von Lastensegler in den Rhein

Schon seit über zwei Jahrzehnten ist die sagenumwobene Lok, die bei der Überführung von Karlsruhe nach Düsseldorf bei einem Unwetter und bei starker Strömung vom Lastensegler „Stadt Coblenz“ in den Fluss stürzte, im Visier der Bahnexperten des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein. Rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe waren im Jahr 1852 die Halterungen an Deck gerissen.

Bislang scheiterten alle Bergungsversuche

Damalige Versuche, die an die 20 Tonnen schwere Lok mit Hilfe von Tauchern aus London und mit Hunderten von Helfern und selbst geschmiedeten Ketten aus dem Rhein zu ziehen, scheiterten. Laut Überlieferungen hatte die Aktion am Rhein schon damals Volksfestcharakter.

Live-Übertragung der Bergung im Fernsehen geplant

Ähnlich könnte es am 21. Oktober zugehen. Das SWR Fernsehen will die Bergung zudem live übertragen. Ein weiterer Bergungsversuch scheiterte zudem im Jahr 1925.

So könnte die Lok Rhein ausgesehen haben. Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen bei einem Infoabend im Jahr 2014 in Karlsruhe. | Foto: Bernd Kamleitner

Die Eisenbahnfreunde vom Museum in Hessen waren von dem inzwischen pensionierten Lokführer Horst Müller aus Cochem vom „Rhein“-Virus infiziert worden. Experten gehen davon aus, den Standort im Rhein, an dem die Lok im Kiesbett im Dornröschenschlaf liegt, genau bestimmt zu haben. Hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht.

Horst Müller, ehemaliger Lokführer aus Cochem, recherchiert schon seit 1962 zum Thema versunkene Lok. | Foto: Bernd Kamleitner

Der Eisenbahnschatz gehört rein rechtlich dem Land Rheinland-Pfalz, auf dessen Gemarkung im Rhein die Lok demnach liegen soll. Sollte die aufwändige Bergung gelingen, soll die Dampflok nach der Restaurierung im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ausgestellt werden.

Die Lok Rhein wäre die älteste noch erhaltene Dampflok Deutschlands

Die „Rhein“ wäre dann die älteste noch erhaltene Dampflok Deutschlands und unter den zehn ältesten noch erhaltenen Stahlrössern weltweit, denn die legendäre Adler, die erste Dampflok, die auf deutschen Gleisen fuhr, ist zwar bei Veranstaltungen immer wieder mal zu sehen, aber das Exemplar ist lediglich ein Nachbau des Originals aus dem Jahr 1835.

Sponsoren sollen Bergungskosten decken

Die Kosten für die aufwändige Bergung sollen über Sponsoren gedeckt werden. Erste Kontakte zu potenziellen Geldgebern gibt es bereits, erklärt Maritta von Wolfframsdorf. „Wir brauchen aber noch mehr Spenden“, betont die Mitarbeiterin der Mainzer PR-Agentur. Auch Kleinbeträge seien dabei willkommen.

Wie man sich mit solchen in das Projekt einbringen kann, soll beim Pressetermin im April ebenfalls erläutert werden, heißt es. Hinsichtlich der Gesamtkosten gibt es derzeit nur Schätzungen von bis zu einer Million Euro.

Buchtipp

Lok im Rhein, Breitmeier/Forkmann/Jenderny/Müller, 60 Seiten, Herdam Verlag, 19.80 Euro

https://www.herdam.net/